﻿DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.	131
schlag für Albumin ansahen und es dadurch für in Wasser unlöslich erklärten. Schtscherbakoff (ib.) und Danilewski (29 p. 312) finden, dass dieser Niederschlag in Salzen löslich ist 1). So nennt auch Zahn, ungefähr um dieselbe Zeit, den durch Alkohol im Serum bewirkten Niederschlag—Serumalbumin (179 p. 74). Dennoch ist es interessant hier zu erwähnen, dass letzterer weder durch Auswaschen mit Wasser noch durch Dialyse von der Asche befreit werden konnte (ib. p. 74—6).
Zu derselben Zeit wie Kühne veröffentlichte Brücke seine Arbeit (1867,18 p. 881), in der er unter anderem zwischen Panum’s Beobachtungen über die Einwirkung von Wasser und Essigsäure auf das Serum und seinen eignen—auf das Hühnereiweiss eine Parallele zog. Brücke hatte bemerkt, dass im Hühnereiweiss Wasser sogleich die Bildung eines Niederschlags bewirkt und das Filtrat bei der Durchleitung von Kohlensäure ein verhältnissmässig wenig umfangreiches, doch nach Brücke’s Ansicht, dem Panum’schen „Serumcasem“ analoges Präcipität ausscheidet (ib.). Er identifieirt jedoch diese Benennung mit dem Ausdruck „Paraglobulin“ (ib. p. 882). Brücke’s Untersuchungen sind auch noch in der Beziehung interessant, dass er den Versuch machte die Reactionen der Seroglobinlösungen mit denjenigen des gewöhnlichen „löslichen Albumins des Serums“ (ib. p. 883—6) zu vergleichen; er fand dabei, dass einer Globulinlösung alle Reactionen des gewöhnlichen „Serums“ eigen sind! Dieser Handgriff ist seitdem oft gebraucht worden! Brücke schlägt sogar ein Recept zur Bereitung einer künstlichen Albuminlösung vor: zu einer Kochsalzlösung wird soviel Kali-, Natron- oder Ammoniaklösung zugesetzt, bis die Lösung alkalisch reagirt, und dieses Gemisch zu dem in Wasser suspendirten Globulin zugeträufelt. Solche sorgfältig bereitete, keinen Ueberschuss von Alkalien oder Salzen enthaltende Globulinlösungen weisen alle Eigenschaften des Serums auf (ib. p. 887). Wie letzteres, scheidet auch diese Flüssigkeit bei dem Ansäuern mit Essigsäure keinen Niederschlag aus. Im allgemeinen führt Brücke den Beweis dessen, was Denis schon 30 Jahre früher vorgeschlagen und dargethan hatte (p. n. 91 u. folg.).
In der That hatten, von Denis an, Liebig, Scherer, Panum, Al. Schmidt, Kühne bis Brücke eigentlich Globulinlösungen (aus Serum und Eiweiss) untersucht und waren einstimmig zu dem Schlüsse gelangt, dass diese Lösungen alle Reactionen des Serums und des Eiweisses besitzen. Es ist auch kein Wunder, da, wie fernere Untersuchungen gezeigt haben, das Globulin der Hauptbestandteil der Proteine des Serums und des Eiweisses ist, demgemäss diese Flüssigkeiten im wesentlichen den Charakter von Globulinlösungen besitzen! Das Verdienst der genannten Forscher besteht eben darin, dass sie die Proteinsubstanz des Serums, des Eiweisses und anderer natürlich vorkommender Flüssigkeiten isolirt, deren (des Globulins) Eigenschaften studirt und zugleich dargethan haben, dass das Globulin in den natürlich vorkommenden Lösungen durch die Einwirkung der Alkalien und der alkalischen Salze, der Kohlensäure, Schwefelsäure, Chlorwasserstoffsäure u. a. Säuren in Lösung erhalten wird. Dieser Umstand veranlasst Brücke Schmidt’s (eigentlich Panum’s) Antrag, den Neutralisationsniederschlag für einen besondern, von dem früher angenommen Albumin unterschiedlichen Körper—Globulin—anzuerkennen, für unbegründet 8), schlägt aber seinerseits einen höchst unbestimmten Ausdruck für die Proteinsubstanzen
‘) In seiner ersten Arbeit hielt Danilewsky (27 p. 18) diesen Niederschlag für unlöslich in Salzen infolge des längeren Auswaschens mit Wasser, wie es scheint. Dessenungeachtet nennt es Danilewsky (28 p. 157) im Jahre 1880 „Albumin“, obgleich dessen Globulinnatur schon von allen anerkannt war. Ueberdies hatte, wie schon
erwähnt, Lehmann (p. n. 112) als erster diese Niederschläge Globulin genannt!
2) „... die Selbstständigkeit der von A. Schmidt Globulin genannten Substanz (Paraglobulin) als eines eigenen Eiweisskörpers durch die bis jetzt vorliegenden Daten nicht gesichert“ (18p.893).
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