﻿DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.
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mentlich in der Chemie der Prote'inkörper, zur Annahme von Sätzen und Schlüssen solcher Autoren, die mit der Frage scheinbar am besten bekannt sein mussten, Vorstellungen eingebürgert, die eigentlich aller factischen Begründung entbehren. Zieht man dies nicht in Betracht, so ist es in Fällen, wo irgend ein Autor einen solchen Satz wie z. B.: „Albumin ist in Wasser löslich“ ausspricht, selbstverständlich schwer bis zu dem Ursprünge desselben hinaufzugehen.
Soweit mir bekannt ist, war Boerhaav der einzige Gelehrte, welcher das ganze Eiweiss als selbständigen Körper ansah und das Vorhandensein mineralischer Bestandteile in demselben ableugnete. Schon in Jahre 1753 erklärte Neumann sehr entschieden, dass das Eiweiss auch mineralische Substanzen enthält 1). Dasselbe fanden Rouelle (118 p. 471) und Hewson (77 p. 105) auch in Bezug auf das Serum. Bucquet (48 p. 313) bestimmt die mineralischen Bestandteile des Blutserums genauer als Chlornatrium, Natriumcarbonat und Calciumphosphate, und Margeron gab im Jahre 1793 die Zahlenverhältnisse des Serums sowie der Flüssigkeit einer auf der Haut durch Cantharidenpflaster hervorgerufenen Blase 2) (105 p. 30). Seitdem besitzen wir eine hinlängliche Anzahl von Analysen sowohl des Eiweisses als des Serums verschiedener Tiere und des Menschen, um sagen zu können, dass der beim Abdampfen des Serums und des Eiweisses erhaltene Trockenrest aus Proteinsubstanzen und Salzen besteht, wobei im Serum bis 8°/0, im Eiweiss bis 12°/0 Prote'insubstanzen, im Serum des Menschen bis 0,8°/0, des Pferdes 0,7—09%} im Eiweiss bis 0,7% Asche gefunden worden sind.
Ferner war schon am Ende des XVIII Jahrhunderts bekannt, dass das Serum und Eiweiss nicht nur mineralische Bestandteile enthalten, sondern dass diese, wie Rouelle fand (126 p. 68; 118 p. 471), sowohl der Asche als auch den Flüssigkeiten selbst eine alkalische Reaction verleihen.
Dieser Forscher erklärte auf Grund seiner Beobachtungen, dass die alkalische Reaction des Serums von der Gegenwart eines freien und beständigen Alkali, nämlich des Natron (126 p. 74—5), herrühre. Obgleich Haën (67 p. 162) nicht annahm, dass Serum und Eiweiss freies Alkali enthalten, sagte er dennoch aus, dass diese Flüssigkeiten alkalisch reagiren, den violetten Veilchensyrup grün färben. In Rouel-le’s Sinne sprachen sich auch Fourcroy (54 p. 817), Edlen v. Jacquin (40 p. 171), Thomson (147 p. 25, 183) aus. Klaproth (88 p. 2) zeigte, dass auch dass Htihnerei-weiss alkalisch reagirt—die violette Lösung grün färbt. Parmentier & Deyeux dagegen drücken Rouelle’s Behauptungen gegenüber grosse Verwunderung aus und leugnen, Haën’s Ansicht beistimmend, die Möglichkeit des Vorhandenseins von freiem Alkali in den proteinhaltigen Flüssigkeiten entschieden ab (118 p. 435),.
Nicht weniger interessanten Thatsachen, die auf den Zustand der Alkalien in diesen Flüssigkeiten einiges Licht werfen, begegnen wir bei Bostok (9 p. 60), der durch Titriren mittels Essigsäure zeigte, dass Hiihnereiweiss auf 100 Teile V12 Alkali, namentlich Natron, enthält. Später findet Stromeyer (74 p. 463), dass zur Neutralisation des Serums für V2 Unze Blut 10 Tropfen destillirten Essigs genügen. Ob dieses Natron in Gestalt eines Carbonats enthalten sei, wagt Bostok nicht zu entscheiden, da bei der Hinzufügung von Säuren keine Kohlensäureblasen aus dem
') ,Gnug das ich anders weiss und auclrniemals glauben werde, als sollten keine partes salinae & oleosae darinnen vorhanden seyn, ob man sie schon nicht schmeckt....“ (114 p. 523).
2) Auf 100 Th.:
Albumin		Serum. 20	Blasenflüssigkeit. 18
Chlornatrium....	2	2
Natriumcarbonat. .	1,5	1
Calciumphosphat. .	1	1
Wasser		75,5	78,5 (105 p. 30)