﻿132	DAS GLOBULIN DÈS BLUTSERUMS UND DÈS EIWEISSES.
sowohl im ausgeschiedenen als auch im natürlichen Zustande—„natürliches, natives Eiweiss“—vor. Unter diesem Namen fasste Brücke diejenigen Proteïnkürper zusammen, deren Lösungen neutral reagiren oder blaues Lakmuspapier violett färben und sich bei 100° *) niederschlagen, demgemäss des Casein, oder richtiger die Milch,—nicht dazu gehört, da letztere bei stark saurer Reaction gerinnt. Eigentlich verstand Brücke unter dem Ausdruck „natives Eiweiss“ und benannte so das, was unter dem Namen Albumin des Serums, des Eiweisses verstanden und so benannt wurde und wozu auch das Globulin 8) gerechnet werden muss. Unter diesen Begriff bringt genannter Autor ausser dem Myosin und dem Vitellin auch noch die Producte der Veränderung des Fibrins unter dem Einflüsse der Verdauung, der Fäulniss u. s. w. 3).
In Brücke’s Arbeiten erkennen wir überhaupt einen Protest gegen die Einführung verschiedener Benennungen eines und desselben Körpers, wie Albumin, Paraglobulin u. s. w. Sich mit dem einen Ausdruck „Albumin“ begnügend, bildet Brücke durch seine Arbeiten unwillkürlich das Verbindungsglied zwischen Denis’ Zeit und dem Ausgang der 60-er Jahre.
3. Vollständige Fällung des Albumins durch Wasser und Kohlensäure. Wenn Kühne und Hoppe-Seyler das in Lösung befindliche Albumin mit Hilfe der Dialyse studirten, so bestrebte sich Eichwald unmittelbar gefälltes Albumin zu erhalten. Nachdem er mittelst Kohlensäure in 10-fach mit Wasser verdünntem Serum einen Niederschlag erhalten hatte, setzte er mit der grössten Vorsicht fort, das Globulin durch verdünnte Essigsäure auszuscheiden. Nach der Abscheidung des auf diese Weise gewonnenen Niederschlags, schied das Filtrat nach Verdünnung mit weiteren 10 Vol. Wasser einen dritten Niederschlag aus. Die Bildung dieses letzteren wird durch Zusatz von Kochsalz verhindert; überdies kann er, wie das Globulin überhaupt, nach und nach seine Löslichkeit in Salzen und Säuren verlieren (45 p. 80—1). Diesen Niederschlag hält Eichwald für einen Teil jener Substanz, die bis zu seiner Zeit „Albumin“ genannt wurde. Daraufhin zieht Eichwald den Schluss, dass entweder angenommen werden müsse, das Serum enthalte nach der Abscheidung des Globulins noch zwei andre Körper, oder dass das eigentliche Albumin durch Wasser gefällt werde und zwar je mehr, je grössere Mengen Wasser zugesetzt werden. Allein letzteres, fährt Eichwald fort, sei mit der allgemein verbreiteten Ansicht über die Wasserlöslichkeit des Albumins unvereinbar. Dennoch gelang es ihm nach einigen Versuchen durch Ansäuern und starke Verdünnung des Serums das Albumin vollständig aaszufällen 4). Um dies zu erzielen
*) „Als natives Eiweiss bezeichne ich dasjenige, dessen neutrale oder blaues Lakmuspapier violettfärbende Lösungen auch bei geringem Salzgehalte ohne Zusatz von Lab gerinnen, wenn man ihre Temperatur auf 100 Grad erhöht. Das Kasein ist hiernach kein natives Eiweiss, da die Milch nur in der Wärme zusammenläuft, wenn sie bereits stärker saure Reaction angenommen, oder wenn man ihr Lab zugesetzt hat“ (18 p. 894).
-’) „Sehen wir von dem nativen Eiweiss ab, welches sich an der Fibrinbildung betheiligt, so erkennen wir als solches zunächst die eigentlichen Albumine, das Serumalbumin und das Eieralbumin, kurz das, was man gevöhnlich lösliches Eiweiss zu nennen pflegt. Nach dem Obigen müssen wir aber auch das Paraglobulin in diese Abtheilung verweisen“ (18 p. 894).
3) „Zum nativen Eiweiss sind ferner zu rechnen, Kühne’s Myosin und die Stoffe, welche man als Globulin und als Vitellin bezeichnet hat, endlich was man an in der Hitze coagulirbarer Substanz bei der Verdauung von Fibrin oder bei dessen Fäulniss oder Maceration in Salzlösungen erhält“ (ib. p. 895).
*) „M an hat nun entweder anzunehmen, dass das, was man heute Serumalbumin nennt, ein Gemisch von 2 Substanzen ist, oder dass hier wirkliches Albumin ausgeschieden wird, und zwar in einer um so grösseren Menge, je mehr man HsO zugiesst. Die letztere Annahme lässt sich aber unmöglich mit der verbreiteten Ansicht ver-