﻿32	i)iË VERDAUUNGSPROCESSE BEI PERIPLANETA ORIENT ALIS.
die Speicheldrüsen von Periplaneta orientalis ein Secret aus, welches Stärke in Glycose verwandelt, während das sauer reagirende Secret des Mitteldarms sehr energisch die Eiweisskörper in Peptone überführt und die Fette emulgirt. Lebedeff’s l) Untersuchungen nach, hat das Secret der Speicheldrüsen eine schwachalkalische Reaction und verwandelt Stärke in Glycose; dem Autor kommt auch noch das Verdienst zu, die erste mikro-physiologische Untersuchung der Speicheldrüsen gemacht zu haben. Er studirte sowohl das histologische Bild dieser Drüsen im Ruhezustände als auch das der durch Injiciren einer Pilocarpinlösung hervorgerufenen Secretion.
Bei meinen Prüfungen der Reaction der Secrete in den verschiedenen Abteilungen des Darms wandte ich zwei Methoden an: 1) Prof. Morochowetz’s 2) Lakmuspurpur und die alkoholischen Phenol-Phtalem-Lösungen—a) die rote und b) die farblose. Ausser den Lösungen wurden auch die entsprechenden Reagenspapiere angewandt. Um die Verdauungskraft der Secrete der verschiedenen Abteilungen des Darms zu untersuchen, wandte ich die Methode der wässerigen Extracte an, und zwar folgendermaassen. Ein gewisser Teil des Darms wurde an einigen Küchenschaben abpräparirt, sorgfältig gewaschen und in destillirtes Wasser gelegt, welchem zur Vernichtung der niederen Organismen etwas Chloroform zugegeben war. Darauf wurde die ganze Masse fein zerschnitten, im Porcellanmörser verrieben und in die Kälte gestellt. Nach 12-stündigem Stehen filtrirte ich die Lösung durch Watte und stellte folgende Versuche an. 1) Um das amylolytische Ferment nachzuweisen, wurde zu dem wässerigen Extract eine schwache Stärkekleisterlösung zugegeben und nach einiger Zeit mittels der Fehling’schen Lösung eine Probe auf die Gegenwart von Glycose angestellt. Vor Beginn des Versuchs wurde die Reinheit sowohl der Fehling’schen Lösung als auch des wässerigen Extracts und des Stärkekleisters geprüft. 2) Zum Nachweis des proteolytischen Ferments wurde zu der Versuchsflüssigkeit Fibrin zugesetzt und nach einiger Zeit folgende Manipulationen vorgenommen: a) Erwärmen u-eine geringe Quantität HN03; b) Fil-triren und Abkühlen des Filtrats bis 0°; c) abermaliges Filtriren; d) Prüfung auf Pepton mittels CuS04-t-NaOH (rosenrote Färbung). 3) Zum Nachweis des fettspaltenden Ferments wurde dem wässerigen Extract irgend ein neutral reagirendes Oel zugegeben und dann auf die Gegenwart einer Fettsäure geprüft.
Alle Versuche wurden im Thermostat bei 38°—40° C. vorgenommen, wobei anfänglich in das Probirgläschen, in welchem der Verdauungsprocess statthatte, Thymol eingetragen wurde. Die Wirkung der Fermente wurde auf 3 Reactionen geprüft: a) auf die neutrale, b) die alkalische, durch 0,5% Na2C03 und c) auf die saure durch HCl 2 pro mille.
Bei der geringen Quantität des zum Versuch dienenden wässerigen Extracts wurde zur genauen Bestimmung des Procentgehalts an Alkali oder 8äure folgende Methode angewandt. Eine Alkali- oder- Säurelösung wurde
') Lebedeff. Ueber die Speicheldrüsen der Küchenschabe (Periplaneta orientalis). Berichte der Ges. von Naturforschern an der Universität Kasan. B. XXXIII. H. 1. Kasan. 1899.
2) Morochowetz. Phenol-Phtaleïn und Lakmuspurpur zur Bestimmung der Reaction tierischer Gewebe und Flüssigkeiten. Berichte des Phys. Labor, der Univers. Moskau. Band I. 1887.
W. Popoff. Ueber die Reactionen von Farbstoffen auf die freien Säuren des Magens, eben-daselbst,