﻿124
DAS «L0BUL1N DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.
schliessen, wie z. B. die Hornhaut, die Umbilicalgefässe, die Knorpel, auch die Flüssigkeiten: humor aqueus, Speichel, Milch, Hiihnereiweiss, da die wässerigen Extracte der genannten Gewebe und die genannten Flüssigkeiten, nach der Versetzung mit Wasser und danach unter der Einwirkung von Kohlensäure, mit Seroglobin identische Niederschläge ausscheiden (154 p. 445—7). Das Seroglobin ist überhaupt sehr verbreitet und fast in allen prote'inhaltigen Flüssigkeiten enthalten 1). Es ist hier am Platze zu bemerken, dass Schmidt das Verhalten der Kohlensäure zu den globulinhaltigen Flüssigkeiten für so charakteristich hält, dass er in der Folge (1872) zur Bewerkstelligung vollständiger quantitativer Fällung des Globulins vorschlägt, durch das Serum, z. B. von Ochsenblut, nach der Verdünnung mit Wasser einen Kohlensäurestrom so lange durchzuleiten, bis die Flüssigkeit sauer reagirt. Vollständige Fällung des Globulins wird in demselben Falle auch durch Einführung von 4 Tropfen 25%-iger Essigsäure auf je 10 Cc. Serum erreicht. Durch dieses Verfahren fand Schmidt in Ochsenserum 0,72 und 0,80 Grm., in Pferdeserum 0,31 und 0,56 Grm. Globulin auf je 100 cc. (157 p. 423—4)
2. Die Dialyse in der Reihe der andern Behandlungsmethoden der protein haltigen Flüssigkeiten. Zu den oben beschriebenen Behandlungsmethoden der proteinhaltigen Flüssigkeiten gesellt sich noch seit 1862, eigentlich seit Graham’s Arbeiten (57 p. 36) die Dialyse, welche Graham behufs Abscheidung der Salze, folglich Reinigung der eigentlichen pro-teinhaltigen Flüssigkeiten, vorschlägt, da er zum Dialysiren nicht Globulin, sondern verdünntes Hiihnereiweiss mit einem gewissen Quantum Essigsäure gebraucht. Dieses Gemisch wurde 3—4 Tage lang dialysirt, worauf Graham fand, dass die Flüssigkeit im Dialysator nach dem Abdampfen und dem Verbrennen keine Asche hinterliess. Trotzdem dass, nach Graham’s Meinung, die gesammte Essigsäure unterdessen hatte verschwinden können, reagirte die Flüssigkeit im Dialysator, welche Graham Albumin nennt, sauer. Andererseits, von dem Satze ausgehend, dem Gerhardt (1857,55 p. 477) wieder beistimmte, dass die Prote'lnsubstanz im Serum und im Eiweiss mit einem Alkali verbunden sei, folglich das Albumin (im ältern Sinne) in den natürlich vorkommenden Flüssigkeiten sich in Verbindung mit Alkalien befinde, fällt Graham aus dem Hiihnereiweiss mit Säuren Albuminsäure, d. h. Albumin im älteren Sinne, dialysirt es, nachdem es aufs neue mit einem Alkali verbunden wurde, und findet, dass sich das sämmtliche Alkali abtrennt. Indem Graham diese That-sachen dem Resultat der oben beschriebenen Beobachtungen gegenüberstellt, findet er, dass man in der Dialyse ein Mittel besitzt die Verbindung des Albumins mit dem Alkali der natürlich vorkommenden Flüssigkeiten zu zerstören (57 p. 61). Wenn man auf dem Standpunkte der Lehre vom Albumin vor Panum und Schmidt bleibt, so lassen sich Graham’s Beobachtungen, dass er in beiden Fällen Albumin vor sich hatte, leicht erklären; zieht man aber auch das Globulin in Betracht, so muss man sagen, dass sowohl im ersten als auch im zweiten Falle (und hier fast aus schliesslich) Graham auch Globulin in der Lösung hatte, und dass trotz der Abtrennung der Salze die Prote'insubstanzen in Lösung geblieben waren, soweit dies aus
5) „Das Vorkommen der fibrinoplastisclien Substanz im Körper ist also ein sehr verbreitetes. Man weiss seit lange, dass fast alle albuminösen Körperflüssigkeiten durch Kohlensäure mehr oder weniger getrübt werden; da eine Trübung auf einer Fällung beruht, so beweist das eben, das in ihnen ausser dem Albumin noch ein anderer gelöster Stoff enthalten ist mit der Eigenschaft,
durch Kohlensäure gefällt zu werden, die dem gewöhnlichen Albumin nicht zukommt; dieser Stoff ist das Globulin, und sein verbreitetes Vorkommen erklärt sich leicht, da es keine Körperflüssigkeit giebt die nicht mehr oder weniger in Berührung und in Wechselverkehr mit zelligen Elementen gestanden hat“ (154 p. 448).