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DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.
Erwärmen clas Serumcasem nicht nur in neutralen Salzlösungen sondern auch in Säuren *) in den unlöslichen Zustand übergeht.
Natürlich musste Panum’s Arbeit in einem jeden, der die einschlägige Literatur kannte und mit den Protemkörpern zu thun gehabt hatte, Erstaunen erregen und zu Protesten auffordern. Wirklich sprachen sich auch Scherer (150 p. 75; 151 p. 109), Zimmermann (183 p. B77) und Denis gleich nach dem Erscheinen von Panum’s Arbeit gegen dieselbe aus, indem sie den beschriebenen Niederschlag * 2 3), den dieser in seiner Unkenntniss für Casein ansah, für Albumin erklärten (151p. 109; 183 p. 377; 34 p. 82). Gleicherweise wurde in den damaligen Lehrbüchern, z. B. in denjenigen von Lehmann (98 p. 309), Schwartz (162 p. 57) u. a., das Vorhandensein nur eines Proteinkörpers in den tierischen Flüssigkeiten angenommen.
Es sei hier gleich auch Zimmermann’s Beobachtung gedacht, nach welcher Wasser, dem durch Kochen die Gase entzogen worden sind, im Serum keinen Niederschlag erzeugt; demgemäss erklärt Zimmermann die von ihm früher durch Wasser im Serum erhaltene Fällung durch die Gegenwart von Kohlensäure im Wasser oder durch den Einfluss der in der Luft befindlichen oder in dem Serum selbst vorhandenen Kohlensäure (183 p. 377). Interessant ist eine Bemerkung Lehmann’s, die er zwar nur beiläufig macht, die aber vom geschichtlichen Standpunkte aus in mancher Beziehung von Bedeutung ist. Panum’s Ansicht, dass der von ihm aus dem Serum durch Kohlensäure ausgeschiedene Körper Casein sei, ebenfalls nicht teilend, glaubt Lehmann, dass diese Reaction (Fällung durch Kohlensäure) eher auf dessen Analogie mit dem aus der Krystalllinse auf dieselbe Art ausgeschiedenen Körper—dem Globulin—hinweist und dass ein ähnlicher Körper und auf gleiche Weise auch aus dem Eiweiss ausfällt, während das Casein durch Kohlensäure 3) aus der Milch nicht ausgeschieden wird.
Verschiedenartige Benennungen der aus einer und derselben Flüssigkeit nach verschiedenen Darstellungsmethoden erhaltenen Niederschläge. Im J. 1856 und wieder im J. 1859 tritt Denis aufs neue mit Arbeiten über die proteinhaltigen Flüssigkeiten hervor, ändert aber unter dem Einflüsse von Thatsachen über die Gegenwart von Kohlensäure in den proteinhaltigen Flüssigkeiten in einem gewissen Maasse seine Ansicht (p. n. 91—2) über die Lösungsbedingungen des Albumins in denselben, indem er annimmt, dass letzteres in den proteinhaltigen Flüssigkeit nicht von den freien Alkalien sondern von Kali-, Natron- und Ammoniumcarbonaten und anderen darin enthaltenen Salzen in Lösung gehalten wird (34 p. 18). Um dabei das Albumin des Serums mit demjenigen des Eiweisses nicht zu verwechseln,
*) „Die Einwirkung der Luft verändert übrigens auch, was ich schon früher erwähnt habe, die Löslichkeitverhältnisse des Serumcaseïns; während dieser Stoff frisch gefällt in höchst verdünnten Salzlösungen leicht löslich ist, wird er nach dem Austrocknen sowie auch durch Erhitzen zum Kochen in Salzlösungen ganz unlöslich, ja er wird dann selbst durch Säuren in der Kälte nicht gelöst“ (ib. p. 438).
2)	„Dass ich im Uebrigen nicht mit Panum einverstanden bin, diesen Stoff als Casein anzusehen, sondern denselben immer nur als Albumin angesehen haben und hierin mit Zimmermann einverstanden bin, davon habe ich u. s. w.“ (151 p. 109).
3)	„Als charakteristisch für diesen Stoff be-
merkt Panum noch, dass er aus seinen Lösungen durch Kohlensäure praecipitirt werde; diese Beobachtung ist ganz richtig, allein sie widerspricht gerade der Identität dieses Stoff mit Casein: denn meinen Erfahrungen nach wird das Casein der Milch gerade nicht durch Kohlensäure ausgefällt, wogegen, wie unten erwähnt, das Globulin der Krystallinse fast vollständig aus seiner wässrigen Lösung durch Kohlensäure ausgeschieden wird. Ueberhaupt hat jener Stoff, der sich übrigens auch in dem Eiweiss der Eier durch Kohlensäure in geringer Menge nachweisen lässt, weit mehr Aehnlichkeit mit dem Globulin, als mit dem, was wir gewöhnlich Casein nennen“' (98 p, 359).