﻿62
DAS GLOBULIN BËS BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.
scher auf diesem Gebiete veranlasst haben, in der Erhärtung durch Wärme und derjenigen durch Säuren oder Alkohol einen Unterschied zu sehen; indess haben viele Autoren, bis auf unsere Zeit, in allen Fällen sich mit dem Ausdruck „geronnenes Eiweiss“ begnügt, indem sie mit diesem Worte zugleich auch die Producte des geronnenen Eiweisses und Blutserums bezeichneten. Doch waren auch schon im XVIII Jahrhundert Versuche gemacht worden, diese Begriffe abzugrenzen. So bezeichnet Neumann (114 p. 527) die durch Wärme bewirkte Gerinnung durch das Wort „Andickung“, sagt aber in Bezug auf Alkohol und Säuren, dass sie nicht bloss andicken sondern auch coaguliren. Natürlich entspricht letzteres der Fällung.
Will man sich durchaus des Wortes „geronnen“ bedienen, und den Vorgang selbst der Blutgerinnung gleichstellen, so wären für das zu Gallerte gewordene Eiweiss und Blutserum „geronnenes Eiweiss“ oder „geronnenes Serum“ die entsprechenden Ausdrücke; keineswegs ist es aber am Platze das gefällte Blutserum oder Eiweiss mit denselben Ausdrücken zu bezeichnen, da sie ja dort für das Ganze, hier nur für einen Teil desselben dienen würden. Am interessantesten ist aber, dass der Ausdruck „geronnenes Eiweiss“ nicht nur iür den Niederschlag im Eiweiss, für das in seiner ganzen Masse geronnene Serum und die in demselben entstehenden Niederschläge, sondern auch für alle die Fälle beibehalten wurde, wenn man den Vorgang mit der Teilnahme des Albumins an demselben zu verknüpfen wünschte.
Im Hinblick darauf, dass das Wort „Gerinnung—coagulatio“ von den Autoren sowohl auf die Producte als auch auf die Flüssigkeiten selbst, in denen diese entstehen bezogen und das Wort „geronnen“ von ihnen für diese und jene, gebraucht wurde, hauptsächlich aber weil sie es vornehmlich, wenn nicht ausschliesslich, mit den Niederschlägen proteinhaltiger Flüssigkeiten zu thun hatten, so wollen wir, um offenbaren Missverständnissen zuvorzukommen, gleich erklären, dass wir von den ersten Momenten der Geschichte der Proteinkörper an, unter dem Worte „Gerinnung“—„Fällung“ zu verstehen haben, ohne irgend welche besonderen Eigenschaften der Producte dieses Vorgangs—der Niederschläge—dabei im Auge zu haben, was unbedingt notwendig wäre, wenn man die Ausdrücke „Gerinnung“, „Geronnenes“ beibehalten wollte.
B. D i e Temperatur des Festwerdens der p rote'in haltigen Flüssigkeiten. Nachdem man gefunden hatte, dass das Blutserum, das Eiweiss und ihnen analoge Flüssigkeiten in der Wärme in den festen Zustand übergehen, liess man es sich angelegen sein, die Temperatur, bei welcher dieser Uebergang stattfindet, zu bestimmen. Anschaulichkeit halber haben wir die Angaben der verschiedenen Autoren, in Graden des Celsius’schen Thermometers aus-gedrückt, in folgender Tabelle zusammengefasst.
TABELLE I.
Die Temperatur des Festwerdens der proteïnhaltigen F1 üs-
Eiweiss,. des Huhnes	560—60° C.	s i g k e i t e n. Fourcroy			....	(49 p. 13)
	00° „	Ed. v. Jacquin		, ...	(40p. 171)
y)	74»	Klaproth 		,. ..	(85 p. 50)
	75°	Bostock				(5 p. 538)
	ot o o ! 00 o ©	John		...	(83 p. 251)
	70°	Dumas & Prévost		....	(35 p. 52)
r>	65°—75° „	id		. ...	(36 p. 310)