﻿DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.
67
der „durch längeres Waschen von Zucker befreite Substanz zeigt, Eigenschaften (ib. p. 516) einer eigentümlichen Alhumose“ (ib. p. 514). Nicht weniger zuverlässig ist Lambert’s Verfahren, der schon im Jahre 1845 riet die Eier abwechselnd mit Gummi und Caoutchouc zu überziehen (92 p. 1182) 1 2).
Ausserdem waren schon seit Anfang des vorigen Jahrhunderts manche Autoren nicht mehr der Meinung, dass die Wärme auf die protemhaltigen Flüssigkeiten einen unabwendliclien Einfluss ausübt; so rät z. B. Chevreul die Flüssigkeit abzudampfen, um Erhärtung noch in solchen Fällen zu erreichen, wo sie früher beim Kochen nicht beobachtet wurde 3). Noch entschiedener spricht sich Lehmann 3) darüber aus, dass diese Eigenschaft der Proteinkörper keine beständige sei: „Dieselben können unter Umständen in der Wärme auch nicht gerinnen“. Noch mehr: diese Flüssigkeiten erleiden sehr mannigfaltige Veränderungen unter der Einwirkung verschiedener. in quantitativer und qualitativer Hinsicht oft sehr unbedeutender die^ misclier Agentien, welche aber genügen, um den in den Augen mancher Autoren verhängnissvollen Einfluss der Wärme auf das „Albumin“ abzuschwächen oder auch gänzlich aufzuheben.
Wir sehen hier das erste Beispiel unseres Leitsatzes, dass dem „Albumin“ die Eigenschaften der es enthaltenden Flüssigkeiten zugeschrieben werden!
C. Einfluss des Wassers a u f d i e Temperatur des F e s t-w e r d e n s. Schon im Beginn des XVIII Jahrhunderts begegnen wir interessanten Angaben darüber, dass die Fällung durch Wärme (100°) für die protemhaltigen Flüssigkeiten, besonders für das Albumin, nichts Unabwendliches hat, wie es z. B. für das Hämoglobin der Fall ist, welches in jeder beliebigen Lösung, einer wässerigen oder sauren, u. s. w. und sogar im trocknen Zustande bei 60° sich zerzetzt.
Boerhaav (7 p. 617) und später Thouvenel (149 p. 27) verknüpften die weniger feste Consistenz der Gallerte und der Niederschläge des Serums im y er gleich mit solchen des Eiweisses durch den grösseren Wassergehalt des Serums; die bedeutenden Veränderungen der Temperatur der Fällung bei der Verdünnung mit Wasser wurde aber zuerst von Hewson beobachtet (1772,77 p. 107); er fand, dass mit dem gleichen Volum Wasser verdünntes Blutserum nicht mehr die Eigenschaft besitzt, sich in der Wärme, sogar beim Kochen, niederzuschlagen. Dies bestätigten Fourcroy (48 p. 156; 50 p. 311), Thomson (147 p. 183), Hünefeld (81 p. 240), Bourdacli (12 p. 81). Fourcroy verdünnte das Blutserum mit dem 7—8- fachen, Thomson mit dem 6-fachen Volum Wasser und erhielt beim Kochen weder Gallerte noch einen Niederschlag. In einigen Fällen beobachtete Hunter (82 p. 105) beim Erwärmen sowohl des unverdünnten als des mit s/4 Volum Wasser verdünnten Serums keine Gerinnung. Parmentier & Deyeux (118 p. 456) bemerken ausserdem, dass, wenn das Blutserum in heisses Wasser eingegossen wird,
*) Im Jahre 1837 erhielt Voisin (156 p. 126) aus der chinesischen Provinz Se-tschnn zweijährige mit einem Teig aus Cypressenasche oder Potasche, Kalk und Theeaufguss bestrichene Eier. Offenbar ist die Aufbewahrung in Kalk ein allgemein bekanntes Mittel.
2) ,,.... 2°, que Fon pourra désormais s’assurer, si un liquide animal qui ne se coagule pas par
la chaleur, et qu’on soupçonne être de nature albumineuse, est réellement de l’albumine, en le faisant concentrer dans le vide, et en recherchant si le résidu qu’il laissera formera avec un peu d’eau un liquide susceptible de se coaguler par la chaleur“ (20 p. 47).
3) „Im Allgemeinen ist die Gegenwart von Eiweiss sehr leicht nachzuweisen, indem man aus der Gerinnbarkeit einer Flüssigkeit in der Hitze auf die Gegenwart von Eiweiss schliesst; allein wenn wir auch hier davon ab sehen, dass es noch mehrere (weiter unten zu betrachtende) Substanzen giebt, welche ebenfalls beim Kochen gerinnen, so ist diese Eigenschaft des Eiweisses doch schon deshalb nicht als einziges Mittel zu seiner Erkennung zu benutzen, weil es, wie wir oben gesehen haben, unter manchen Verhältnissen gar nicht gerinnt oder kaum wahrnehmbare Trübungen bildet“ (96 p. 321).