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DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UtfD DES EIWEISSES.
Aus obiger Tabelle erhellt, dass die genannten Flüssigkeiten keine bestimmte und constante Temperatur des Festwerdens besitzen, dass diese in weiten Grenzen schwankt. John fand schon im Jahre 1818 für das Hühnereiweiss (85 p. 251) 59°—80°, was auch durch die Angaben anderer Beobachter bestätigt wird. Andererseits beobachteten Frémy & Yalanciennes (57 p. 139), Tarchanoff (144 p .72) und ich selbst Fälle, wo das Ei-weiss gewisser Vögel auch bei 100° garnicht gefällt wurde, und Davy (29 p. 253, 254) zeigte, dass die Temperatur des Festwerdens des Eies bei den verschiedenen Vögeln fast in jedem einzelnen Falle eine verschiedene ist. Es ist interessant, dass das Blutserum fast in denselben Grenzen der Temperatur, zwischen 60° und 90°, erhärtet. Schon seit 1777 wird die Meinung ausgesprochen, dass auch das Blutserum keine constante Erhärtungstemperatur besitzt. So führt Thouvenel (149 p. 30) widersprechende Angaben verschiedener Autoren über diesen Gegenstand an, wobei er selbst annimmt, dass das Blutserum bei 56° fest wird *). Weiter fand Hoppe-Seyler, dass die Cerebrospinalflüssigkeit in einem Falle nicht einmal bei 130° gerann, und Marcet—dass das Serum der Lymphe sogar in der Siedhitze keinen Niederschlag bildet. Obwohl im allgemeinen mit Sicherheit gesagt werden kann, dass die protemhaltigen Flüssigkeiten in der Wärme erhärten, so ist die Temperatur der Gallertbildung nicht nur für die verschiedenen Flüssigkeiten eine verschiedene, sie schwankt auch noch für eine und dieselbe Flüssigkeit in weiten Grenzen. Zugleich zeigte auch schon Fourcroy (1790,48 p. 15S), dass die Temperatur des Festwerdens auch von der Art und Weise abhängt, wie diese Erscheinung beobachtet wird. Wird mit Blutserum in Glasgefässen experimentirt, so erhärtet es bei 60°; in heis-ses Wasser eingegossen, bildet es schon bei 50°—55° Niederschläge.
Wie klar und selbstverständlich die Schlüsse, zu denen wir gelangt sind, auch sein mögen, es wurde von vielen Autoren, namentlich von Verfassern von Lehrbüchern angenommen und wird leider auch noch jetzt behauptet, dass es nicht das Hühnereiweiss und das Blutserum sind, die bei einer und derselben Temperatur erhärten (gerinnen), sondern dass das Serum- und d a s Eiweissalbumin (!) eine constante „Gerinnungstemperatur“ besitzt. Wenn man in Betracht zieht, dass es nur unmittelbare Beobachtungen über Eiweiss und Serum waren, die diese Autoren zu solchen Schlüssen leiten konnten, so ist einem jeden Beobachter, der in die Sache tiefer blickt, die Unrichtigkeit derselben vollkommen klar. Höchstens könnte Folgendes gesagt werden: die Flüssigkeiten, welche wir Serum, Eiweiss nennen, erhärten bei dieser oder jener Temperatu r, wenn man diesen Vorgang durchaus mit einer gewissen Temperatur in Verbindung bringen will, oder, besser gesagt: bei so oder so einer Temperatur scheiden diese Flüssigkeiten einen P rote'inkörper aus, oder endlich: das Albumin scheidet sich aus dem Serum bei so oder so einer, aus dem Eiweiss bei so oder so einer Temperatur aus. Ein solcher Satz aber wie z. B.: „die Temperatur der Gerinnung des Eiweiss- oder des Ser um albumins ist diese oder jene“ entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage, erstens weil die Einwir-
*) „Je remarquerai auparavant que les auteurs ne sont pas d’accord sur le degré de chaleur capable d’opérer la coagulation, de la matière albumineuse. Les uns ont soutenu qu’elle avait lieu à quelques degrés au delà du thermomètre de Fahrenheit; selon d’autres, elle ne se fait
qu’au 140°, 150° et même au 156°, mais il est prouvé par des expériences ultérieures et exactes que le premier terme de cette coagulation est marqué par le 45° degré du thermomètre de M. de R. qui équivaut à peu près au 138-e de F-heit“ (149 p. 30).