﻿DAS GLOBULIN DER LINSE DES AUGES.
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wässerige Extract, um es von den anorganischen Bestandteilen zn befreien, mit Essigsäure bei massig warmer Temperatur an, engte es etwas ein und fällte es sodann mit Ammoniak: nachdem der abfiltrirte Niederschlag an der Sonne getrocknet und,zerkleinert worden war, quoll er in Wasser auf, löste sich darin aber nicht (ib. p. 96). Das wässerige Extract frischer Linsen fällt in der Wärme in Gestalt eines p u 1 v e r f örmige n Niederschlags aus, „ab e r“ fügt Hünefeld hinzu, „damit ein solcher Niederschlag erhalten werde, darf die Lösung nicht gar zu concentrirt sein“. In Bezug auf Metallsalze, Aether, Alkohol und Säuren verhält sich das Krystallin in wässeriger Lösung ebenso wie das Albumin. Im allgemeinen ist Hünefeld geneigt eine nähere Verwandtschaft des Krystallins mit dem Albumin als mit dem Blutfarbstoff anzuerkennen, während Berzelius (ib. p. 97—9) letzteres annahm. Zu Gunsten der Aelmlichkeit zwischen dem Krystallin und dem Albumin spricht sich noch entschiedener Mulder (32 p. 195—6,—8; 18 p. 98; 33 p. 190) aus, der die Beobachtung gemacht hatte, dass das einzige Unterscheidungsmerkmal des Krystallins—der körnige Niederschlag—für diesen Körper nicht charakteristisch ist, da beim Abdampfen und nacliherigen Kochen dessen wässeriger Lösung der Niederschlag nicht in Gestalt von Körnern, sondern als Coagulum mit allen dem Albumincoagulum *) eigentümlichen Eigenschaften und Reactionen sich ausscheidet, wobei die elementare Zusammensetzung eine gleiche ist.
Indem Simon (44 p. 76 und 526) das Krystallin mit dem Berzelius’sehen Globulin identificirte, sah er seinerseits dasselbe für Casein an, infolge der der Proteinsubstanz der Linse innewohnenden Eigenschaft, in kochendem Alkohol (sp. Gew. 0.915—0.925) sich teilweise aufzulösen und nach der Abkühlung der Lösung sich wieder niederzuschlagen. In der Folge erklärte Lieberkühn (29 p. 306), welcher eine analoge Beziehung der Proteinkörper zum kochenden Alkohol beobachtet hatte, Simon’s Reaction durch die Gegenwart eines Alkalialbuminats. Doch konnte Simon nicht umhin zuzugeben, dass das wässerige Linsenextract zu der Reaction des Kochens sich ebenso wie die gewöhnlichen Proteinlösungen verhält, d. h. sich niederschlägt, obgleich in demselben noch Proteinsubstanzeil Zurückbleiben, welche durch Essigsäure gefällt werden (41 p. 76—9).
Aus der oben dargelegten historischen Uebersicht folgt klar, dass Berzelius allein die körnige Beschaffenheit des Niederschlags, der beim Kochen des wässerigen Linsenxtracts erhalten wird, für das Krystallin für charakteristisch hielt. In der That wird in den allgemeinen Lehrbüchern aus den fünfziger Jahren dieses, nach Berzelius, charakteristischen Merkmals fast gar nicht erwähnt. Zwar erwähnten manche Autoren von Zeit zu Zeit desselben wieder, aber nur, um zu erklären, dass dasselbe kein charakteristisches Anzeichen sei. So findet Vintschgau (1857, 45 p. 503), dass das Aussehen des beim Erhitzen des wässerigen Linsenextracts erhaltenen Niederschlags von dem Concentractionsgrad jenes abhänge, und dass sehr schwache Lösungen sich bloss trüben. Vintschgau findet, dass, im allgemeinen, die wässerigen Linsenextracte alle Eigenschaften proteünhaltiger Flüssigkeiten besitzen. Damit dürfte wohl die ohnehin zufällige Verknüpfung der Substanz der Linse mit dem Blutfarbstoff endgültig aufgelöst sein.
Béchamp’s Worten nach, benannten ungefähr zu derselben Zeit Fréiny & Va-landmines die Prote'msubstanz der Linse Metalburnin (métalbumine) (l p. 1256): die Quellen dieser Angabe oder weitere Einzelheiten sind nicht angeführt.
*) „Die im Wasserbade erhitzte Flüssigkeit ge- besass alle Eigenschaften des Eiweissstoffes (83 rann schnell zu Klumpen. Die auf diese Weise p. 190)“. erhaltene Substanz war vollkommen weiss und