﻿DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSeS.
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Säuren und Alkohol, in den proteünhaltigen Flüssigkeiten Veränderungen her-vorrufen, welche mit dem Festwerden dieser Flüssigkeiten unter der Einwirkung von Wärme vieles gemein haben. Sowohl die ersten Beschreibungen als auch spätere und neueste Untersuchungen berechtigen uns zu der Behauptung, dass die Einwirkung von Säuren und von Alkohol auf die proteünhaltigen Flüssigkeiten hauptsächlich Fällung hervorbringt, was bei Gmelin besonders charakteristisch durch das Wort „Scheidung“ ausgedrückt ist (1789, 62 p. 725). Noch früher—bei Neumann (1753, 114 p. 527)—finden wir Hinweise auf den Unterschied zwischen dem Festwerden durch Wärme und durch Säuren, wobei letztere, wie Neumann (p. n. 62) sich ausdrückt, die proteünhaltigen Flüssigkeiten „nicht nur verdicke n, sondern auch fällen“. Quesnay (124p. 349), Zetzell (160p. 239), Boer-liaav (7 p. 616—7), Wasserberg (157 p. 319), Fourcroy (45 p. 817—8), Parmentier & Dey eux (118 p. 456), Edlen v. Jacquin (40 p. 171), Hewson (76 p. 135), Thomson (147 p. 22)} Thénard (146 p. 361) sprechen sich sehr bestimmt darüber aus, dass Eiweiss und Serum durch Säuren und Alkohol gefällt werden. Macquer (102 p. 450) spricht von der Fällbarkeit, ausser dem Serum verschiedener Tiere, auch anderer proteünhaltiger Flüssigkeiten durch Säuren. Boerhaav (7 p. 616, 617) stellt die Wirkung des Alkohols derjenigen der Wärme gleich, findet aber einen gewissen Unterschied in der Wirkung des Alkohols auf Eiweiss und Serum: das Serum schlägt sich in kleinen Flocken nieder, das Eiweiss dagegen in Gestalt einer mehr oder weniger dfchten Masse. Diesen Unterschied erklärt er durch den grösseren Wassergehalt des Serums. Wasserberg findet, wie auch Boerhaav, dass die Fällung durch Alkohol durch Umrühren sowie durch Erwärmen der Flüssigkeit beschleunigt wird. Gewichtigere Thatsaclien finden wir bei Neumann. Schwache oder vegetabilische Säuren fällen Eiweiss nicht *); doch auch Mineralsäuren üben nicht ein und dieselbe Wirkungaus: „am gewaltigsten“ wirkt Salpetersäure, dann kommt Schwefelsäure und zuletzt Salzsäure (114 p. 527). Auch Parmentier & Deyeux bemerkten in Bezug auf das Serum, dass verdünnte Säuren diese Flüssigkeit nicht fällen und dass unter den concentrirten die Schwefelsäure das Blutserum besser als andere Säuren zur Fällung bringt (118 p. 456); doch sprechen Gmelin und besonders Edlen v. Jacquin (40 p. 171) sich sehr klar darüber aus, dass Eiweiss und Serum durch vegetabilische Säuren (auch durch Essigsäure) gefällt werden. Besonders interessant sind Marcet’s Beobachtungen (1816, 103 p. 45) über die Essigsäure; er fand dass dieselbe Eiweiss und Serum stark fällt, wenn diese nicht mit Wasser verdünnt sind2). Diese Beobachtungen lassen die Essigsäure in Neumann’s Reihe gleich nach der Salzsäure setzen, da auch concentrirte Essigsäure nicht nur in mit Wasser unverdünntem Eiweiss sondern auch in unverdünntem Serum sogar in einem Säureüberschuss unlösliche Niederschläge bildet. Davon kann man sich leicht überzeugen, trotz der allgemein verbreiteten Ansicht, dass die genannten proteünhaltigen Flüssigkeiten durch Essigsäure nicht gefällt werden. Zwar fällt verdünnte Essigsäure die proteünhaltigen Flüssigkeiten nicht, doch unterscheidet sie sich in dieser Hinsicht von den Mineralsäuren nur quantitativ, da letztere, wie Neumann fand, im verdünnten Zustande das Eiweiss auch nicht fällen. Dadurch erklären sich auch Zetzell’s Beobachtungen (160 p. 243) aus dem XVIII Jahrhundert, dass Blutserum weder
*) Unter den Addis verursachen die schwache oder vegetabilische Acida dem Albumini ovi keine Andickung oder mehre Coagulation, sondern der Weinessig und Spiritus Mellis acidus haben sich,
als wäre jedes bloss Wasser damit vermischet“ (114 p. 527).
■) „----car cet acide (acétique) coagule forte-
ment la partie albumineuse de l’œuf ou le sérum qui n’est pas étendu d’eau“ (103 p. 45).