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B I B L I O fl K A P D I E
tra, wobei in 3 derselben sich die Primitivstreifen entwickelt hatten und einer davon ein doppelter war. Das Ei wurde im Incubator 24 St. lang bebrütet, nachdem die Mitte des noch undifferencirten Blastoderms mit einer glühend gemachten Roux’schen Nadel ausgebrannt worden war. Die Henne welche dieses Ei gelegt hatte, war zu Misgeburten geneigt. Nachdem der Autor eine ausführliche Beschreibung der vorliegenden Misgeburt nach einem ebenen Präparat sowie nach Schnitten gegeben, spricht er sich dahin aus, dass man hier ein Object vor sich hat, in welchem innerhalb eines hellen Feldes 4 Bezirke entstanden waren; in einem davon hatte sich ausser einem entwickelten Primitivstreifen noch ein supplementärer kleinerer gebildet, der aber jedenfalls den Fœtus eines besonderen Individuums vorstellte, so dass dieser ganze Bezirk samrnt dem supplementären Teil gleichsam eine polyfœtale Misgeburt zweiter Ordnung vorstellt. In 3 Centren ist je ein Primitivstreifen zu sehen, während in dem rechten oberen—die Bildungsprocesse stehen geblieben sind, nachdem sie nur locale ektodermische Verdickungen gebildet haben; doch wird auch dieser Teil als ein selbständiger bildender Bezirk angesehen. Somit hat man hier, dem Autor nach, ein complexes System von Individuen, welche im Bereiche eines einzelnen Organismus, eines einzigen Blastoderms, entstanden sind, aber eine gewisse histologische Individualisation besitzen; dies ist aus den untersuchten Grenzgebieten der einzelnen Bezirke ersichtlich, wo der Dotterentoderm überall das Bild von Duval’s <vorderer Sichel», nämlich einer von dem früher hier gewesenen Embryonalwall zurückgelassenen Spur, darbietet. Diese Selbständigkeit in der Entwicklung tritt auch noch in der Verschiedenartigkeit der Winkel, unter denen die Fœti zu einander stehen, hervor. Der Autor weist im weiteren darauf hin, dass der von ihm beschriebene Fall zu keiner der bekannten teratologischen Theorien passt, d. h. sich weder durch Geoffroy de St.-Hilaire's Gesetz der Verbindung ähnlicher Teile (loi d’union des parties similaires), noch durch Räubers Radiationstheorie, noch auch durch Gerlach's künstliche Teilung der polyfœtalen Misgeburten in solche, welche innerhalb eines, zweier oder mehrerer heller Felder (mono- und bi-areale Entwicklung) entstehen, erklären lässt. Vorläufig hält der Autor mit seiner eignen Ansicht über die Entstehung der Misgeburten, namentlich der polyfœtalen, zurück und spricht sich zum Schlüsse ablehnend gegen Gerlach’s Bifurcations-theorie aus, nach welcher die Spaltung des Vorderendes des Primitivstreifens oder der Primitivfurche als Folge einer secundären Spaltung des anfänglich einfachen Foetus erscheint. Tur’s Ansicht nach, sind derartige Misgeburten das Resultat einer von einander unabhängigen Individualisation zweier Primitivknoten. Die von diesen letzteren sich differencirenden 2 Streifen können im Schwanzende des helles Feldes mit einander verwachsen und das Bild eines gleichsam gespaltenen Fœtus geben. Ein solches Bild giebt der Autor am Ende seiner Arbeit, wo er einen Fall von doppelter Misgeburt in dem nach 17-stündigem Bebrüten erreichten Stadium beschreibt: wir sehen hier 2 Primitivknoten, von denen 2 Streifen abgehen und allmälig zu einem einzigen verschmelzen.