﻿DIE GRUNDLAUTE DER MENSCHL. SPRACHE U. EIN UNIVERSALALPHABET.
63
!V. Bedeutung des Universalalphabets.
Ueber die wissenschaftliche Bedeutung eines Universalalphabets ist es wohl kaum nötig Worte zu verlieren, denn dieselbe ist unendlich gross. Anders steht die Frage nach der praktischen Anwendbarkeit eines solchen. Das vorliegende Universalalphabet, welches auf Vollständigkeit Anspruch macht, kann sowohl die Grundlage einer Universalsprache in der Zukunft als diejenige einer internationalen Schriftsprache schon in der Gegenwart werden.
A. Grün d 1 a ge einer internationalen S p r a c h e.
Welches auch die Universalsprache der Zukunft sein werde, sie wird sich durchaus auf ein Universalalphabet gründen müssen; ihre Lautelemente werden dieselben sein wie diejenigen des Universalalphabets, da letzteres alle möglichen Laute aller denkbaren Stellungen der Mundhöhle und der Stimmbänder umfasst. Unter den gegebenen anatomo-physiologischen Bedingungen kann unser Stimmapparat keine neuen elementaren Laute hervorbringen.
Wenn die Stammmutter der Sprachen—die arische—infolge der Zergliederung und Absonderung der Völker von einander ihrerseits in viele Sprache zerfallen ist, zwischen denen zuweilen sich nicht einmal Verwandschaft kundgiebt, so treten infolge des beständigen innigen Verkehrs der Völker mit einander solche Syntheseerscheinungen an den Tag, dass man mit Sicherheit behaupten kann, dass der zukünftige <Turmbau zu Babel» der universalen Staatsordnung von der Ausbildung einer Universalsprache aus der <Verwirrung der Sprachen begleitet sein wird. Das Universalalphabet stellt ja eben die allen Sprachen gemeinsamen Lautelemente vor.
B. Bedeutung des U niversalalphabets im internati o-nalen s c h r i f 11 i c h en V e r k e h r.
Das Universalalphabet kann schon heutzutage im internationalen Verkehr der Völker untereinander grossen Nutzen bringen. Den Charakter der Laute einer beliebigen Sprache einem jeden zugänglich machen und dadurch die Erlernung derselben befördern, ist seitens des Universalalphabets schon an sich ein grosses Verdienst, da vieles von keinem der jetzt existirenden Alphabete ausgedrückt werden kann, namentlich, wie aus unserer Darlegung folgt, vor allem wegen der Unbeständigkeit der phonetischen Bedeutung der Schriftzeichen (Buchstaben). Noch mehr: sogar die mit einer Sprache Bekannten werden für nützlich erachten die eigentlichen Laute derselben in deren phonetische!' Wiedergabe kennen zu lernen. Ueberdies zeugen Lepsius’, Passys, PetmfFs u. a. Systeme davon, wie unvollkommen die vorgeschlagenen Tran-scriptionen mit ihren complicirten Handgriffen, ihren unbeständigen Lautelementen sind. •
Es kann nicht abgeleugnet werden, dass man hier auf Fälle stossen kann, wo ganz verschiedene Wörter ganz gleich lauten; so wird z. B. sän im Universalalphabet mehrere französische Wörter—ceins, ceint, cinq, saint, sein, seing—bedeuten.... Man darf aber nicht vergessen, dass man, wenn man Gesprochenes hört, die den geschriebenen Worten entsprechenden Buchstaben ja auch nicht sieht, dass das Ohr nur die zusammengesetzten Laute auffängt, und dass ein gege-