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DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.
Flüssigkeiten „coagulation“ nennt, den Ausdruck „gélatinisation“ aber für den Uebergang des Glutins in Gallerte (11p. 55) beibeliält. Dieselbe Eigentümlichkeit des Serums erkennt auch Brande (16 p. 98) an und findet, dass die Gallertbildung mit den Eigenschaften der protemlialtigen Flüssigkeiten verknüpft sei. Nach ihm beobachtete auch Marcet (103 p. 44). dass Lymphserum, welches beim Kochen nicht fest geworden war, beim Abdampfen eine zwar undurchsichtige (opaque), doch mit allen Eigenschaften des gewöhnlichen fest gewordenen Eiweisses ausgestattete Gallerte bildet. Nachdem Scherer (1852, 131 p. 322) das Blut eines an Leukämie Leidenden in kochendem Wasser zum Gerinnen gebracht und den Niederschlag abfiltrirt hatte, erhielt er beim Abdampfen des klaren und reinen Filtrats zuerst Häute, dann „bei weiterer Concentration, gestand die Flüssigkeit zu einer gallertigen Masse“, die sich zum Teil in Wasser löste. Endlich haben unsere Zeitgenossen Mathieu & Urbain (106 p. 227) gefunden, dass, gleich dem Hünereiweiss, auch das Serum, nachdem die Gase aus demselben durch Auspumpen entfernt worden sind, in der Wärme sich nicht niederschlägt, wenn es aber wieder mit Kohlensäure versehen wird, die Fähigkeit wiedergewinnt beim Kochen sich niederzuschlagen.
Im J. 1884 gelang es endlich Pt. Koch (89 p. 471 der ganzen Masse des unverdünnten Blutserums das Aussehen einer durchsichtigen Gallerte zu verleihen, indem er es längere Zeit über 65°, doch nicht über 70° erhitzte. Die erhaltene Gallerte verändert sich lange nicht, sogar unter der Einwirkung der Körpertemperatur ’). Jahre 1891 bestätigte (165 p. 141) Zotli diese Beobachtungen von Koch. Ferner findet Koch, dass Schafserum schneller als anderes eine gallertartige Masse bildet, während Kalbsserum in den gallertartigen Zustand sehr langsam übergeht. Indem wir die Behandlung des Serums nach Mathieu & Urbain mit der Ivoch’schen verbanden, konnten wir die Bildung einer durchsichtigen Gallerte nur beschleunigen.
Bei der Untersuchung des Serums von Ochsen. Kälbern und Hunden, seltener von Schweinen, nach diesem oder jenem Verfahren, beobachteten wir häufig Bildung von undurchsichtiger Gallerte, erhielten aber auch Serum, welches sich in der Wärme nicht niederschlug. Noch einfacher und schneller erhält man Gallerte aus Serum auf folgende Weise: das Serum wird mit 2—5 Volumina Aether ausgeschüttelt und letzterer nach dem Abstehen abgegossen. Dann wird die Flüssigkeit filtrirt, behufs Entfernung des Aethers zuerst auf 50°—70° erhitzt, wonach sie sowohl bei 70° als bei 100° sich in Gallerte verwandelt. Dichtere 2) Gallerte wird durch Abdampfen des mit Aether behandelten Serums auf */4—'% des Vohims erhalten.
Nach allem Gesagten ist es wohl kaum noch nötig zu wiederholen, dass sowohl die Gerinnungstemperatur als auch das Aussehen der Gallerte in voller Abhängigkeit von den anorganischen Bestandteilen des Eiweisses und des Serums sich befinden und in keinem Falle das „Albumin“ charakterisiren können, wenn die Bedingungen nicht genau angegeben sind, unter denen die Beobachtung stattfand.
2) Fällung durch Säuren und Alkohol. Schon seit den ersten Schritten einer eingehenderen Erforschung des uns interessirenden Körpers war bemerkt worden, dass ausser der Wärme auch viele andere Agentien, vor allem
*) „Ich hatte hei Experimenten, welche darauf ausgingen, Blutserum nach dem von Tyndall zuerst für Heuinfus angegebenen A erfahren durch wiederholtes Erwärmen zu sterilisi— ren, gefunden, dass das Serum, wenn es längere Zeit über 65° C. erwärmt wird, erstarrt, aber durchsichtig bleibt. Einen solchen Nährboden kann
man, ohne dass er irgend welche Abänderungen erleidet, längere Zeit hindurch Temperaturen aussetzen, welche der Körpertemperatur entsprechen“ (89 p. 47).
2) Die Gallerte is sehr passend für Bacterien-kulturen, da man sie bei 100° sterilisiren kann.