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DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.
welches verschiedene Benennungen (Quark, Käse, Fibrin u. dergl.) erhält. So nannte Virchow (155 p. 141) den schon abgesetzten Teil schlechthin „coagulum“ und den Gerinnungsprocess selbst „coagulatio“. Ohne der soeben angeführten Erklärung Virchow’s besondere Aufmerksamkeit zu widmen, finden wir bei Virchow selbst directe Hinweise darauf, dass in dem Gerinnunsvorgange zwei Akte zu unterscheiden seien; während des ersten findet blosses Festwerden der Flüssigheit statt, was im Deutschen gut durch das 'Wort „Gestehen“ ausgedrückt wird, in dem zweiten wird Retraction—„Gerinnen“—des Gerinnsels (coagulum) beobachtet 1).
Es findet also in den gerinnbaren (coagulirbaren) Flüssigkeiten, bald nach der Verwandlung derselben in ihrer ganzen Ausdehnung in ein Gerinnsel, Retraction, Zusammenziehung dieses statt, infolge deren der anfangs flüssige Körper so zu sagen sich in eine neue Flüssigkeit und einen festen Körper trennt, was bei der Gallerte nicht der Fall ist; diese ist und bleibt Gallerte, sowohl bei längerem Stehen in bedeckten Gefässen als auch bei dem Durchpressen z. B. durch Leinen, Gaze, wobei Stückchen derselben Gallerte in ihrer ganzen Masse, ohne dass Flüssigkeit sich auspresse, durchschlüpfen. Virchow sah die Gerinnung der pro-teünhaltigen Flüssigkeiten unter der Einwirkung von Aether sogar für eine „scheinbare Gerinnung“ *) an. Somit ist die Gallertbildung so zu sagen die erste Stufe, das erste Stadium der Gerinnung, auf welchem dieser Process stehen bleibt.
Ausserdem wird, fügen wir noch hinzu, im allgemeinen in den protemhaltigen Flüssigkeiten am häufigsten nur das letzte Stadium der Gerinnung—Zusammenziehung, „Sichsetzen“, Fällung (praecipitatio) beobachtet, als deren Resultat, flockenartige, körnige, angehäufte u. dergl. Niederschläge erscheinen. Wenn die Gallerte dadurch charakterisirt ist, dass sie sich nicht zusammenzieht, so ist für die durch Gerinnung bedingte Fällung charakteristisch, dass die Gallertbildung entweder ganz ausbleibt oder äusserst schnell, momentan, verläuft. Doch wurde und wird auch ein derartiges Festwerden, eine derartige Ausscheidung eines der Bestandteile der protemhaltigen Flüssigkeiten Gerinnung genannt und der Niederschlag, welcher Art er auch sei: flockig, körnig oder sogar in Gestalt einer leichten Trübung, gewöhnlich mit .dem Worte „coagulum“. Gerinnsel, bezeichnet, wie z. B. bei Gorup-Besanez (66 p. 132), Schmidt (132 p. 705 mid 696).
Um eine vollkommenere Vorstellung zu gewinnen, darf man annehmen, dass der Uebergang der prote'mhaltigen Flüssigkeiten in den festen Zustand, das Festwerden (solidificatio, solidification) auf dreifache Art vor sich geht: a. Das Festwerden beginnt und bleibt bei der Gallertbildung (Gestehen, congelatio, gélatinisation) stehen und liefert als Product die G a 11 e r t e (gelatina, gelée): 6. Das Festwerden beginnt mit Gallertbildung, welche gewöhnlich von langsamem, mit dem Auge nicht wahrnehmbarem Zerfallen der Gallerte in einen flüssigen und einen festen Teil gefolgt ist, wobei letzterer sich zusammenzieht und die Flüssigkeit gleichsam aus sich hinauspresst. Nur für diese Art von Festwerden dar! die
*) „Die alte Bezeichnung der Coagulation (von coago) bezieht sich offenbar auf den zweiten Akt des Vorgangs, nämlich auf die Zusammenziehung, die Retraction des Gerinnsels, womit zugleich die Abscheidung des Serums, die spontane Trennung der in den ungelösten Zustand übergegangenen Theile von den löslich und flüssig gebliebenen angezeigt wird. Die deutsche Sprache unterscheidet auch sehr gut den ersten Akt, nämlich das blosse Festwerden, ohne Orts Veränderung derTheile, als Gestehen von der späteren Zusammenzieh-
ung und Sammlung derselben auf gewisse Mittelpunkte als dem Gerinnen. Genau genommen, sollte nur das Letztere als Coagulation benannt werden, indess ist die Ausdehung dieses Begriffes auf den ganzen Vorgang so allgemein geworden....“ (155 p. 141).
0 „Indess muss man die wirkliche Gerinnung wohl von der blossen Gallertbildung (scheinbaren Gerinnung) unterscheiden, welche durch die Mengung von Aether und Flüssigkeitstheilchen en-steht“ (155 p. 138).