﻿DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.
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ohne die vollständige Klärung des Serums abzuwarten, das abgetrennte Serum, wie Denis (p. n. 11B) riet und wir schon beschrieben haben (p. n. 76), mit 1—3 Yol. Aether zu behandeln. Der Aether wird in der Folge durch Abgiessen und Abdampfen bei niedriger Temperatur entfernt. Das auf diese oder jene Art erhaltene Serum ist nach dem Filtriren fertig und kann zu Versuchen dienen.
Zu derselben Zeit (1891) arbeiteten wir eine Methode aus, welche wir besonders denjenigen empfehlen können, die möglichst schnell und gut Blusserum erhalten wollen. Man lässt das Blut in breite, flache, auf einem Wasserbade bei 4 0—45—50° stehende Gefässe einfliesseu. Bei ruhigem Stehen und 2-, 4- und mehrstündigem Erwärmen bei besagter Temperatur scheidet das Blut in 12—24 Stunden um den compacten Blutkuchen herum ein von Blutkörperchen ganz freies und mittels Pipetten oder Siphone (s. Fig. 2 u. 3) leicht abzutrennendes Serum aus (p. n. 203). Auf diese Weise erhaltenes Serum braucht nicht mehr abzustehen und kann nach dem Filtriren sogleich benutzt werden. Auf solche Art erhält man ein bei weitem reineres Serum als nach allen andern Methoden, die Centrifugalmethode nicht ausgenommen. Seit 1899 wird diese Methode auf meinen Vorschlag hin im bacteriologischen Institut der Moskauer Universität bei der Bereitung von Heil-' serum angewandt.
Wie einfach die Gewinnung einer protemhaltigen Lösung aus Hühnereiweiss auch scheinen möge, so sind auch hier gewisse Manipulationen vonnöten, damit die sämmtliche im Eiweiss enthaltene Prote'lnsubstanz in exiier und derselben leicht fil-trirbaren und überhaupt der chemischen Behandlung leicht zugänglichen Lösung erhalten werde. Verdünnung mit einfachem oder dëstillirtem Wasser ist von unerwünschten Erscheinungen begleitet. Die halbflüssige, gallertartige und durchsichtige Eiweissmasse wird vom Wasser getrübt und beim Umschütteln mit demselben zum grössten Teil aufgelöst, während der kleinere Teil in einen aus Fäden, Häutchen, Flocken. Trübung u. s. w. bestehenden Niederschlag übergeht. Schneller findet der beschriebene Vorgang statt, wenn das Eiweiss vorher mit der Schere zerschnitten oder mit grösseren Glasscherben umgeschüttelt wird. Die Quantität des ungelösten Teils des Eiweisses hängt erstens von dem Alter das Eies, zweitens von der Qualität und Quantität des benutzten Wassers, endlich, in einem gewissen Maasse, von der Hühnerart ab. Der Niederschlag, der von einigen Autoren ausschliesslich für die das Eiweiss durchziehenden Membranen, von andern für den Niederschlag ‘) eines geronnenen Prote'inkörpers gehalten wurde, ist, wie wir in Lehmann’s Arbeiten gesehen haben (p. n. 101—4), als teilweise in Salzen löslich gefunden und für Globulin anerkannt worden.
Viele derartige Beobachtungen, sowie auch unsere eigenen, veranlassen uns anzuraten, das Eiweiss nicht mit Wasser sondern mit der Lösung eines neutralen Salzes, welches die Fähigkeit besitzt das Globulin in Lösung zu erhalten, zu verdünnen. Selbstverständlich darf der Procentgehalt des Salzes nicht hoch sein, damit dieses keinen wesentlichen Einfluss auf die Lösung ausübe. Für Hühnereiweiss ist eine 0,5—1°/0 Kochsalzlösung ganz genügend. Das in die erwähnte oder in anders con-centrirte (von 0,5%—15%) Kochsalzlösung einfliessende Eiweiss trübt sich nicht
*) Michailoff, der weder mit der Geschichte dieser Frage vertrat war noch die anatomische Struc-tur des Eiweisses kannte (da er keine Angaben darüber giebt), ironisirt nicht nur über die Existenz der Membranen („so zu sagen präformirte Membranen“ (118 p. 64) „irgend welche präformirte Membranen“, ib. u. s. w. u. s. w.), sondern
nennt auch ohne jeglichen Grund die durch Wasser im Eiweiss herrorgerufenen Niederschläge „präformirte gallertartige Gerinnsel (!)“ (ib. p. 31,66 u. s. w.) und spricht mit ebensowenig Grund ts. p. n. 101—4 a 130) denselben den Charakter des Globulins ab, zuweilen auf recht originelle Weise! (118 p. 64).