﻿DAS ÖLOBTlLIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSÉS.
Gefässes, in der Mutterlauge, nach und nach seine Löslichkeit einbüsst. Noch später (1876) fand Weyl (174 p. 637 und 175 p. 77) zwischen den in verdünntem Serum sowohl durch Kohlensäure allein als auch durch diese im Verein mit Essigsäure erzeugten Niederschlägen keinen Unterschied und gab ihnen den gemeinsaînen Namen „Serumglobulin“. Auch Hammarsten (1878, 64 p. 462—1885, 70 p. 303]) erkannte sowohl bei einer Probefällung mit Salzen als auch bei der Fällung nacll Weyl’s Methode nur ein und dasselbe Globulin.
Zugleich findet man bei Kühne die ersten, sehr interessanten und bestimmten, Angaben darüber, was unter dem Namen „Albumin“—„Serumalbumin, Serum-eiweiss“ zu verstehen sei. Nach der Abscheidung des Seroglobinniederschlags, welches aus 10-fach verdünntem Serum zuerst mittels Kohlensäure, dann durch Ansäuern des Filtrats mit Essigsäure (94 p. 175) ausgefällt worden war, wurde das mit Natriumcarbonat neutralisirte und nach dem Abdampfen der Flüssigkeit auf das anfängliche Volum gebrachte Filtrat, von Kühne für Albumin angesehen, wobei er fand, dass diese Flüssigkeit bei 70°—75° gerinnt, der sämmtliche Eiweissstoff jedoch erst in der Siedhitze und beim Ansäuern mit Essigsäure ausfällt (ib. p. 177). Daher muss Kühne für den ersten Forscher angesehen werden, der es sich angelegen sein liess, Globulin aus dem Serum auszuscheiden, wit sagen nicht, von dem „Albumin“ zu trennen, welches ihm nur in Gestalt eines Rests des Serums nach der Entfernung des Globulins bekannt war. Demgemäss finden wir auch hier keine bestimmte Vorstellung von dem Albumin, um so mehr als wir in Kühne’s Fall unter den Eigenschaften des Albumins nicht nur diejenigen eines Serums, dem das Globulin entzogen ist, sondern auch eines solchen, welches eine gewisse Menge Natriumacetat enthält (ib. p. 178), zu verstehen haben. Kühne selbst erkannte die Unzulänglichkeit seiner Angaben über das Albumin, weshalb er auch vorschlug das auf erwähnte Weise behandelte Serum der Dialyse zu unterwerfen, um „das Serumalbumin reiner zu erhalten, ohne es in einen unlöslichen Zustand überzuführen“. Nach dem Abdampfen der Flüssigkeit aus dem Dialysor bei 40° wird der Trockenrest eines „festen Serumalbuminats“ erhalten, welches die Fähigkeit nicht ein-gebüsst hat sich in Wasser, wenn auch nur langsam, aufzulösen *). Die erhaltene Lösung besitzt alle Eigenschaften des gewöhnlichen Serums, d. h. sie gerinnt in der Wärme, unter der Einwirkung von Alkohol u. s. w. (ib. p. 178).
Weiter fand Kühne, sich auf Wittich und Hoppe-Seyler berufend und im Gegensatz zu Graham, dass das Albumin durch Dialyse von den Salzen nicht befreit werden könne (ib. p. 179). Er beobachtete, dass nach 4-wöchentlichem Dialysiren globulinfreien Serums unter beständigem Wechseln des Wassers, das Serum einen aschenfreien und in Wasser nicht löslichen Niederschlag ausscheidet, der sich jedoch in verdünnten Säuren und Alkalien, hauptsächlich aber in Salzen, leicht löst s). Un-
*) „Es macht also den Eindruck, als unterscheide sich dieses Albumin durch seine Löslichkeit in Wasser. Dennoch scheint es, als ob dasselbe so wenig, wie irgend ein anderer reiner Eiweisskörper, in Wasser löslich sei, sondern auch das Serumalbumin scheint nur durch Salze in Lösung erhalten zu werden“ (94 p. 178).
2) „Nach den vorhin angeführten Methoden gereinigtes Serumeiweiss wurde nach 4-wöchenticher Diffusion in einer Temperatur, die so wenig um 0° herum schwankte, dass nach dieser langen Zeit keine Spur von Fäulniss, noch von organi-sirten Fermenten bemerkbar war, und bei täglich erneuertem Wechsel des destillirten Wassers
unter der sehr grossen Membran vegetabilischen Pergaments, nicht völlig salzfrei, trotz der nach Graham gebotenen schwachen Ansäuerung des Eiweisses mit Essigsäure. Nachdem schon lange nur Spuren von Salzen zum Wasser übergetreten waren, bemerkte man jedoch Folgendes: Die Eiweisslösung hatte einen nicht unbeträchtlichen grossflockigen Bodensatz bekommen. Als dieser mit Wasser auf dem Filter ausgewaschen worden, war diese Substanz wirklich aschenfrei, aber sie war zugleich unlöslich in Wasser, nur löslich in Salzlösungen und in verdünnten Säuren und Alkalien“ (ib. p. 179).
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