﻿DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.
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ausfallen sondern auch das Albumin, da der aus Protein bestehende Teil des Niederschlags in Chlorammonium, Kochsalz und diesen ähnlichen neutralen Salzen sich vollständig *) auflöst, so dass nur die Membranen und Chalazen ungelöst bleiben (99 p. 313). Das, was wir über die Fällbarkeit des Blutserums und des Hühnereiweisses gesagt haben, vervollständigen Arnold’s (2 p. 122) im Jahre 1858 ausgeführte Beobachtungen, nämlich dass bei der Verdünnung des Hühnereiweisses mit 2—10 Vol. Wasser dasselbe in Gestalt von Fäden, Körnchen und dergl. ausfällt. Uebrigens hatte Melsens (116 p. 185) schon früher gezeigt, dass sogar nach dem Abfiltriren des Niederschlags vom Wasser beim Schütteln des Filtrats oder beim Durchleiten neutraler Gase durch dasselbe, im Eiweiss sich wieder Niederschläge bilden. Solche Niederschläge erhielten auch Chalfeieff (21 p. 134) und Gautier (54 p. 1069). Gautier hält dieselben für Globulin, wobei er dieses mit dem Fibrinogen identificirt und es deshalb „ovofibrinogène“ nennt (ib. p. 1070).
5. Stand der Frage am Ende der vierziger Jahre. Sowohl Denis’ erste Arbeiten als auch diejenigen einer ganzen Reihe von Beobachtern in der Zeitperiode zwischen 1835 und dem Ausgange der vierziger Jahre sind der Vergessenheit anheim gefallen. Nicht nur jetzt spricht niemand mehr davon, schon seit dem Ende der genannten Zeitperiode erwähnt man ihrer nicht mehr, kennt man sie nicht mehr!
Und doch waren die Arbeiten der Gelehrten dieses kurzen Zeitraums, der die Grenze zwischen der Lehre vom Albumin der älteren Autoren und derjenigen unserer Zeit bilden, sowohl durch ihren Gegenstand als auch in Bezug auf ihre Beziehung zu der Lehre vom Globulin höchst interessant.
Dabei würden wir schwerlich einen besseren Commentator alles dessen, was die bis zum Ende der vierziger Jahre gemachten Beobachtungen und deren wahre Bedeutung anbetrifft, finden als Liebig.
„Allen Flüssigkeiten, welche in einer gewissen Menge Albumin gelösst erhalten, erteilt diese Materie die Eigenschaft, wenn sie über 60° erhitzt werden, zu einer festen Masse zu gerinnen“...3)! Auf Grund des soeben Angeführten beschreibt Liebig, sich auf Denis’ Standpunkt stellend, in dem Kapitel über die Proteinkörper, wie zu erwarten war, die „Eigenschaften des Blutserum s“, d. h. das, was von andern Autoren der ersten Periode und von vielen neuerer Zeiten „Eigenschaften des Albumins“ genannt wurde (105 p. 875).
Im Hinblick darauf, dass das von Liebig Mitgeteilte so zu sagen das Resumé alles dessen ist, was wir über die Eigenschaften der proteïnhaltigen Flüssigkeiten und des Albumins dargelegt haben, geben wir es hier in von uns systematisirter Uebersicht wieder.
I. Das Serum vermischt sich mit allen Alkalisalzen, ohne sich zu verändern.
*) „Man kann sich hiervon sehr leicht überzeugen, wenn man so behandeltes und von ausgeschiedenen Flocken fast weiss und undurchsichtig gewordenes Eiweiss mit einem wenn auch nur neutral reagirenden Alkalisalze, z. B. Chlor-natrium, Salmiak und dergl., versetzt; ein sehr grosser Theii der Trübung verschwindet alsdann, und man erkennt in dem noch ungelöst gebliebenen unter dem Mikroskop nur noch die Ausläufer der Chalazen und die membranösen Theile“ (97 p. 356, beinahe Wort für Wort, wie in 98 p. 313;.
:) „Allen Flüssigkeiten, welche Albumin in einer gewissen Menge gelöst enthalten, ertheilt
diese Materie die Eigenschaft, wenn sie über 60° C. erhitzt werden, zu einer festen, elastischen Masse zu gerinnen, wobei man keine Art von Gasentwickelung bemerkt. Die Flüssigkeiten, denen diese Eigenschaft zukommt, besitzen eine alkalische Reaction und enthalten stets mehr oder weniger neutrale Salze, Kochsalz, kohlensaures Natro u. s. w., von denen sich das Albumin nicht trennen lässt, ohne seine Eigenschaften einzubüs-sen. Die Eigenschaften des reinen Albumins sind so gut wie unbekannt; Alles, was man darüber weiss, bezieht sich auf das Verhalten des Blutserums und des Eiweisses“ (105 p. 874—5).