﻿VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN ALKALIEN.
107
Dass das Albuminat bei der Verteilung von Säure und Base in dem Blutserum auch eine Bolle spielt, dass sein Molekül nach irgend einer Seite metall- resp. alkalibindende Kraft besitzt, hatte schon Maly anerkannt (77 p. 182). Auch Hardy (40 p. 251) erkennt dem Globulin die Eisenschaften einer Säure zu.
Das Globulin als Säure. Das Studium der Geschichte des Verhaltens der Proteïnsubstanzen zu den Alkalien und Erdalkalien sowie unsere Bekanntschaft mit dem Globulin in mehr oder weniger reinem Zustande berechtigt uns dem aschenfreien Globulin die- Eigenschaften einer Säure zu-zu erkenn en, die wir deshalb „Globulinsäure“ oder einfach „Globulin“ nennen wollen. Wir schlagen diese Benennung um so lieber vor, als die Notwendigkeit, die Benennung „Albuminsäure“ beizubehalten, weder vom historischen Standpunkte noch auch aus dem Grunde berechtigt erscheint, dass die mit diesem Namen benannten Präparate in seltenen Fällen rein waren und meist Verbindungen des Proteins mit Basen vorstellten (s. Kap. XIX).
Alle Autoren, die aus irgend einer Quelle mehr oder weniger reines Globulin erhalten haben, sind darin einig, dass dasselbe sauer reagirt. Die Behauptung Bey-nold’s (p. n. 79), dass das Albumin schwach sauer reagirt, sowie Hammarsten’s (87 p. 466), dass das Paraglobulin Lakmus weit schwächer als das Casein rötet, erklärt sich durch den Umstand, dass sogar dialysirtes Paraglobulin eine gewisse, wenn auch sehr unbedeutende Menge Alkali enthält, wie Setschenoff (13E p. 85) fand und wir auch schon mehrmals weiter oben erwähnten. Beines, gut mit Wasser ausgewaschenes, aschenfreies (.W 48—60 p. 171 u.A.) Globulin rötet blaues oder violettes Lakmuspapier und entfärbt rosa Phenol-Phtaleïnpapier (90 p. 141).
In Bezug auf die Fähigkeit der Globulinsäure, die Kohlensäure aus deren Verbindungen mit Basen zu verdrängen, müssen wir gestehen, dass die zu diesem Zweck veranstalteten Versuche (p. n. 68, 97, 99) nicht überzeugend sind. Unsere eigenen Beobachtungen haben gezeigt, dass sehr fein gepulverter Marmor, der mit frischem, keine andere freie Säure enthaltendem Globulin bei Gegenwart einer genügenden Wassermenge verrieben wird, sich nicht zersetzt; doppeltkohlensaures Natron scheidet auch ohne Globulin beim Kochen seiner wässerigen Lösungen seine Kohlensäure aus, so dass das unveränderte weisse Phenol-Phtaleïnpapier nach dem Kochen der Bicarbonatlösung sich rosa färbt (90 p. 141). SetschenofFs Versuche über die Absorbtion von Kohlensäure durch Seroglobin- und Natriumbicarbonatgemengen zeugen ebenfalls gegen das Vermögen des Globulins, die kohlensauren Salze zu zersetzen (133 p. 6).
Im Interesse einer allgemeinen Charakteristik des Globulins als einer Säure darf nicht vergessen werden, dass das reine Globulin in Wasser unlöslich ist.
1.Darstellung vonVerbindungendesGlobulins mitAlka-lien oder Erdalkalien. Um diese Beziehungen besser studiren zu können, nimmt man die wässerigen Alkali- und Erdalkalilösungen im gesättigten Zustande und bei gewöhnlicher Temperatur, wobei auch hier Tc den Sättigungscoefficienten der erwähnten Basen bedeutet. Wenn wir verhältnissmässig ganz unbedeutende Menge einer wässerigen Lösung dieser Basen zu in Wasser suspendirtem Globulin zusetzen, so bemerken wir Auflösung einer gewissen Menge Globulin, wie gering die Dosen der zugesetzten Lösungen von Basen auch seien, da in den abfiltrirten Flüssigkeiten es schon leicht ist die Gegenwart von Proteïnsubstanzen nachzuweisen. Unstreitig findet die Auflösung auf Kosten der zugesetzten Menge der Base statt, wobei aber die Beaction der Flüssigkeit eine saure sein kann, d. h. dieselbe rötet eiü wenig gut zubereitetes, empfindliches Lakmuspapier (violettes oder sogar blaues—90 p. 141), entfärbt rosa Phenol-Phtaleïnpapier (ib.), verändert weder blaues