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AKTIONSSTRÖME DER MARKHALTIGEN NERVEN.
IV. Wirkung der Abkühlung auf den Aktionsstrom der Nerven.
Um diesen Einfluss zu untersuchen, musste eine Abkühlungskammer benutzt werden. Der Nerv sammt den Elektroden, auf denen er lag, wurde in eine aus Kupfer verfertigte Kammer mit Doppelwänden, zwischen welchen sich Eis befand, gebracht. Die eine der Wände war aus Holz und diente dazu, die Elektroden zu stützen. Das Thermometer zeigte 1,5° C. in der Kammer.
Die Kurven Fig. 8 und 28 geben einen Begriff von der Wirkung der Abkühlung auf den Aktionsstrom des Nerven. Die erste davon wurde bei 19° C. vor der Eintragung in die Kühlkammer, die zweite ceteris paribus 45 Min. nach der Eintragung bei 1,5° C. erhalten. Ein Vergleich dieser Kurven zeigt einen bedeutenden Unterschied in der Grösse der Amplituden. Dieser Umstand kann nur in der Verstärkung der elektromotorischen Kraft des Aktionsstroms der Nerven bei der Abkühlung eine Erklärung finden. Tatsächlich würde diese Vergrösserung noch bedeutender sein, wenn bei der Abkühlung der Ohm’sche Widerstand nicht auch anwüchse.
Kon trollversuche zeigten, dass bei der Abkühlung von 20° bis 1,5° C. der Widerstand der Nerven ungefähr um die Hälfte anwächst. Das erhaltene Resultat steht in direktem Widerspruch mit denjenigen der sowohl von Bo-ruttau ') als auch von Herrik * 2 3) und Gotcli :i) mittels des Kapillarelektrometers angestellten Versuche. Die Ursache dieses Widerspruchs liegt, wie mir scheint, in der Vergrösserung des Widerstands des Nerven bei dessen Abkühlung. Die Bewegung des Kapillarelektrometers wird in der Tat bei Vergrösserung des äusseren Widerstands stets verlangsamt, was bei der kurzen Dauer der Erscheinung Verminderung der Kurvenhöhe nach sich zieht. Ein Vergleich derselben Kurven (Fig. 8 und 28). zeigt, wie gross die Wirkung der Abkühlung auf die Periode des Aktionsstroms der Nerven ist: dieselbe wächst um ein Unbedeutendes an.
An denselben Kurven gewahrt man die Verminderung der Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Aktionsstroms in dem Nerven nach dessen Abkühlung. Nimmt man den Aktionsstrom als den Ausdruck der Nerventhätigkeit an, so dient der obenbeschriebene Umstand nochmals als Einwendung gegen die vor kurzem von Weiss 4) zum Beweise, dass die Temperatur auf die Verbreitungsgeschwindigkeit der Erregung im Nerven keine Wirkung ausübt. gemachten Versuche. Aus Fig. 28 ersieht man, dass zwischen dem Moment der Beizung und dem Beginn des Aufstiegs der Kurve ungefähr 0,0025 Sek. vergehen, und da zwischen der Reizungsstelle und dem nächsten Ableitungselektroden im vorliegenden Fall der Abstand 18—19 mm betrug, se beträgt die
») PH. Arcli. B. §4, S. 309.
:) Araer. Join'll, of Physiol. IV. S. 301.
3)	Journ. of Physiol. V. 28, S. 395.
4)	Compt. rend. d. la Soc. d. biol. 1900 p. 51; 1902 p. 138ft; 1903 p. 31.