﻿VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN ALKALIEN.
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die Asche der auf dem Filter zurückgebliebenen Masse nicht alkalisch reagirte. Im allgemeinen verhielt sich die obenerwähnte, in der Wärme nicht gerinnende Flüssigkeit wie Milch, welche ebenfalls eine starkalkalisch reagirende Asche zurücklässt (124 p. 20). Auf Grund des Gesagten löse sich der bei der Fällung der Milch mit Alkohol entstehende Niederschlag beim Kochen in Weingeist; in der abgeküld-ten Flüssigkeit erscheinen jedoch wieder Flocken, die eine starkalkalische Asche geben. Bei der Neutralisation mit Essigsäure werde die alkoholische Lösung gefällt, wobei der Niederschlag in einem Ueberschuss der Säure sich leicht auflöse. Scherer hält das Casein für einen Körper, welcher grosse Affinität für die Alkalien und Erdalkalien besitzt.
Die Resultate dieser von Scherer angestellten Versuche finden ihre Bestätigung durch Nasse (1842, 93 p. 157). Blutserum mit einer Aetzkalilösung (1: 100) versetzend, fand dieser Forscher, das Serum scheide einen Niederschlag aus, der sich wenig von dem Niederschlage unterscheide, den Essigsäure in mit Wasser verdünntem Serum erzeugt Q. Zugleich findet Nasse, dass Serum durch Ammoniakflüssigkeit und Kochsalz besser als durch das Salz allein gefällt werde (.VA 48—60 p. 118). Liebig (1842, 73 p. 875) beobachtete, dass nach der Auflösung in kohlensauren oder in ätzenden Alkalien das Seroglobin in der Wärme nicht gerann; wurde aber ein Teil des Alkali oder ein Ueberschuss desselben mit Essigsäure neutralisirt, so gewann das Gemenge die Fähigkeit, in der Wärme zu gerinnen (ib. p. 875). Auch falle das Fibrin nach der Auflösung in verdünnten Alkalien und nach der Neutralisation in einem Ueberschuss des Alkali aus, und verhalte sich ebenso wie das obenerwähnte Präparat, d. h. werde durch Einwirkung von Wärme, Metallsalzen u. derg. gefällt, kurz es biete alle Eigenschaften des gewöhnlichen Blutserums (ib. p. 881). Zugleich fand Liebig, dass der Neutralisationsniederschiag aus einer Fleischlösung in Salzsäure 1%0 (VA 48—60 p. 118) sich in Kalkwasser löste und darauf in der Wärme gerann (74 p. 125). Fast zu derselben Zeit beobachtete Rochleder (112 p. 262), dass Casein mit Barytlösung eine unlösliche Verbindung bildet, selbst wenn es nur in unbedeutender Menge in der Lösung vorhanden ist. Lehmann & Messerschmidt fanden ihrerseits, dass in Kalk gelegene Eier bei Versetzung mit Wasser reichlichere Fällungen ausschieden als solche, welche in Kalk nicht gelegen hatten.
Dumas (18 p. 455) erhielt ein Alkalialbuminat, indem er eine concentrirte Prote'inlösung mit gesättigter Aetzkali- oder Aetznatronlösung vermischte. Die erhaltene geléeartige Masse löste er bei Zimmertemperatur in Wasser auf und beobachtete beim Abdampfen Bildung von Häuten wie in der Milch. Baryt, Strontian und Kalk bilden mit Eiweiss unlösliche Verbindungen, wie solche noch heutzutage zum Verkitten verschiedener Gegenstände gebraucht werden. Diese Verbindungen werden mit der Zeit ungemeinen fest und hart.
Enderlin (23 p. 317) bemerkte, dass eine geringe Quantität eines Alkali in einer Lösung grosse Mengen Albumin aufzulösen vermag.
Lie b e r k ü h ms und Lehmann’s Arbeiten. Lieberkühn, dessen Arbeiten dem heutigen Leser allein bekannt sind, stellte anfänglich (1848, 70 p. 285)
-) „Dass die Menge des reinen Eiweisses im Serum gross sei, glaube icli allerdings nicht. ‘Wenn man eine verdünnte Kalilösung (1 auf 200 Theile) mit Blutwasser mischt, so müsste das freie Eiweiss sich allmählig mit dem Alkali verbinden, und erstens deshalb die alkalische Reaction sich
etwas mindern, und zweitens nach der Saturation des Alkalis durch Essigsäure sich mehr Bodensatz als in einem ebenso, aber ohne Zusatz von Alkali verdünnten Serum bilden. Der Unterschied, welcher sich zeigt, ist jedoch unbeträchtlich“ (93 p. 157).