﻿AKTIONSSTRÖME DER MARKHALTIGEN NERVEN.
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dienten zwei Oeffnungsschläge zweier Induktionsapparate. Die Resultate einer solchen Reizung sind durch eine Reihe von Kurven (21—24) dargestellt. Der Versuch fand in folgender Reihenfolge statt. Auf den Nerven wirkten ein: 1) ein Schlag; 2) zwei Schläge zu gleicher Zeit; 3) zwei Schläge mit sehr kurzer (0,0005 Sek.) Zwischenpause; 4) zwei Schläge mit einer Zwischenpause von y400 Sek. Als Resultat sehen wir eine beständig anwachsende Amplitude der Kurve. Dieselbe Erscheinung bieten die Kurven 25—27. Das Anwachsen der Kurvenhöhe bei zweimaliger Reizung nach sehr kurzer Zwischenpause (weniger als 0,0005 Sek.) in Betracht ziehend, werden wir kaum gegen den tatsächlichen Stand der Dinge verstossen, wenn wir behaupten, dass es ein «kritisches Intervall» in GotclPs Sinne l) nicht giebt, und dass zwei Reizungen sich stets summiren, in welch kurzen Zwischenpausen sie auf einander auch folgen mögen. Hier sind zwei Einwendungen möglich:
1)	es können zwei Reizungen wie eine einzige, nämlich die stärkere wirken;
2)	der Nerv kann in der zwischen zwei Versuchen verflossenen Zeit irgend welche Veränderungen erfahren haben. Die erste Einwendung fällt bei Betrachtung der Kurve Fig. 22 von selbst weg: zwei Reizungen wirkten hier gleichzeitig, und die Kurve unterscheidet sich ihrer Höhe nach durch nichts von der vorhergehenden, die bei einer einzigen Reizung erhalten wurde. Anderseits sahen wir schon, dass eine Reizung, welche die maximale über-trifft, um einige hundert Mal verstärkt werden kann, ohne auf die Höhe der Kurve einen Einfluss auszuüben. Die zweite Einwendung wird durch folgende Betrachtung wiederlegt: ich versuchte von einem und demselben Präparat Kurven in gewissen Zeitintervallen (z. B. alle halbe Stunde) zu erhalten, um zu sehen, wie eine Abschwächung des Demarkationsstroms auf die Kurve einwirkt. Es erwies sich, dass die Amplitude der Kurve allmälig, doch um ein sehr Geringes abnimmt. Dabei konnte der Demarkationsstrom mehr als um die Hälfte schwächer werden. Diese Abnahme der Amplitude des Aktionstroms lässt sich, wie mir scheint, zum Teil durch eine allmälige unbedeutende Eintrocknung des Präparats und folglich eine Vergrösserung des Ohmschen Widerstands des Nerven erklären 2). Die auf Summirung der Reizungen bezüglichen Versuche wurden in obenbeschriebener Reihenfolge ausgeführt, weshalb der Einfluss der Zeit sich hier nur durch Verringerung, nicht aber durch Vergrösserung der Amplituden der summirten Kurven kundgeben konnte.
Somit existirt bei Zimmertemperatur (18 — 19° C.) kein «kritisches Intervall». Sollte dasselbe zu kurz sein, um bemerkt werden zu können? Gotch’s Versicherung nach, soll dieses Intervall bei Abkühlung des Nerven grösser werden.
*) Journ. of Physiol. Y. 23 p. XXII—XXIII; V. 24 p. 410.
') Es sei bemerkt, dass ich bei meinen Versuchen nur in ausschliesslichen Fällen den Nerven mit Kochsalzlösung zu benetzen brauchte, da in der zweckmässig eingerichteten feuchten Kammer Austrocknen während 3—4 Stunden nicht beobachtet wurde.