﻿DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.
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jetzt zu erkennen sind. Ein solcher, in der Geschichte einer jeden Wissenschaft häufig vorkommender geringfügiger Umstand—die Unkenntniss seitens dieses oder jenes Autors der Arbeiten seiner Vorgänger — veranlasste in dem gegebenen Falle auch andere Autoren den Gegenstand anders aufzufassen. Der Urheber der erwähnten Verwirrung war Panum. Ihm waren die Arbeiten seiner Vorgänger nicht nur unbekannt, er stellte auch noch die Thatsachen, die er kannte, in falsches Licht. Sein Eintreten in die Geschichte der Prote'inkörper deutet Panum wirklich mit der Beschreibung einer Thatsaelie an, die schon bekannt und von seinen Vorgängern vielleicht besser studirt worden war. „Als ich am 14 Okt. etwas Blutserum in ein Glas Wasser goss, sah ich zu meinem Erstaunen“, schreibt Panum (1851, 128 p. 251), „dass das Wasser das Ansehen eines dünnen Milchwassers annahm“ 1). Diese Erscheinung wurde nicht nur durch Quellwasser sondern auch durch destillirtes Wasser, aber nur bei 4-oder mehrfacher Verdünnung hervorgerufen, während die Verdünnung mit 10 Vol. Wasser die Trübung vermehrte. Bei fernerer Verdünnung, bis 20 Vol., blieb die Trübung sich gleich, wurde aber später weniger dicht. Nach 24 Stunden ging die Trübung in einen Niederschlag über, welcher auf dem Filter sich sammelte, und die Mutterlauge lief ganz klar durch. Der Niederschlag löste sich in einer geringen Menge Essigsäure, in Alkalicarbonaten und freien Alkalien; die Lösung des Niederschlags in Essigsäure wurde von Ferrocyankalium gefällt: „Unter dem Mikroskop zeigte das Sediment sich als eine amorphe Punktmasse, wie Eiweiss (!?), das durch Alkohol unter dem Mikroskop zum Gerinnen gebracht wird“ (128 p. 252). Gleich darauf fügt Panum hinzu: „Die vom Sediment getrennte klare Flüssigkeit reagirte alkalisch und enthielt viel Albumin, das beim Kochen coagulirte“ (!?) (ib. p. 252). Es kann nicht geleugnet werden, dass, frühere Autoren Fällung durch Wasser zwar bemerkt hatten, jedoch fanden, dass nach Abscheidung des Niederschlags das Serum, durch die entstandene Verdünnung, die Fähigkeit einbüsst in der Wärme zu gerinnen, oder dass nach dem Kochen nur sehr schwache Opalescenz eintritt,—wovon sich jeder leicht überzeugen kann (p. n. 67). Somit sehen wir hier die erste Ungenauigkeit, deren Panum bewusst oder unbewusst sich schuldig macht, die er aber jedenfalls begeht, um dem „neuen Körper“—dem obenbeschriebenen Niederschlag—dasselbe „Albumin“, mit dessen Haupteigenschaft „in der Wärme zu gerinnen“ gegenüberzustellen. Mit 2 Vol. Wasser verdünntes Serum verliert, wie wir schon wissen, bereits die charakteristischen Eigentümlichkeiten der prote'inhaltigen Flüssigkeiten, und kann in keinem Falle als Typus dienen, um die wichtigsten Reactionen des Albumins zu zeigen. Jedenfalls konnte Panum aus den schon veröffentlichten Thatsachen ersehen, dass man es hier mit verändertem Albumin zu tliun hat Uebrigens finden wir zur Bestätigung des soeben Gesagten experimentelle Thatsachen bei Panum selbst2).
Ferner beschreibt Panum ziemlich naïv die Art und Weise, wie er auf die Fällung des Serums durch Säuren gekommen war. Er hatte nämlich beobachtet, dass bei der Verdünnung des Serums mit Wasser die Fällung nicht sogleich stattfindet, der
*) „Als ich am 14. Oct. etwas Blutserum in ein Glas Wasser goss, sah ich zu meinen Erstaunen, dass das Wasser unklar wurde und fast das Ansehen eines dünnen Milchwassers annahm“ (1851, 128 p. 251 — aus Bibliothek for Lager, Jan. 1850, nach Milne Edwards. Dasselbe erschien in engl. Sprache in London Journal of Medicine 1850, t. II. p.685, folglich muss der hedeutungs-Arolle 14 Oktober auf 1849 bezogen werden, Es sei hier bemerkt, dass beinahe dasselbe im folgenden Jahre, 1851, in deutscher Spi’ache (129 p.
17) dargelegt ist, obgleich der gemeinsame Umschlag der erwähnten Schriften das J. 1852 trägt. In französischer Sprache erschien dieselbe Arbeit im Jahre 1853 (130 p. 237).
") „.... denn nachdem der durch Wasser und Essigsäure gefällte Stoff entfernt ist, enthält die neutrale Flüssigkeit noch eine grosse Menge Eiweiss, ja dieses wird durch Kochen in noch reichlicherer Menge ausgeschieden, als vor dem Zusatz der Essigsäure und vor dem Abfiltriren des ausgefällten Stoffs“ (128 p. 259).