﻿114
VEKHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN ALKALIEN.
Alkaliglobulinen, Salz—Alkaliglobulaten u. s. w., zuzugeben, auf welche Denis zuerst (A°A° 48—60 p. 91) hinwies. Von der Existenz solcher Verbindungen zeugen die Fällungs- und Auflösungsreactionen, in denen die Verhältnisse der Base, des Salzes und des Globulins unter einander mehr oder weniger constant sind. Derartige Verbindungen können ihre eigene Dissociationstemperatur haben. So wird das nach Lieberkühn (p. n. 72) bereitete Natronglobulat bei 20%-igem Chlornatriumgehalt bei 55° gefällt; enthält dasselbe 10% desselben Salzes—bei 87°, 4%—bei 95°, und bei 2% fand auch beim Kochen keine Fällung statt. Ringer (110 p. 388) findet, dass Zusatz löslicher Kalksalze die Wärmecoagulation der Albuminate befördere. Da Pauli (101 p. 318) sämmfliehe Bestimmungen der Gerinnungstemperatur nur an einem durch Schlagen und Filtriren von faserigen Bestandteilen sorgfältig gereinigtem Eierklar, welches sogar „schwach- alkalische Reaction“ zeigte, vornahm, so sind wir berechtigt die Resultate seiner Beobachtungen als Zeugnisse für die Abhängigkeit der Gerinnungstemperatur der Alkaliverbindungen des Globulins von den Salzen zu betrachten.
Beobachtungen solcher Art berechtigen uns zu der Aussage, dass die Fällungstemperatur salz-alkalischer oder salz-erdalkalischer Verbindungen eine sehr complexe Curve vorstellt, die die Verhältnisse dreier variabler Grössen—der Globulin-, Salz* und Basenmenge—ausdrücken soll (s. Kap. XIX).
2. Zersetzung der Globulate. A. Einwirkung von Säuren. Die Zersetzung einer Verbindung des Globulins mit Basen folgt den allgemeinen Regeln des Ersatzes einer schwächeren Säure in einer Verbindung durch eine stärkere, auf Grund deren alle anorganischen Mineralsäuren und organischen Säuren die Globulinsäure aus deren Verbindungen mit Basen verdrängen, was um so besser von statten geht, als die Glo-bulinsäure, in ihrer Eigenschaft als fester, in Wasser unlöslicher Körper so zu sagen das Reactionsfeld leicht verlässt. Voller Ersatz und nachherige Abscheidung der Globulinsäure kann nur theoretisch angenommen werden. Ehe die Base zur zugesetzten Säure vollständig übergegangen ist, hat sich 1) eine Globulinverbindung mit geringem Alkaligehalt, haben sich saure und sogar neutrale Globulate gebildet, welche im allgemeinen weniger löslich als die Ausgangsverbindung sein und daher ausfallen können; 2) kann das sich auf Kosten der Base und der zugesetzten Säure neubildende Salz die sauren Globulate und sogar die reine Globulinsäure aufiösen, infolgedessen sich keine Niederschläge bilden werden; 3) kann die Menge des neu-gebildeten Alineralsalzes eine so grosse sein, dass sie die Fällung eines Globulats von geringerem Alkaligekalt befördern kann; 4) kann ein Ueberschuss der zugesetzten Säure zusammen mit dem Salze, welches sich gebildet hat, Ausfallen des Globulats bewirken; 5) kann endlich ein Ueberschuss der zugesetzten Säure sowohl die reine Globulinsäure als auch Globulate von geringem Gehalt an Base aufiösen (s. Kap. XIII).
In den meisten der genannten Fälle erhalten wir die Globulinsäure als Niederschlag nicht rein sondern mit einem grösseren oder geringerem Gehalt an einer Base, die hartnäckig vom Globulin zurückgehalten wird, welches in diesem Falle entweder eine Verbindung mit minimalen Quantitäten von Basen oder ein Gemenge solcher Globulate mit reiner Globulinsäure vorstellt. Andererseits können dieselben je nach der Concentration der Globulatlösungen, aus denen die soeben erwähnten Niederschläge erhalten werden, je nach der Zeit, welche sie unter Wasser oder im feuchten Zustande verbracht, je nach der Temperatur, bei welcher sie sich gebildet haben, sich mehr oder weniger schwer oder leicht in Salzen, verdünnten Alkalioder Säurelösungen aufiösen (s. Kap. XVIII).