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DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.
in Verbindung mit andern Körpern, wie es sich uns im Eiweiss *) bietet, kennen zu lernen. Fast eben dasselbe sagt Klaproth (88 p. 49).
Dieses äusserst wichtige Geständniss der damaligen Autoren, wie wir es bei Thomson finden, darf in dem Studium der Geschichte der Prote'inkörper nicht aus dem Auge gelassen werden. Wir müssen uns immer wieder in Erinnerung bringen, dass die Eigenschaften des unter dem Namen Albumin bekannten Körpes nicht unmittelbar erforscht, sondern ihm die Eigenschaften und der Charakter derjenigen Flüssigkeiten, in denen es enthalten ist, beigelegt wurden: die Eigenschaften der prote'inhaltigen Flüssigkeiten, hauptsächlich des Hiih-nereiweisses und des Menschen- und Ochsepblutserums, wurden geradeswegs auf das Albumin übertragen. Solche Ueber-tragungen finden auch noch jetzt ihre Anhänger; dadurch erklärt sich auch die Angabe desselben Autors—Thomson (147 p. 19)—an derselben Stelle, dass das Eiweiss von den Chemikern Albumin s) genannt werde.
Doch blieben die Forscher nicht einmal in diesen weiten Grenzen der Vorstellung von dem Albumin stehen. Die Chemiker fingen an die Begriffe Eiweiss und Eiweissstoff—albumen und albumin—zu verwechseln, wie wir es bei Parmentier & Deyeux (118 p. 471) finden, und sahen nicht nur diese Benennungen—^albumen“ und „albumin“—für identisch an, wie z. B. Gmelin (63 p. 1049), Cadet (18 p. 195), Bostock (9 p. 54) u. a., sondern legten dem Eiweiss eine Solche Bedeutung bei, welche nur mit der Vorstellung von dem Albumin verbunden werden kann, oder welche Fourcroy zuerst mit dem Worte „Albumin“ verknüpfte * 2 3). Die Chemiker gingen aber noch weiter. So nahmen z. B. Dumas & Prévost an, dass Eiweiss und Blutserum beinahe ganz reines Albumin 4) vorstellen, wobei sie aber dem Blutserum den Vorzug gaben, da dass Eiweiss häutige Flocken (35 p. 52) bildet. Dasselbe schreibt beinahe Wort für Wort Hünefeld (81 p. 238), obgleich er seinen Ausspruch ein wenig durch die Bemerkung mildert, dass im Organismus nirgend von Salzen und organischen Beimengungen freies Albumin angetroffen werde (81 p. 239). Demzufolge hält Hünefeld es nicht für nötig, unter den Ausdrücken: albumen, albumin, Eiweiss und Eiweissstoff zu wählen, und bedient sich derselben ohne Unterschied (ib. p. 238).
Die Verwechslung auch dieser Ausdrücke geht durch die ganze Geschichte der Pro-te'inkörper hindurch; die seltenen Einwendungen dagegen, wie z. B. seitens John (84 p. IV), welcher darauf bestand, dass der Eiweissstoff mit dem Eiweiss nicht verwechselt5) werden dürfe, wurden nicht beachtet, oder nur mit seltenen Ausnahmen wie z. B. in den Arbeiten von Treviranus 6) (1816, 153 p. 119) und Henle (74 p. 457), Du-
*) „Le blanc d’oeuf n’est cependant pas de l’albumine pure, puisqu’il contient aussi du mucus, de la soude et du soufre; mais comme cette substance ne se présente jamais parfaitement pure et qu’on ne connait aucun moyen de la séparer sans eu altérer les propriétés, on est forcé de l’examiner dans son état de combinaison avec ces corps“ (147 p. 19).
2)	„Les oeufs des volatiles contiennent deux substances bien différentes.... et un liquide incolore luisant et visqueux qu’on a nommé le blanc d’œuf, et que les chimistes sont convenus (?) de désigner par le mot albumine (!)“ 147 p. 19).
3)	So sagt Hatchett: „In attempting to prove
that albumen (!) or the coagulating lymph ist the
original (!) animal substance (!).... that albumen
is the primary animal substance, from which the others are derived“ (73 p.743).
*) „Le hlanc d’oeuf et le sérum du sang nous offrent tous les deux l’albumine en grande abondance et dans un état de pureté presque complète“ (36 p. 52); dasselbe auch deutsch (37 p. 310), wo sich jedoch ein Fehler eingeschlichen hat: anstatt albumine—Eiweisstoff—steht Eiweiss.
s) „Mit dem Eiweisstoff ist nicht das Eiweiss zu verwechseln, welches, wie ich vor etlichen Jahren durch Analysen bewiesen habe, aus mehreren Bestandteilen zusammengesetzt ist“ (84 p. IV).
*) „Eiweissstoff nenne ich die im Blutwasser und in den Vogeleyern enthaltene Substanz, die von der Siedhitze, dem Weingeist u. s. w.“ (153 p. 119).