﻿lîie (iniudlaiite der meuscliliclieu Sprache und eiu liuiversalalphabet.
Yon Prof. L. Morochowetz.
I. Allgemeine Sätze.
Es unterliegt keinem Zweifel, dass schon vom ersten Moment der Zusammenstellung eines Alphabets irgend einer Sprache an, die Unzulänglichkeit, eines solchen, selbst die gröberen, geschweige denn die feineren Nüancen der Laute der menschlichen Sprache wiederzugeben, erkannt werden musste. Lag die Ursache dieser Unzulänglichkeit in der Unvollkommenheit der analytischen Funktion des Öhrs der ersten Zusammensteller des Alphabets oder in der ungenügenden Kenntniss. die dieselben von der Phonetik ihrer Muttersprache im allgemeinen besassen? Offenbar wirkten beide Ursachen mit ein, und dies um so mehr, als jedes Alphabet viel später als die Sprache enstand und zwar aus der uranfänglichen bildlichen Schrift, deren Einfluss die Schöpfer des phonetischen Alphabets nicht abzuschütteln vermochten. In der Tat. macht die Unzulänglichkeit der Grundlaute sich in jeder Sprache fühlbar; auch die Diphthonge, die zusammengesetzten Laute, die besonderen phonetischen Zeichen u. s. w. zeugen dafür, dass neben der ungenügenden Bekanntschaft mit der Phonetik der Muttersprache auch die Unvollkommenheit der analytischen Funktion des Ohrs nicht die letzte Piolle gespielt hat. Daraus folgt der konventionelle Charakter der Schrift, die grosse Anzahl von Ausnahmen, das Vorhandensein von orthographischen Zeichen und, daneben, die Unantastbarkeit der herkömmlichen Orthographie...
Kürzer gesagt, es wurde mit der Zeit das Interesse der Piechtschrei-bung auf die schriftliche Darstellung des Wortes übertragen: die Darstellung durch Buchstaben und die durch Laute ausgedrückte Vorstellung von einem gegebenen Gegenstand wurde mit der schriftlichen Wiedergabe von dessen Benennung verknüpft, d. h. die schriftliche Darstellung wurde zur bildlichen Darstellung des Gegenstands.... Die Darstellung eines Gegenstands durch Schriftzeichen lebte sowohl im Gedächtniss als in den Handschriften und im Druck in ihrer anfänglichen Gestalt fort, während die Ausprache sich zeitlich und örtlich veränderte. Es ist dahin gekommen, dass man trotz einer vollkommenen Bekanntschaft mit dem Alphabet irgend einer Sprache dennoch aus kompetentem Munde erfahren muss, wie dieses oder jenes Wort auszuspre-