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DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES
^Niederschlag nicht einmal ein Modificationsproduct des Albumins sein könne, weil nach der Abscheidung des durch Wasser und Essigsäure hervorgebrachten Niederschlags, das Serum noch viel Albumin enthalte, da aus dem Filtrat eines solchen neutralisirten Serums beim Kochen eim bedeutender Niederschlag ausfällt (p. n. 105). In letzterem Falle werde sogar mehr Niederschlag erhalten, als wenn das Serum vor der Zugabe von Säure gekocht wird. Der Zusatz einer neuen Quantität Wasser und Essigsäure bewirke aber schon keinen Niederschlag, nachdem der zuerst erhaltene abfiltrirt worden ist (128 p. 259). Abgesehen davon, dass diese Angaben mit den von späteren Autoren beobachteten Thatsachen nicht vereinbar sind, wie z. B. mit Eichwald’s (45 p. 120), welcher gezeigt hat, dass mehrmalige Verdünnung mit Wasser und Durchleitung von Kohlensäure auch mehrmalige Fällung zur Folge hat, fehlt es der soeben dargelegten Betrachtung Panum's sowohl an historischer als an factischer Begründung. Daraufhin muss seine Behauptung, dass der beschriebene Niederschlag, der, merken wir uns, von früheren Autoren „Albumin“ genannt worden war, eine vom „Albumin“ verschiedene Substanz sei, welche im Serum durch Salze und Alkalien in Lösung gehalten werde und bei dessen Neutralisation und Verdünnung mit Wasser ausfalle '), muss diese Behauptung wenigstens für ein Missverständniss angesehen werden. Als ein solches ist sie schon deshalb zu betrachten, weil bei der Deutung des Neutralisationsniederschlags im Serum Panum zu allererst die Analogie dieser Reaction mit derjenigen auffiel, welche gewöhnlich bei der Fällung von Milch beim Neutralismen mit Säuren vor sich geht. Deshalb betrachtet Panum auch den Neutralisationsniederschlag im Serum als Casein mit all den Eigenschaften, welche Scherer und Rochleder darin gefunden hatten, und hebt hauptsächlich die Unauflöslichkeit des Niederschlags in Wasser hervor.
Doch kannte Panum auch die Eigenschaften des Caseins oder, richtiger gesagt, der Milch sogar für jene Zeit ungenügend, infolgedessen ihm der schon seinen Vorgängern wohlbekannte Unterschied in der Fällung des Serums und der Milch entging: in der Milch bildet sich ein Niederschlag schon bei einfacher Neutralisation mit Säure, wälirecl das Serum noch Verdünnung mit Wasser erfordert (128 p. 259). Nur auf Grund dieser Unkenntniss konnte Panum Liebig den Vorwarf machen, dass er wichtige Beobachtungen, die in seinem Laboratorium * 2) gemacht worden waren, als Curiosum bei Seite gelegt hatte.
Im allgemeinen sind jedoch Panum’s Arbeiten in der Hinsicht interessant, dass dieser Forscher ohne vorgefasste Meinungen bei seinen Beobachtungen zu denselben Resultaten gelangte wie andere, ihm unbekannt gewesene, Autoren.
Wie man jenen Niederschlag der proteinhaltigen Flüssigkeiten auch nennen möge, die Sache bleibt wesentlich dieselbe; soll aber unter dessen neuem Namen ein von dem in Lösung gebliebener verschiedener Körper verstanden werden, so wirft sich vor allem die Frage auf, ob es Panum wirklich gelungen war, auf dem besclirie-
*) „Es dürfte also unzweifelhaft sein, dass die in Rede stehende Proteünverbindung, verschieden vom Fibrin und Albumin, im Serum präexistirt, und in demselben durch die Salze und Alkalien in Auflösung erhalten wird, sich aber ausscheidet, wenn die Salze verdünnt und das Alkali an Essigsäure gebunden wird“ (128 p. 259).
2) „Liebig fand vor längerer Zeit, dass aus einem mit Essigsäure neutralisirten Blutserum durch Wasser ein körniges „Albuminsediment“ gefällt werden kann. Hätte dieser grosse Chemi-
ker, nachdem Scherer und Rochleder ihre Arbeiten über Casein in seinem Laboratorium vollendet hatten, zuerst das Serum mit Wasser verdünnt und darnach durch Hinzufügen einer verdünnten Essigsäure die im Ueberschuss der Säure leicht lösliche Fällung beobachtet, so unterliegt es keinem Zweifel, dass er den ausgefällten Stoff sogleich als Casein erkannt haben würde, anstatt die Erscheinung falsch zu deuten und als Curiosum bei Seite zu legen“ (128 p. 263—4).