﻿DAS GLOBULIN DBS BLUTSÉRÜMS ÜND DES EL WEISSES.
Bi
lianden ist, indem diese protemhaltigen Flüssigkeiten sich vollständig in Gallerte verwandeln, wobei nach Fourcroy, wie wir gesehen (p. n. 35), das Serum bei diesem Ueber-gange bis 3 Vol. Wasser zu binden vermag. Andererseits ist nicht abzuleugnen, dass es namentlich das unverdünnte Eiweiss und das unverdünnte Serum in Gestalt von Gallerte waren, die zuerst „geronnenes Eiweiss“ und „geronnenes Serum“ benannt wurden, wie sie von den älteren Autoren, z. B. von Edlen v. Jacquin u. a. (40 p. 189) *) „das geronnene Blutwasser“ oder—„Eiweiss“—auch genannt werden. In Uebereinstim-mung mit den historischen Thatsachen und dem Wesen der Dinge muss unter „geronnenem Eiweiss“ und—„Serum“ der feste Zustand dieser Körper im Gegensatz zu dem natürlichen, flüssigen, durch Wärme unveränderten Zustande derselben, nämlich das fest oder zu Gallerte gewordene Eiweiss oder Serum verstanden werden. So nennt Piudolphi (127 p. 128 —9) das gewöhnliche flüssige Eiweiss „Albuinen liquidum“, das in der Wärme fest gewordene—„albumen coagulatum, solidum“. Auch noch jetzt, nach der Einführung des Begriffs Albumin, werden nicht nur die Niederschläge im Hühnereiweiss häufig „geronnenes Eiweiss“ genannt; sogar die unlöslichen Niederschläge des Serums und der verschiedenartigsten sog. proteinhaltigen Flüssigkeiten Messen und heissen noch: „geronnenes Eiweiss“!
Wenn man andererseits die Niederschläge der protemhaltigen Flüssigkeiten „geronnenes Albumin“ nennen und darunter die in der Mutterlauge unlöslichen Producte verstehen wollte, so wäre es ziemlich schwer eine solche Deutung auf den Fall zu beziehen, wenn das Eiweiss oder dieses oder jenes Serum unter der Einwirkung von Wärme in eine gallertartige Masse übergeht. Obgleich dieser gallertartige Zustand auch als Ausgangspunkt für den Begriff von dem geronnenen Eiweiss gedient hat, so muss derselbe doch, infolge der diesen Vorgang begleitenden Erscheinungen, ausser der Sphäre der uns in diesem Augenblick interessirenden Frage (s. d. Kap. über das Verhalten der Alkalien) betrachtet werden; dies um so mehr, als hier an der Bildung der Gallerte alles Eiweiss und alles Serum teilnimmt, während dort nur ein Teil, wenn auch der wesentlichste Bestandteil der protemhaltigen Flüssigkeiten, derjenige, der ihren Charakter bestimmt und zu allererst mehr oder weniger rein und frei von den übrigen Bestandteilen, wenngleich in etwas veränderter Gestalt, dem Beobachter entgegentritt, der einzige, der zu jener Zeit auf die Benennung „Albumin“ Anspruch machen konnte. Den Körper, welcher der Vorstellung „Albumin“ entspricht, lernen wir eigentlich in Gestalt des sog. „geronnenen Albumins oder Eiweisses kennen und auch nur dann, wenn darunter Niederschläge u. s. w. gemeint sind, während wir ausser dem Begriff „geronnener Eiweisstoff'“ es mit complicirten Flüssigkeiten zu thun haben und eigentlich nur die Eigenschaften dieser kennen lernen, wenn letztere auch in einem gewissen Maasse durch die Natur des in diesen Flüssigkeiten enthaltenen „Albumins“ bedingt werden. Ausserdem war die Aufmerksamkeit der Forscher des XVIII und des Anfangs des XIX Jahrhunderts nicht nur in den meisten Fällen, sondern fast auschliesslich auf die Producte, die wir mit dem Worte „Niederschlag“ charakterisiren (p. n. 31,33), gerichtet.
Somit haben wir bis zu Denis’s Arbeiten, d. h. während der ersten Periode der Geschichte des sog. Albumins, unter dem Namen „geronnenes Albumin“ die Nie de r-s c h 1 ä g e zu verstehen, welche in den protein haltigen Flüssigkeiten durch irgend welche chemische Agentien oder auch mechanisch. z. B. durch Schlagen u. d e r g 1. erhalten werden. In
’) Dass Edl. v. Jacquin keinen Niederschlag Beschreibung des Vorgangs: „_____________erhärtet es zu
sondern Gallerte vor sich hatte, erhellt aus der einer gelatinösen Masse“ (40 p. 171).
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