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DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.
zu werden. Diesen Satz auf historische und factische Thatsachen gründend, darf man wohl sagen, dass nicht nur der Teil der Prote'insubstanzen, welcher sich in den Versuchen früherer Autoren bei der Sättigung mit Salzen nicht niederschlug, in den Beobachtungen der neuesten Forscher infolge besonderer Manipulationen (Temperaturerhöhung, Umschütteln) grösser geworden ist, sondern dass auch der übrige Teil der Proteünkörper, sowohl durch gleichzeitige Einwirkung von Salzen, deren jedes einzelne den ersten Teil (das Globulin) fällt, als auch durch die Einwirkung eines Salzes sich ausscheidet. Im allgemeinen kann die Fällbarkeit von Salzen schon nicht mehr als eine specifische Eigentümlichkeit des Globulins angesehen werden: das sog. „Albumin“ wird ebenfalls von Salzen gefällt.
3. V o 11 s t ä n d i g e Fällung durch gleichzeitige Einwirkung von Säuren und Salzen. Neben den schon angeführten Thatsachen ist hier der Ort, noch eine Methode vollständiger Fällung der Prote'insubstanzen darzulegen, welcher wir von Zeit zu Zeit in der Geschichte dieser Körper begegnen, und welche gleichzeitig mit der Aufnahme der Salze in den Kreis der die protein-haltigen Flüssigkeiten charakterisirenden Agentien entstanden ist: es ist die Methode der Fällung dieser Flüssigkeiten durch gleichzeitige Einwirkung von Salzen und Säuren. Der dabei erhaltene Niederschlag kann mit demselben Rechte ein unveränderter genannt werden, mit welchem alle Autoren bei der Beschreibung der Niederschläge des Serums dieselben „unverändert“ nennen, insofern sie die Eigenschaften der sog. „geronnenen“ Prote'insubstanz nicht aufweisen, hauptsächlich ?aber die Fähigkeit besitzen, sich in Salzen oder in Wasser, wenn auch unter dem Einflüsse der in demselben enthaltenen Salze und Basen, oder Säuren aufzulösen. Die ersten Hinweise auf die Fällbarkeit der protemhaltigen Flüssigkeiten durch gleichzeitige Einwirkung von Säuren und Alkalien finden wir bei Berzelius (1812, 11 p. 30), der der Fällung genannter Flüssigkeiten durch gelbes Blutlaugensalz in Gegenwart von Essigsäure erwähnt. Ueber vollständige Fällung durch gleichzeitige Einwirkung derselben Agentien redete Prout schon im Jahre 1819 (140 p. 16). Im Jahre 1850 beobachtete Parkes (133 p. 281; 132 p. 84), dass bei der Sättigung des mit Essigsäure angesäuerten Blutserums mit krystallinischem Chlornatrium ein N i e d e r-schlag entstand, welcher in Essigsäure und Aetzkali unlöslich, in Wasser aber löslich war, und dass auf diese Art die Prote'insubstanzen des Serums vollständig gefällt wurden. Dabei bemerkte Parkes, dass bei dieser Fällung die Essigsäure und das Kochsalz im ungekehrten Verhältniss zu einander stehen, d. h. je mehr Salz genommen wird, desto weniger Säure genommen zu werden braucht, und umgekehrt. Anstatt Kochsalz können mit gleichem Erfolge Chlorkalium, Kalium- und Natriumsulfat, Natriumnitrat, Magnesiumsulfat angewandt werden. Natriumacetat dagegen bewirkt im gegebenen Falle keine Fällung. Natriumphosphat giebt nicht nur keinen Niederschlag, sondern hindert in einem gewissen Maasse das Fällungsvermögen des Chlornatriums. Im folgenden Jahre beobachtete Melsens (1851, 116 p.170; 115 p.247), dass in Gegenwart von Salzen auch Eiweiss besondere Eigenschaften gewinnt (116 p. 181). Er versetzte Hühnereiweiss mit 2 Teilen Wasser und sättigte das Filtrat mit Salzen aber so, dass sich keine Niederschläge bilden sollten, weshalb er, wenn solche entstanden, entweder etwas von der Salzlösung oder von der protemhaltigen Flüssigkeit bis zur Lösung des gebildeten Niederschlags zusetzte. Solche Flüssigkeiten, welche Melsens zum Unterschied vom einfachen mit 2 Teilen Wasser verdünnten Eiweiss—„dem Normalalbumin“—„normales gesättigtes Albumin“ benannte, wurden mittels verschiedener Baryt-, Kalk-, Magnesia-, Ammoniumsalze und dergl. bereitet, wobei das sp. G. der Flüssigkeit, z. B. der mittels Chlornatrium bereiteten 1,200, während das sp. G. von Melsens’s „Normalalbumin“ nur 1,020 betrug. Essig-