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DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS LT1N DES EIWEISSES.
men Albumin nicht nur die von einer grösseren oder geringeren Menge Proteün-substanz befreiten Mutterlaugen verstanden wurden, sondern dass auch die Eigenschaften, die gegenwärtig dem Albumin zugeschrieben werden, seit dem genannten Autor sowohl an unveränderten protemhaltigen Flüssigkeiten als auch an solchen studirt wurden, denen die Substanz, die unter den erwähnten Bedingungen als Niederschlag erscheint, vorher entzogen worden war. Es darf auch nicht vergessen werden, dass man den Eigenschaften dieser Niederschläge oder deren Lösungen diejenigen der Mutterlaugen entgegensetzt, ohne zu beachten, ob aus diesen grössere oder kleinere Mengen Proteünsubstanz ausgeschieden worden sind. Panum, der derselben Ansicht auch in Bezug auf den Niederschlag der protemhaltigen Flüssigkeiten war, schlägt auch im folgenden Jahre (129 p. 423) vor, denselben zum Unterschied vom Serumalbumin, Ser um cas ein, zu nennen (ib. p. 425). Es unterliegt keinem Zweifel, dass er sich kein einziges Mal vergegenwärtigt hat, was er eigentlich für Albumin ansah. Im allgemeinen nahm Panum an, dass nach der Abscheidung des Serumcasems das Filtrat Albumin enthielt, welches sich eben beim Kochen dieser Flüssigkeit ausschied (ib. p. 423—7). Mangel an eignen Beobachtungen, völlige Unkenntniss der historischen Entwicklung dieser Frage und, infolgedessen, Mangel an irgend einer Vorstellung von den Eigenschaften des Albumins waren die Gründe, weshalb Panum in einem jeden Niederschlage, den er unter andern Bedingungen, als es das „Serumcasem“ erforderte, erhielt, einen neuen Körper zu sehen glaubte. So nahm er den durch Verdünnung mit Wasser aus Hühner-eiweiss erhaltenen Niederschlag für einen besonderen Körper—„Eierschleim“ *)—an. Natürlich thut es nicht der Name; es ist aber interessant hervorzuheben, dass Panum auch hier, ohne die Arbeiten seiner Vorgänger zu kennen, zu denselben Schlüssen gelangte wie diese. Der durch Wasser im Eiweiss erzeugte Niederschlag. der mittelst einer genügenden Menge Kochsalzlösung von der Mutterlauge abgetrennt ist, bildete einen zähen schleimigen Klumpen, der in concentrirten wässerigen Kochsalzlösungen unlöslich war, aber nach Zugabe von Wasser mit einem geringen Zusatz von Kochsalz in Lösung überging. Diese Lösung wurde durch Phosphorsäure und Essigsäure, beim Kochen aber nicht gefällt. Der beschriebene Klumpen löste sich auch in der 'mit Kochsalz gesättigten protemhaltigen Flüssigkeit (ib. p. 448—9). Es ist wohl kaum nötig zu erwähnen, dass wir in diesem Falle eine der wesentlichsten Eigenschaften des Globulins, nämlich dessen Verhalten zum Kochsalz, vor uns haben. Offenbar untersuchte Panum diese Eigenschaft seines Serumcasems nicht in genügendem Masse; denn beider Sättigung des unveränderten (nicht mit Wasser verdünnten oder vorher mit irgend welchen Agentien behandelten!) Serums erhielt er einen Niederschlag, den er Albumin (!) nannte, da dieser Niederschlag (unstreitig Globulin), selbstverständlich auf Kosten des in ihm enthaltenen Kochsalzes, in Wasser sich auf-löste; beim Kochen, wie auch in Gegenwart von Essigsäure und Kaliumeisencyanür, fiel ein Niederschlag aus der Lösung aus ‘).
Somit fehlte für die Unterscheidung des „Albumins“ von dem „Casein“ jede luetische Grundlage! Somit beschränkte sich alles auf den Unterschied in der
*) „Ich erlaube mir für diesen im W e i s-sen des Hühnereies vorhandenen -sch lei m artigen Stoff den Kamen „E i e r s chl e i m“ vorzuschlagen“ (129 p. 449).
2) „Aus dem Serum finde ich allerdings, dass man durch eine sehr grosse Menge fein gepulvertes, reines Kochsalz einen festen, eiweissartigen Stoff fällen kann; dieser zeigt aber nicht
die Eigenschaften der durch Säure und Salz gefällten Stoffe. Er löst sich nämlich sehr leicht in Wasser, und die wässrige Lösung wird durch Kochen vollständig gefällt; Kaliumeisencyanür fällt ihn nicht ohne Zusatz von Essigsäure; in Essigsäure und Phosphorsäure ist er unlöslich“ (129 p. 458).