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DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES,
der von Panurn unter dem Namen Serumcase'in beschriebene Körper mehr dem Globulin der Linse gleicht, welches, gleich dem Serumcase'in, sich bei Durchleitung von Kohlensäure niederschlägt. Doch fand Schmidt ausserdem, dass derselbe sich bei Durchleitung von Luft wieder aufiöst 1), was früher von Lehmann für das Globulin der Linse gefunden worden war. So fordert die Gerechtigkeit anzuerkennen, dass Lehmann der erste gewesen ist, der in dem Albumin der Linse und dem Neutralisationsniederschlag des Serums gemeinschaftliche Züge gefunden hat. Wenn Lehmann, der in der Geschichte der Eiweisskörper bewandert war, diesen Niederschlag für Albumin ansah und demselben nur gemeinschaftliche Eigenschaften mit dem Globulin zuerkannte, so identificirt Schmidt, meiner Ansicht nach unzweifelhaft mit den Lehrbuche Lehmann’s (1853) sowie mit Panum’s Arbeiten sich begnügend, ohne tiefer darüber nachzudenken, folglich auch ohne sich von der Geschichte oder den Traditionen belehren zu lassen, ohne nötige kritische Beurteilung, den von ihm erhaltenen Niederschlag aus dem Serum mit dem Globulin des Hämato-globins und der Linse (154 p. 431—2) a).
So wurde eigentlich seit 1862 für den Niederschlag aus dem Serum, sei es dass er durch blosse Verdünnung mit Wasser oder durch dieses im Verein mit der Einwirkung von Kohlensäure oder Essigsäure erhalten worden war, die Benennung Globulin festgesetzt, wobei letzteres mit analogen Niederscliläg’en aus dem Hüh-nereiweiss, welche gleichfalls Globulin benannt wurden, identificirt wurde. Zum Unterschiede von diesen Globulinen schlagen wir auf Grund des von uns auf gestellten Satzes (p. n. 71), je nach dem Ursprung desselben, für das Globulin des Serums die Benennung „S e r o g 1 o b in“, für dasjenige des Eiweisses—„Ovoglobin“ vor. Die frühere Vorstellung vom Albumin als von einem einheitlichen Prote'inkörper des Serums und des Eiweisses zerfällt im allgemeinen in zwei Begriffe: Globulin und Albumin. Alles, was aus Serum und Eiweiss durch Wasser allein oder im Verein mit Kohlensäure oder andern Säuren, sowie durch Sättigung mit Salzen ausfällt, wurde „Globulin“ genannt, und Schmidt identificirte es mit dem Globulin des Hä-matoglobulins und der Linse; alles dagegen, was von der Proteïnsubstanz in Lösung bleibt, erhielt den Namen „Albumin“. Es mehrte sich die quantitative Vorstellung des einen auf Kosten des andern, so dass der Satz: „je mehr Globulin, desto weniger Albumin und umgekehrt“, aufgestellt werden könnte. Bei einer solchen Ansicht über die prote'inhaltigen Flüssigkeiten konnten quantitative Bestimmung fast zu gar keinen bestimmten Schlüssen führen; alles beschränkte sich auf das eingehende Studium der Eigenschaften der „Globulin“ genannten Niederschläge und auf dasjenige des in Lösung gebliebenen Prote'inkörpers, welcher den Namen „Albumin“ beibehalten hatte, auf welchen man aber nach alter Gewohnheit alle Eigenschaften, die an den natürlich vorkommenden unveränderten protein-haltigen Flüssigkeiten, dem Serum und dem Eiweiss, gefunden und studirt worden waren oder denselben eigentümlich sind, übertrug, trotzdem dass mit jeder neuen Darstellungsmethode des Globulins immer mehr und mehr von der Proteinsubstanz des Serums und des Eiweisses unter den Namen „Globulin“ gebracht wurde. Es ist interessant hervorzuheben,
f) „Ich muss Panum’s Angaben dahin vervollständigen, dass die durch Kohlensäure in verdünntem Blutserum bewirkte Trübung heim Durchleiten von atmosphärischer Luit oder von Sauerstoff wieder schwandet....
Die Uebereinstimmung mit dem Globulin, die sich im Verhalten bei abwechselndem Zuleiten
von Kohlensäure und Sauerstoff zeigt“ (154 p. 432, vergl. mit p. n. 112, ebenfalls p. n. 85—6).
■) „Es ist nach alPdiesen Thatsachen nicht möglich, die im Serum vorkommende gerinnungserzeugende Substanz das Panum’sche Serumcasem und das Globulin der Blutkörperchen für verschiedene Dinge zu halten“ (154 p. 444).