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DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.
dem liaben sieb unsere Beobachtungen bereichert, so dass man jetzt schon mit grösserer Sicherheit sich in der uns interessirenden Frage zurechtfinden kann. Dennoch lehrt Hoppe-Seyler (80 p. 269) noch im J. 1883, dass das Serumalbumin, wie wir es in dem normalen Serum des Blutes und der Lymphe neben dem Globulin und den Salzen haben, immer über 60° coagulirt, zuerst als Trübung, dann, zwischen 72—75°, in Flocken 3). Man müsste sich wundern, auf welche Weise Hoppe-Seyler diese Kenntniss erhalten und glauben, dass er sie durch Betrachtungen an seinem Schreibtisch erworben hatte, wenn wir nicht die Ueberzeugung hätten, dass er von dem festen Glauben an eine constante Gerinnungstemperatur der Protemkörper durchdrungen war. Dasselbe Verhalten dieser Frage gegenüber sehen wir auch bei anderen Autoren.
Neben den Thatsaclien, die noch in dem Kapitel über die Wärmewirkung auf das Globulin zur Sprache kommen werden, genügt, glaube ich, das oben Dargelegte zur Aufstellung folgenden Satzes: Die Temperatur der Fällung kann nicht nur nicht zur Charakteristik des „Album in s“ dienen, folglich nicht nur keinen Anhaltspunkt für die Unterscheidung des Serum- und Eiweissalbumins geben, sie dient nicht einmal zur Charakteristik des Eiweisses und des Serums als protein haltige Flüssigkeiten; die Temperatur der Gallertbildung oder der Fällung des E i w e i s -ses und des Serums ist nicht nur für verschiedene Tiere, sondern auch für eine und dieselbe Tier species eine verschiedene, je nach der Gegend (für das Serum) oder nach der Zeit (seitdem das Ei gelegt oder das Serum entzogen wurde). Unsere eigenen Beobachtungen haben gezeigt, dass Eier von einem und demselben Huhn im frischen Zustande von 55° an, solche aber, welche einige Zeit gelegen hatten, erst bei 66° gerannen; ein von demselben Huhn gelegtes frisches Ei, welches aber unter die Luftpumpe über Aetznatron gebracht und nach fünf Tagen versucht wurde, gerann (das Weisse) erst bei 70°. Nach sehr langem Liegen der Eier verliert das Weisse die Eigenschaft sogar in der Siedhitze fest zu werden.
Um Eier längere Zeit aufzubewahren, ohne dass dieselben austrocknen oder verderben, ist das frische Ei zuerst mit Wasser, dann mit Alkohol zu übergiessen und zuletzt mit gewöhnlichem weissem Lack zu überziehen, zu welchem Zwecke man das Ei mehrmals in den Lack eintaucht und jedesmal trocknen lässt. Im Laufe eines Jahres verliert ein solches Ei wenig am Gewicht, aber das Eiweiss büsst häufig ganz die Fähigkeit ein in der Hitze zu erhärten, obgleich es äusserlich wenig verändert erscheint: es ist nur ein wenig dünnflüssiger. Flier fand ich die Reaction der Peptone, Salkowski, der meine Arbeit (112 p. 64) nicht kannte, sagte in Jahre 1893, (128 p. 515) seinerseits Folgendes aus: „wenn man aus mit dem mehrfachen Volumen Wasser verdünntem und dann filtrirtem Hühnereiweiss die Ei-weisskörper durch Erhitzen unter sorgfältiger Neutralisirung mit verdünnter Essigsäure ausfällt und das vollkommen klare, aber stets grünlich fluorescirende Filtrat im Wasserbad völlig zur Trockne eindampft, so erhält man einen gefärbten Rückstand“,
bis zu+ 70° klar erkalten und erst bei+ 75° erstarren.
Sehr verdünnte afbuminbaltige Flüssigkeiten werden erst bei + 90° und + 1000 trübe, und das coagulirte Albumin sammelt sieb erst nach lange fortgesetztem Ko eben an. Auf diesem Umstand beruht ohne Zweifel die Verschiedenheit in den
Angaben verschiedener Chemiker über die Temperatur, bei der das Albumin coagulirt“ (6 p. 32).
3) In der Mischung aus Serumglobulin und Salzen, wenn das Serumalbumin in Blut- und Lymphserum auftritt, gerinnt es stets über 60°, zuerst als Trübung, zwischen 72—75° in Flocken (80 p. 269).