﻿34	DIE VERDAÜUNGSPRO CESSE BEI PERIPLANETA ORIENT ALIS.
des Inhalts des Mitteldarms fand ich gewöhnlich, dass derselbe alkalisch oder sauer reagirt. Im allgemeinen ist die normale Reaction des Mitteldarms eine alkalische, und wird erst unter dem Einflüsse des sauren Kropfinhalts hei dem Uebergang der Speisemasse aus diesem in den Mitteldarm eine saure Reaction beobachtet. Die Untersuchung eines wässerigen Extracts des Mitteldarms zeigte mir, dass es die Eiweisskörper peptonisirt, wobei folgende Erscheinung beobachtet wird: die Peptonisation geht bei alkalischer Reaction (0,5% Na2C03) sehr energisch, bei neutraler sehr schwach, bei saurer (0,2% HCl) garnicht vor sich.
In Anbetracht dessen, dass das proteolytische Ferment des Mitteldarms bei neutraler Reaction sehr energisch wirkt, verfiel ich auf den Gedanken, dass dasselbe vielleicht, gleich dem Trypsin, das Pepton in Amidosäuren und sog. Extractivstoffe zerspaltet. Die in dieser Richtung von mir angestellten Versuche ergaben negative Resultate, obgleich ich mich darüber noch nicht ganz bestimmt aussprechen möchte.
Der vordere Teil des Mitteldarms ist mit zahlreichen blinddarmähnlichen Anhängen ausgestattet, in Betreff derer einige Autoren die Vermutung aussprechen, dass sie ein gallenartiges Secret ausscheiden. Ich stellte diesbezügliche Versuche an, indem ich die Pettenkofer’sche Reaction (H2S04-4-Rohrzucker) einleitete, erhielt aber absolut negative Resultate; was die Gallenpigmente anbetrifft, so kann das Nichtvorhandensein derselben auch ohne die bekannte Gmelin’sche Reaction constatirt werden, da der Inhalt der blinddarmähnlichen Anhänge farblos ist. Wie mir Versuche gezeigt, haben diese Anhänge eine Bedeutung in dem Sinne, dass sie die Darmoberfläche ver-grössern; jedenfalls aber scheiden sie keine Galle aus. Interessant ist die Thatsache, dass ich in keiner Abteilung des Darmkanals ein fettspaltendes Ferment gefunden habe. Was die Emulgirung des Fettes in dem Mitteldarm anbetrifft, so ist dies eine unzweifelhafte Thatsache, welche durch die gegenseitige Wirkung des Alkali und des Fettes auf einander stattfindet, wie dies ganz richtig aus Gad’s Versuchen bekannt ist (L. Frederiq et I. P. Nuel. Grundzüge der Physiologie des Menschen. Russische Uebersetzung der III Auflage redigirt von Prof. N. Wwedenski. Petersburg. 1897. S. 298).
Ausserdem darf man aus der Arbeit Petrunkiewitsch’s (siehe oben), welcher Fett in Substantia sogar in den Tracheen beobachtet hatte, folgern, dass das Fett unmittelbar von dem Gewebe des Darms assimilirt wird, wovon wir Beispiele auch bei höheren Tieren finden.
Eine strenge Kritik meiner Arbeit dürfte einwenden, dass die Methode wässeriger Extracte eine wenig genaue ist; zieht man abei den geringen. Umfang des Objects in Betracht, so muss man zugeben, dass dies die einzige Methode ist, da es unmöglich wäre, sich das natürliche Secret zu verschaffen.
Zum Schlüsse halte ich es für meine angenehme Pflicht meinem theuren Lehrer Herrn Professor L. Morochowetz für seine Ratschläge und seinen Beistand bei der Ausführung gegenwärtiger Arbeit hierselbst meinen tiefsten Dank auszusprechen.