﻿DAS GLOBULIN DES BLUSERUMS UND DES ÉEWEISSES.
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Benennung der Niederschläge ein und desselben Körpers, welche aber auf verschiedene Weise erhalten worden waren!
Um diese Niederschläge zu erhalten, musste Panum eine grosse Quantität Kochsalz zusetzen (129 p. 459—60). Wenig concentrirte Lösungen protemhaltiger Flüssigkeiten können in einem solchen Falle auch keinen Niederschlag ausscheiden. So liess wie gewöhnlich mit Wasser verdünntes Hühnereiweiss, mit Kochsalz behandelt, keinen Niederschlag ausfallen (ib. p. 458). Nichtsdestoweniger konnte Panum bei der vereinten Einwirkung von Säure und Kochsalz von letzterem viel weniger, und nicht einmal gepulvertes, sondern in Wasser gelöstes, nehmen und erhielt dennoch einen Niederschlag; andererseits brauchte er aber zur Fällung durch Säure die protein-haltige Flüssigkeit nicht mehr mit Wasser zu verdünnen, was mit der Einwirkung des Salzes im Einklänge stand. Aber diese durch die vereinte Wirkung von Säuren und Salzen auf Hühnereiweiss und unverändertes Serum (merken wir—auf Flüssigkeiten, die noch Panum’s Serumcasein enthielten) entstandenen Niederschläge benannte Panum mit einem neuen Namen „A c i d a 1 b u m i n“. Diese Niederschläge werden aus den genannten Flüssigkeiten erhalten, gleichgültig, ob sie zuerst angesäuert und dann mit Salz gesättigt werden, oder anfänglich möglichst viel Salz eingeführt, und dann erst die Säure zugesetzt wird. In beiden Fällen sind die Niederschläge ihren Eigenschaften nach vollkommen identisch. Noch mehr: Panum’s Beschreibungen nach, besitzen dieselben auch alle Eigenschaften der von ihm aus Serum erhaltenen und Serumcaseïn benannten Niederschläge. Wenn wir hier die Einzelheiten, die für deren Identität zeugen, nicht anführen, so geschieht es nur, weil die durch Salze und Säuren erzeugten Niederschläge als Grundlage für die Lehre von der Verbindung von Säuren mit den Globulinen (s. Kap. XIII über die Beziehungen des Globulins zu den Säuren, 122 p. 165) gedient haben. Ob zuerst ein neutrales Salz—Chlornatrium, Natriumphosphat oder Natriumcarbonat, Chlorcalcium oder Magnesiumsulfat— und darauf eine Säure—Essig-, Phosphor-, Wein-, Oxal-, Milchsäure u.a.—, oder, umgekehrt, zuerst eine Säure und dann ein Salz zugesetzt wurde, in keinem Falle wurde in der Flüssigkeit das Vorhandensein von Protein durch rotes Blutlaugensalz oder durch Kochen, sogar in Gegenwart von Salpetersäure1) (129 p. 429), an den Tag gelegt. Es ist wohl kaum nötig hinzuzufügen, dass in allen Fällen, wo sich ein Niederschlag bildete, Panum ein und dieselbe Substanz vor sich hatte: er selbst fand es jedoch nicht für nötig die Frage an sich zu richten, ob sein „Serumcaseïn“ auch durch blosse Sättigung mit Kochsalz oder nur durch die vereinte Wirkung von diesem und der Säure ausgefällt wurde. In allen drei Fällen glaubte er einen verschiedenen Körper vor sich zu haben. Uebrigens hielt Panum für die Belegung dieses oder jenes Niederschlags mit diesem oder jenem Namen sich für nicht verantwortlich, da, seinem eignen Geständniss 2) nach, die Namen auf diesem Gebiete keine bestimmte chemische Vorstellung ausdrücken! Es ist interessant schon hier hervorzuheben, dass Panum durch Einwirkung von Säuren und Alkalien proteïnhaltige Flüssigkeiten (129 p. 428—9) ganz ausfällte. Zugleich findet er, dass unter dem Einflüsse von Luft und Feuchtigkeit und auch beim Trocknen und
*) „Die Ausfällung war, gleichgültig, oh zuerst Säure und dann Salz oder zuerst Salz und dann Säure hinzugesetzt war, bei hinreichendem Zusatz dieser Substanzen so vollständig, dass Ka-liumeisencyanür in der sauren, vom ausgefällten Stoff abfiltrirten Flüssigkeit keine Trübung erzeugte; ebenso wenig wurde das Filtrat durch
ein Paar Tropfen Salpetersäure oder durch Kochen getrübt“ (129 p. 428—9).
9) „Man muss sich nur erinnern, dass die so erwachsende Nomenklatur eine rein provisorische ist und keine Ansprüche darauf macht, bestimmte chemische Gedanken auszudrücken“ (ib. p. 420).
Natürlich konnte Panum das nur von sich selbst sagen!