﻿DAS GLOBULIN DES BLUTSERUMS UND DES EIWEISSES.
161
säure bringt in diesen Flüssigkeiten flockenartige Niederschläge hervor; Phosphorsäure sowohl als saures phosphorsaures Natrium erzeugt einen feinkörnigen Niederschlag. Eine Ausnahme bilden Borax, phosphorsaures Natrium, Natrium- und Kaliumacetat, die in diesem Falle nur Trübung hervorriefen. Melsens fand, dass die erhaltenen Niederschläge sowohl in einem Überschuss der Säuren, welche zur Fällung gedient hatten, als auch in Wasser, Alkohol und Aether im allgemeinen unlöslich sind (116 p. 178 und 181). Panum (1852, 129 p. 425) findet ebenfalls, dass Hühnereiweiss und Serum nach Versetzung mit Essigsäure oder Phosphorsäure, die in denselben keine Niederschläge bewirken, von neutralen Salzen der Alkalien oder alkalischen Erden gefällt werden; die Fällung ging schneller vor sich, wenn die Flüssigkeit mit der Säure leicht erwärmt und dann bis zur anfänglichen Temperatnr wieder abgekühlt wurde. Panum findet übrigens, dass es gleichgültig sei, ob zuerst das Salz und dann die Säure eingeführt wird oder umgekehrt: es findet ohne Unterschied vollständige Fällung der Protemkörper statt, so dass weder durch Ferrocyan-kalium in Gegenwart von Säure noch durch Salpetersäure oder Kochen Protein-körper sich im Filtrat nachweisen lassen. Essigsäure, Phosphorsäure, Weinsäure, Oxalsäure, Milchsäure (ib. p. 428—9; s. p. n. 123) scheinen sich in diesem Falle ganz gleichartig zu verhalten. Indem Panum auf solche Weise die sämmtliche Protein-substanz, z. B. des Serums, gefällt hatte, besass er in einem und demselben Niederschlage sowohl Globulin als Albumin, und finden wir in seiner Arbeit (ib. p. 417— 467) nicht die geringste Andeutung darauf, dass dieser Niederschlag aus besondern, mit verschiedenen chemischen Eigenschaften ausgestatteten Teilen bestanden hätte; im Gegenteil zeugen alle Beschreibungen und alle Schlüsse, die Panum zog, dafür, dass er in diesem Niederschlage eine einzige Substanz (Acidalbumin) hatte, die in ihrer ganzen Masse identische Eigenschaften aufwies. In Uebereinstimmung damit findet auch Eichwald (1873; 45 p. 136) keinen Unterschied zwischen den Niederschlägen, die er durch Chlornatrium und Salzsäure einerseits aus unverändertem Serum, andererseits aus Serum, welchem das Globulin durch Wasser und Kohlensäure entzogen worden war (ib. p. 136—7), erhalten hatte. Trotz des Auswaschens am Filter mit halbgesättigter Kochsalzlösung reagirten solche Niederschläge noch ziemlich stark sauer, wenn das Waschwasser schon längst keine Spuren von Säure mehr aufwies (ib. p. 129)! Nach Auflösung des obenerwähnten Niederschlags in Wasser und Neutralisation der erhaltenen Flüssigkeit hatte Eichwald Lösungen vor sich, die ihn an Albuminlösungen erinnerten (ib. p. 138). Das mit Wasser verdünnte Serum wurde nach der Behandlung mit Kohlensäuregas und Essigsäure vom Globulin befreit, aufs neue mit Essigsäure so lange angesäurt, bis in einzelnen Portionen durch Ferro-cyankalium vollständige Fällung erfolgte, wobei die angesäuerte Flüssigkeit mit dem gleichem Volum gesättigter Kochsalzlösung vermischt und auf einige Stunden in Ruhe gelassen wurde. Der erhaltene Niederschlag wurde abfiltrirt, konnte aber mit halbgesättigter Kochsalzlösung nicht gewaschen werden, da er sich darin auflöste, weshalb Eichwald die Kochsalzlösung zuerst ansäuerte. Definitiv wurde der Niederschlag mit neutralen Lösungen desselben Salzes ausgewaschen. Nach dem Waschen löste sich der in Filtrirpapier abgepresste Niederschlag leicht in Wasser, wobei die Lösung schwachsauer auf Lakmus reagirte, was Eichwald der Essigsäure zuschrieb (45 p. 96—8). Nach einem Zusatz von Natriumcarbonat zur Lösung gewinnt diese die Fähigkeit in der Wärme zu gerinnen wieder. Alles dies veranlasste Eichwald anzunehmen, dass er hier eine schwachsaure Salzlösung vor sich hatte (ib. p. 99), welche von einer gesättigten Lösung neutraler Salze, z. B Chlornatrium, gefällt wird, wobei jedoch auch nach dem Kochen etwas Substanz in der Lösung zurückbleibt. Bei vorsichtigem Zugiessen von so viel verdünntem Natriumacetat, bis die Probe in
11