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DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.
Zweifel dass liier Gallertbildung vorliegt. Des Ausdrucks „Gallerte“ bediente sich Gmelin im J. 1789 (62 p. 723), um das durch Einwirkung von Wärme auf Blutserum erhaltene Product zu bezeichnen. Auch Edlen von Jacquin (40 p. 171) sagt aus, dass Hühnereiweiss unter denselben Umständen zu einer gelatinösen Masse erhärtet *).
Selbstverständlich konnten solche der Wirklichkeit entsprechende Vorstellungen von dem Erhärtungsprocesse nicht ohne Einfluss auf die Wörterbücher bleiben; so charakterisirt z. B. Bourget (14 p. 361) die „Gerinnung“ als Gallertbildung und nennt das Gerinnsel oder Coagulum—Gallerte. Den genannten Autoren folgen Fourcroy 8), Thomson * * 3), Berzelius 4), welche das festgewordene Blutserum und Eiweiss auch für Gallerte ansehen.
Ausser dieser so zu sagen allgemeinen Bezeichnung des uns interessirenden Productes mit dem Worte „Gallerte“ begegegnet man auch eingehenderen Beschreibungen, welche unzweifelhaft beweisen, dass die älteren Autoren das Erhärtungs-product nicht nur mit einem passenden Namen versahen, sondern auch eine klare, den Thatsachen entsprechende Vorstellung von dem hatten, worüber sie schrieben. So sagt z. B. Zetzell, dass das Blutserum in seiner ganzen Masse in einen festen Körper 5 *) übergeht; Fourcroy (49 p. 13) schreibt, dass beim Kochen die ganze Masse des Albumens (Eiweiss und Blutserum) in eine weisse, feste, homogene, brüchige Masse mit glatten Bruchflächen sich verwandeltfi); Thomson 7) giebt eine analoge Beschreibung.
Wenn als Typus der Gerinnung das Gerinnen des Blutes, das Sauerwerden der Milch u. s. w. gelten kann, so muss, in Anbetracht der oben dargelegten historischen Thatsachen und der täglichen Erfahrung, sowie in Uebereinstimmung mit unserem Schema, das Festwerden des Eiweisses und des Blutserums für Gallertbildung und das erhaltene Product für Gallerte anerkannt werden, wobei die durch Wärme veränderten Flüssigkeiten, Eiweiss und Blutserum, eine homogene milchweisse, in dünne Scheiben geschnitten, durchscheinende opalescirende, gallertartige Masse vorstellt (die unter Umständen durch Austrocknen in durchsichtige glasähnliche homogene Stückchen und Plättchen sich verwandeln), welche durch gewöhnliche Leinwand sich gleich mässig durchpresst8). Dass in die sem Falle des Festwerdens weder Gerinnung noch Fällung stattgefunden hat, beweist ein schon von Fourcroy (1794. 50 p. 311) ausgeführter Versuch, in welchem sogar mit 2—3 Volumina Wasser verdünntes Blutserum durch Einwirkung von Wärme in seiner ganzen Masse in einen gallertartigen Zustand s) übergeht, ohne
‘) „Bei der Hitze .... e r h ä r t e t es zu einer gelatinösen Masse“ (40 p. 171).
:) „On nomme albumine, d’après son analogie avec le blanc d’oeuf, la portion congélable par le feu, et devenant opaque et indissoluble; on appelle gélatine la matière plus transparente, qui se fige surtout par le refroidissemeut et qui est dissoluble dans l’eau“ (52 p. 140).
3) „La coagulation de l’albumine ressemble exactement à ce qui se passe lorsque la potasse silicée concentrée est saturée d’acide muriatique. La masse acquiert lentement une couleur opale
et finit par se concréter en une sub-
stance solide & gélatineuse. Or cette
gelée est formée par les molécules de la silice
combinées entre elles, et avec une certaine portion d’eau (147 p. 25—6).
4) „ ... . und gesteht beim Erhitzen bis zu ungefähr+76° zu einer Gallert“ (5 p. 62).
‘) „Sobald es anfing warm zu werden, ward es weiss, und bei zunehmender Wärme gieng es alles in einen Körper zusammen“ (160 p. 241).
6)	.... mais bientôt, lorsque la coagulation est complète, toute la masse est homogène, solide, blanche, cassante & lisse dans sa cassure (49 p. 13).
7)	S. Citât *) auf dieser Seite.
8)	Mit Ausnahme der das Eiweiss durchziehenden Häutchen und Streifen.
9)	„Le sérum ou la partie albumineuse qu’il contient a la propriété de fixer & de faire solidifier, par la chaleur, deux ou trois fois son poids d’eau“ (50 p. 311).