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DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.
auch Liebig, dass es gleichgültig sei, ob das Serum zuerst mit Essigsäure oder verdünnter Schwefelsäure neutralisirt und dann mit Wasser verdünnt wird, oder umgekehrt; in beiden Fällen wird ein Niederschlag erhalten, der sogleich in neutralen Salzen löslich ist. Nach der Verdünnung des Serums mit 100—200 Vol. Wasser und der Neutralisation des das Albumin in Lösung haltenden Alkali bildet sich nach und nach ein Niederschlag, welcher nach dem Auswaschen sich als reines Albumin erweist 1). Einen ganz eben solchen Körper erhielt Liebig auch aus Hühnereiweiss nach dessen Verdünnung mit 200—300 Teilen Wasser und Neutralisation mit Essigsäure2). Dieses „reine Albumin“ löst sich in Lösungen geringer Mengen neutraler Salze. Ausserdem lösen sich die Niederschläge reinen Albumins aus Serum und Eiweiss nicht nur sehr leicht in Alkalien und Alkalicarbo-naten, sondern bleiben auch nach der Neutralisation des Alkali mit Essigsäure in Lösung; ferner ist dieses reine Albumin aber auch in ganz neutralen Salzen, wie z. B. Salpeter, aus deren Lösung es durch eine grosse Menge Wasser wieder ausgefällt wird3), löslich. Nasse (124 p. 128) findet, dass schwache Säuren, wie Essigsäure, Milchsäure, Citronensäure und Kohlensäure, Trübung hervorrufen, dass aber durch Neutralisation mit Säure sich, im allgemeinen, ein Niederschlag bildet (ib. p. 128). Weiter beobachtete Zimmermann (1844,180 p. 101) unter 50 Fällen von Blutenziehung in 17 Fällen, dass das Serum milchig und trübe war. Durch die Gegenwart von Fett konnte er diese Trübung nicht erklären, und giebt zu, dass es irgend eine Proteïnverbindung des Fibrins oder Globulins (Caseins) in fein verteiltem Zustande war; er schloss aber auch die Möglichkeit nicht aus, dass diese Teilchen ein durch die Neutralisation bedingter, unter dem Einflüsse der Kohlen- oder Phosphorsäure des Serums auf eine in denselben enthaltene Verbindung des Albumins mit einen Alkali—Alkalialbuminat—erhaltener, Niederschlag gewesen sein konnten. Bemerken wir hier gleich, dass im Jahre 1837 Mandl (109 p. 478) im Serum neben den Blutkörperchen sehr kleine Körnchen beobachtete, die er für Albumin im coagulirten Zustande ansah. Zwei Jahre nach seiner ersten Arbeit kehrte Zimmermann (1846, 181 p. 197) zu dieser Frage wieder zurück; er zieht hier die Behandlung mit Säure und Wasser so zu sagen in die Länge und findet, dass sowohl bei der Neutralisation des Serums als auch bei einem gewissen Überschuss an Säure in der That kein Niederschlag beobachtet wird; lässt man aber ein solches Serum ruhig stehen, so bemerkt man schon nach einer Stunde eine leichte Trübung, und nach 12 Stunden hat sich ein starker Niederschlag von Albumin gebildet. Noch mehr: die von dem Niederschlag abgegossene klare Flüssigkeit lässt nach Verdünnung mit
*) „Wird das Blutserum mit Essigsäure oder verdünnter Schwefelsäure vorsichtig neutralisirt, so entsteht essigsaures oder schwefelsaures Natron, welche das ausgeschiedene reine Albumin gelöst erhalten; verdünnt man aber diese Flüssigkeit mit 100—200 Theilen Wasser, so entsteht ein Niederschlag in weissen, rundlichen Flocken, der sich in der Ruhe vollkommen ahsetzt. Dieser Niederschlag enthält, ausgewaschen, nichts von der Säure zurück, es ist Albumin in reinem Zustande“ (105 p. 875).
■) „Ganz den nämlichen Körper erhält man, wenn Eiweiss mit 2—300 Th. Wasser wohl vermischt, filtrirt und alsdann, bis zum Verschwinden der Alkalinität, sehr verdünnte Essigsäure uzgesetzt wird, bis die Flüssigkeit trübe und milchähnlich geworden ist; in der Ruhe setzt sich,
wie heim Serum, der Niederschlag ab, durch Abfiltriren und Waschen wird er rein erhalten“ (ib.).
3) „Aber nicht bloss die genannten Alkalien, sondern auch völlig neutrale Salze, und namentlich Salpeter, versetzen das reine Albumin in den löslichen Zustand zurück. Wird es feucht in der Form eines dicken Rahms mit etwas Salpeter versetzt, so wird die Mischung in einigen Augenblicken durchscheinend gallertartig; setzt man etwas mehr Salpeterlösung zu, so entsteht nach 24 Stunden eine vollkommen flüssige Lösung, die beim Erhitzen zu einer festen Masse gerinnt (P. Denis), mit vielem Wasser verdünnt, schlägt sich das Albumin aus der Salpeterlösung wieder nieder“ (105 p. 875—6).