﻿DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES . EIWEISSeS.
57
Bourget (14 p. 361) nennen „coagulum“ sowohl den gallertartigen Zustand z. B. der sauren Milch, des Blutes, als auch den Uebergang der Körper, z. B. des Wachses u. dergl., aus dem geschmolzenen in den festen Zustand (14 p. 361 u. 463).
Denis (30 p. 25) begnügte sich für die Fällung der prote'inhaltigen Flüssigkeiten nicht mehr mit dem Ausdruck „coagulation“, sondern gebrauchte, je nach den Eigenschaften des Niederschlags, „coagulation“, wenn sich derselbe z. B. in Salzlösungen nicht auflöste und „solidification“ wenn er sich in solchen löste. Virchow betrachtet ganz richtig den „Gerinnungsprocess“ für ganz unabhängig von dem Umstande, ob das erhaltene Product sich in diesen oder jenen Agentien auflöst, oder nicht (155 p. 141). Zu derselben Zeit findet auch Panum (117 p. 441) für notwendig die Begriffe „gerinnen, coaguliren, sich setzen“ und „sich niederschlagen, abscheiden“ zu unterscheiden und mit dem Worte „Coagulum“ ein durch „Gerinnung“ erhaltenes Product nur in dem Falle zu bezeichnen, wenn es eine zusammenhängende Masse bildet *).
Die hier dargelegten Erklärungen der Verfasser ermöglichen es nicht, auch nur dem A eus seren nach von dem, was unter dem Worte „Gerinnung“ verstanden wurde, eine klare Vorstellung zu gewinnen. Daher wollen wir hier sogleich, indem wir uns dem gewöhnlichen Beobachtungsobject alter und neuer Autoren zuwenden, bemerken, dass man, ohne in das Wesen der Erscheinung einzudringen, unter dem Worte Gerinnung (coagulation) denjenigen Process zu verstehen hat. bei welchem unverdünntes Hühnereiweiss und Blutserum bei dem Erhitzen bis 100’’ in seiner ganzen Masse in einen festen Körper übergeht, sofern es, auch in kein Gefäss eingeschlossen, seine Form bewahrt, Elasticitât aufweist, d. h. seine unter einem leichten Druck veränderte Gestalt wieder annimmt und geringe Cohäsion besitzt, d. h. sich leicht zerteilen lässt. Die Consistenz einer solchen Gallerte kann eine verschiedene sein, ja nachdem deren Partikelchen ihre Beweglichkeit soweit einge-büsst haben, um keine Flüssigkeit mehr zu bilden, und genügende Cohäsion erworben haben, um zu einem festen Körper sich zu gestalten. Als Beispiel eines solchen Festwerdens dient die Gerinnung des Blutes 8), des Blutplasma, mancher pathologischen Flüssigkeiten, sowie das Sauerwerden der Milch, wobei ein Stück oder die ganze Masse der soeben geronnenen Flüssigkeiten Gerinnsel (coagu-1 u m) genannt wird. Diese Bestimmung erstreckt sich natürlich auch auf die Bildung von Gallerte (gelée) in Flüssigkeiten, welche Leim und pflanzliche gallertartige Substanzen enthalten.
Dennoch besteht zwischen dem Blutcoagulum und der Gallerte ein grosser Unterschied: das Coagulum fährt fort fester, dichter zu werden; es scheidet Flüssigkeit aus, zieht sich zusammen, setzt sich und behält seinen Namen Blutkuchen, Gerinnsel, coagulum, solange bei, bis es nach dem Auspressen ein Product hinterlässt,
*) „Ebenso unrichtig und unstatthaft ist es, das Zeitwort „coaguliren“ oder „gerinnen“ als Synonym mit „fällen“ oder „abscheiden“ zu gebrauchen oder von einer „Gerinnung“ oder „Coagulation“ zu sprechen, wenn man bei andern Stoffen von einer „Fällung“ oder „Abscheidung“ reden würde. Nur wenn der z. B. durch eine Säure gefällte oder z. B. durch Temperaturerhöhung abgeschiedene Körper eine zusammenhängende Masse, „ein Coagulu m“ bildet, ist es statthaft von einer „Coagulation“ zu sprechen; nur dann „gerinnt“ oder „coagulirt“ er in der ursprünglichen und allein statthaften Bedeutung des Wortes. Man
sage immerhin, „Blut gerinnt durch Festwerden des Fibrins“, „Milch durch Sauerwerden“, „Hühnereiweiss durch Kochen“, heisser Beim durch Abkühlung“ (117 p. 440).
2) Unter den zahlreichen Beispielen wollen wir nur das neueste und charakteristischste hervorheben:
„Les analogies qui existent entre l’albumine et la fibrine, impliquaient pour les deux substances un même mode de coagulation; car on a toujours comparé la coagulation spontanée de la fibrine à celle de l’albumine, provoquée par la chaleur“, sagen Mathieu & Urbain (106 p. 226).