﻿DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.
149
"vollständig ausfiel (ib. p. 325). Diesen Thatsachen gemäss nimmt Burkhardt auch an, dass Magnesiumsulfat zugleich mit dem Globulin auch Albumin fällt, welches, zum Unterschiede von der älteren Vorstellung vom Albumin, ausser der Wasserlöslichkeit und der Unfähigkeit von verdünnten Säuren gefällt zu werden, auch noch die Eigenschaft besitzt, unter der Einwirkung von Magnesiumsulfat sich auszuscheiden“ (20 p. 326)! Die von Burkhardt vorgelegten Fragen beantwortend, sucht Hammarsten (68 p. 467) zu beweisen, dass durch Magnesiumsulfat alles Globulin und nur Globulin .gefällt werde (ib. p. 468), wobei er für Albumin das ansieht, was er unter diesem Ausdrucke im Jahre 1878 (64 p. 413, p. n. 145) verstand, und alles das ausser Acht lässt, was seitdem über das Albumin bekannt geworden war: sogar die Arbeiten seines eigenen Laboratoriums in der Person von Starke (p. n. 147—8)! Wie dem auch sei, Hammarsten hält Löslichkeit in Wasser und Unfähigkeit durch Kohlensäure, verdünnten Säuren oder Alkalien und auch durch neutrale Salze, wie Chlornatrium oder Magnesiumsulfat, gefällt zu werden für charakteristische Eigentümlichkeiten des Albumins. Von diesem Satze ausgehend, nannte Hammarsten damals alles (p. n. 145), was von Magnesiumsulfat nicht gefällt wurde, Albumin. Im weiteren bestrebt er sich durch rein speculative Beweisgründe die Unzulänglichkeit von Burkhardt’s Beweisgründen darzuthun, giebt dabei aber das Vorhandensein gewisser noch unbekannter Lösungsmittel zu, welche in Burkhardt’s Falle zugleich mit dem Globulin durch das Magnesiumsulfat hatten niedergeschlagen werden können, um später, nach Entfernung dieses Salzes, ihr Lösungsvermögen dem Globulin gegenüber aufs neue (!) wirken zu lassen, infolgedessen das Globulin, sogar bei lange andauernder Einwirkung von Kohlensäure oder Diffusion, auch nicht ausfallen kann (68 p. 472)! Offenbar hatte Hammarsten ausser Acht gelassen, dass das Vorhandensein eines solchen Lösungmittels eher mit der Löslichkeit des „Albumins“ verbunden werden könnte! Zu directen Beweisen übergehend, dass der von Burkhardt ausgeschiedene Körper wirklich Globulin war, führt Hammarsten solche Thatsachen an, welche sowohl für Burkhardt’s als für seine eignen Annahmen zeugen oder, mit andern Worten, wir begegnen in Hammarsten’s Beweisgründen wieder dem Knotenpunkte, wo sich die Vorstellungen vom Albumin und Globulin kreuzen, d. h. dem Übergangspräparat, welches sowohl Globulin als Albumin ist. In der That bestrebt sich Hammarsten bei der Erklärung der Eigenschaften der dialysirten Lösung des durch Sättigung dialysirten Serums mit Magnesiumsulfat erhaltenen Niederschlags zu zeigen und darzuthun, dass auch Lösungen gereinigten Globulins häufig nicht nur durch Zusatz von Säure oder Durchleiten von Kohlensäure sondern auch durch Dialyse gefällt werden, Fällung dieser Lösungen aber durch Sättigung mit Magnesiumsulfat möglich (69 p. 473) sei. Ausserdem hatte Hammarsten mehrfach beobachtet, dass mittels Dialyse gereinigte Globulinlösungen bei erneuter Dialyse nicht nur durch Essigsäure oder Kohlensäure sondern auch beim Kochen der Flüssigkeit nicht ge-iällt *) werden (!) (erinnern wir daran, dass gereinigtes Albumin, nach der Aussage eines Schülers von Hammarsten—Starke—schon bei 50° gefällt wird; p. n. 147—8) infolge von Armut der Lösung an Salzen (erinnern wir noch daran, dass die Fällbarkeit
*) Ich habe mehrmals beobachtet, dass Lösungen von gereinigtem Paraglobulin nicht durch Säurezusatz (resp. Kohlensäuredurchleitung) oder Dialyse, sondern erst von MgSO* vollständig gefällt werden....u (69 p. 473).
„Ich habe, wie oben gesagt, wiederholt die Beobachtung gemacht, dass sorgfältig gereinigtes Paraglobulin, welches durch mehrtägige Dialyse
von den Salzen möglichst befreit worden war, weder durch fortgesetzte Dialyse noch durch darauffolgenden Zusatz von Essigsäure oder Kohlensäuredurchleitung vollständig gefällt werden konnte. Die Flüssigkeit gerann z w a r—w egen ihrer Armuth an Sal-z e n—b eim Sieden nicht“ (ib. p. 474).