﻿VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN ALKALIEN.
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Das von Panuin vorgeschlagene Unterscheidungsmerkmal zwischen dem Globulin und dem durch Säure in einer Alkalialbuminatlösung bewirkten Niederschlag fand schon in demselben Jahre einen Gegner in Moleschott. Letzterer schrieb, dass alle solche Angaben nicht die geringste Beweiskraft besässen, und dass sowohl der Natronalbuminatniederschlag als auch das Globulin, die durch vorsichtiges Ansäuern mit Essigsäure erhalten werden, in einem unbedeutenden Ueberschuss dieser Säure löslich seien. Moleschott behauptet, es sei unmöglich diese Niederschläge von einander zu unterscheiden '). Ausserdem finden wir bei Moleschott interessante Angaben für die Charakteristik des Alkalialbuminats: beim Kochen von dessen wässeriger Lösung bei Gegenwart von Salzen, z. ß. Chlornatrium, werde nämlich diese Verbindung ganz ausgefällt (85 p. 107).
Fast zu derselben Zeit erklärte auch Lieberkühn, der die selbständige Existenz von Panum’s Serumcase'm (—globulin) bestritt, dass Panum’s Globulin sich von dem durch Säure erhaltenen Niederschlag des von ihm beschriebenen Kalialbu-minats in nichts unterscheide; eine verdünnte Kalialbuminatlösung werde gefällt: 1) von Essigsäure, wobei der entstandene Niederschlag in einem geringen Überschuss der Säure sich sogleich wieder löse, 2) von Kohlensäure 2).
Indem Lieberkühn fortfährt Pan urn's Sätze, der auch in der äussern Form der Niederschläge einen Unterschied sehen wollte, zu bestreiten, macht er mit Beeilt auf die Unsicherheit eines solchen Kriteriums aufmerksam, da eine concentrirte Natron-albuminatlösung bei der Neutralisation mit Säure grosse Flocken ausscheidet, verdünnte Lösungen dagegen eine gleichmässige feinkörnige Trübung geben. Noch mehr: enthält das Natronalbuminat ein Alkali im Ueberschuss, so erfordere der unter diesen Bedingungen erhaltene Niederschlag auch mehr Säure zu seiner Auflösung (72 p. 166).
So erlitten Panum’s Schlüsse, die sowohl der historischen als auch der facti-sehen Begründung entbehrten, so zu sagen im Moment ihres Erscheinens eine vollständige Niederlage, da zwischen dem Globulin und dem durch Säure hervorgerufenen Alkalialbuminatniederschlag kein Unterschied gefunden wurde.
Ein anderer von Panum aufgestellter Satz in Bezug auf die unabwendliche Fällung des Alkalialbuminats durch Essigsäure lässt sich zwar teilweise erklären, verdient aber Beachtung als mögliches und bequemes Kriterium für das Alkalialbu-minat. Sowohl Panum als Morin (87 p. 423) hielten die Reaction der Fällung der Alkalialbuminatlösungen durch Essigsäure aus dem Grunde für charakteristisch, weil, wie schon längst beobachtet, das Blutserum von Essigsäure nicht gefällt wir d. Eine Reaction, die, man darf wohl sagen, nur das Serum, nicht aber das Hühnereiweiss oder mit Wasser verdünntes Serum charakterisirt, schrieben Panum und Morin, ohne besondere Beweisgründe und ohne die Beobachtungen anderer. wie z. B. Lehmann’s (p. n. 74), in Betracht zu ziehen, dem Protein des Serums zu. Dein widerspricht die Thatsache, dass, wie Morin fand, das Serum bei Gegenwart eines Alkali die Fähigkeit erwirbt, von einer Säure gefällt zu werden, demzufolge er im Verein mit Panum annimmt, dass das Protein des Serums unter dem Einflüsse des Alkali eine Veränderung erfahren, d. h. sich in ein Alkalialbuminat
!) „.....alle diese Angaben besitzen jedoch
nielit die allermindeste Beweiskraft. Das Natron-albuniinat wird ebenso wie das Natroncaseïn durch vorsichtige Sättigung mit Essigsäure gefällt, durch einen Ueberschuss der Essigsäure gelöst“ (85 p. 106).
*) „Das Kalialbuminat wird in seinen verdünn-
ten Lösungen durch Essigsäure gefällt und in geringem Ueberschuss sofort wieder aufgelöst, ferner bildet es eine klebrige Masse im halbtroeknen Zustande, und endlich wird es aus seinen Lösungen durch COs ausgeschieden“ (72
p. 166).