﻿DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.
75
derungen beobachtet: mit 2 Volumina Wasser verdünnt, wird es, wie Hewson gezeigt, in der Wärme nicht gefällt. Unsern eignen Beobachtungen nach, verliert Hunde- und Ochsenserum die Fähigkeit in der Wärme fest zu werden zuweilen schon bei Verdünnung mit einem Volum Wasser; zur Hälfte mit Wasser verdünnt, scheidet es beim Kochen einen Niederschlag aus, was zuerst von Fourcroy & Vauque-lin (1790, 55 p. 180) beobachtet wurde, und die Flüssigkeit bildet beim Erkalten eine Gelée 1), deren Enstehen sie durch die Gegenwart von Glutin im normalen Blute erklärten. In der Folge behauptete Fourcroy (52 p. 140), dass er es war, der im Jahre 1790 Glutin im Blute gefunden hatte, wodurch er glaubte die Fähigkeit des Serums in der Wärme eine durchsichtige Gallerte zu bilden erklären zu können. Trotzdem finden wir bei Senac (139 p. 289) Hinweise darauf, dass dieser Autor schon im Jahre 1774 von einer gallertartigen Substanz das Blutes gesprochen hatte *). Schon Fourcroy & Vauquelin’s erste Angaben wurden durch Parmentier & Deyeux’s Beobachtungen bestätigt (118 p. 438), welche nach dem Beispiel der ersten Beobachter das Serum auf dem Wasserbade wärmten und einen Niederschlag erhielten, wonach schon die ganze Flüssigkeit sich in Gallerte verwandelte. Hunter (82 p. 105) fand in einem Falle, dass das Serum fast ganz in der Hitze gerann, und fast gar nichts Flüssiges ausschwitzte.
Diese Beobachtungen wurden von einigen Autoren auch Anfang des XIX Jahrhunderts—Bostock (10 p. 71; 11 p. 55; 9 p. 63), Brande (16 p. 98), Thomson (147 p. 184) u. a.—bestätigt. Interessant ist die Art, wie Thomson (ib. p. 184) die Gallerte erhielt: nach 6-facher Verdünnung des Serums mit Wasser enstand nach dem Kochen. Filtriren und Abdampfen bei mässiger Wärme eine- Gelée, in welche sich die ganze Masse der Flüssigkeit verwandelt hatte.
Das Aussehen einer solchen Gallerte sowie die unvollkommene Gerinnbarkeit des Serums beim Kochen scheint nach Fourcroy’s Vorgehen, die Autoren veranlasst zu haben, im Serum die Gegenwart von Glutin anzunehmen. Dadurch erklärt es sich, dass in den Analysen, die aus dem XVIII und dem Beginn des XIX Jahrhunderts stammen, neben den übrigen Bestandteilen des Serums und des Eiweisses auch Glutin angezeigt ist (z. B. bei John, 85 p. 222 u. a.). Indessen hatte, wie unsere Nachforschungen gezeigt, Thouvenel (1777, 149 p. 27) nicht nur vor Fourcroy die Fähigkeit des Serums unter den genannten Umständen Gallerte zu bilden bemerkt, sondern auch, mit vollem Recht, diese Erscheinungen mit den Eigenschaften der protemhaltigen Flüssigkeiten (ib. p. 23) verknüpft, obgleich er bei gleicher Behandlung des Hühnereiweisses keine Gelée erhalten hatte (ib. p. 27). Thouvenel fällte das Serum auf dem Wasserbade, dampfte das Filtrat auf diesem auch ab und erhielt eine Gallerte (ib. p. 23). Ohne Zweifel beruht diese Ansicht auf Neumann’s Behauptungen und Versuchen (1753, 114 p. 523), welcher auf die scharfe Grenze zwischen den Reactionen des Glutins und der prote'inhaltigen Flüssigkeiten, nämlich die Fähigkeit letzterer durch verschiedene „liquoribus & spiritibus“ gefällt zu werden, hinwies, was bei Glutinlösungen nicht beobachtet wird. Obgleich Bostock (10 p. 71) später Fourcroy’s Schlüssen im allgemeinen beistimmt, findet er dennoch, dass die „Gelée“ des Serums in Wasser beim Kochen unlöslich ist, woraufhin er den Bildungsprocess der durchsichtigen Gallerte, der Gelée, in den protemhaltigen
*) „Le sérum exposé à la clialeur après avoir été mêlé de moitié de son poids d’eau, se coagule en partie. La portion de liquide qui ne se coagule pas contient de la gélatine qui se prend en gelée par le refroidissement“ (55 p. 182).
‘) „La matière gélatineuse qui est dans le sang
(139 p. 288)-----quand le sang, par exemple, s’est
durci sur le feu, en perdant son humidité, il se sépare en trois substances .. .\ la troisième, qui a la même couleur (blanche), peut se dissoudre; c’est la matière gélatineuse“ (ib. p. 289).