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VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN ALKALIEN.
Seitdem begriff man unter dem Ausdruck „Albuminat“ eine Verbindung des Proteins mit verschiedenen chemischen Körpern, auf Grund der Analogie mit den Verbindungen von Säuren und Alkalien, welche die Namen Sulfate. Nitrate u. s. w. führen. Gleich diesen Benennungen sollte die Benennung „Alkalialbuminat“ offenbar deutlich ausdrücken. dass hier das Albumin gewissermaassen dieselbe Rolle spielt wie die Säure in den Salzen. Demgemäss setzte man zu dem Ausdruck Albuminat die Benennung irgend eines Oxyds oder sogar eines einfachen Metalls, welches in der Verbindung die Base vorstellen soll. Die deutschen Autoren benannten diese Albuminate, den Eigentümlichkeiten der Sprache gemäss, „Natronalb uminat“, „Ka-lialbuminat“ oder im allgemeinen „Alkalialbuminat" u. s. w.
Zu den Synonymen der Alkaliverbindungen des Globulins muss auch das von Sclmaubert (130-a p. 75) gebrauchte Wort „Evweiss“ zur Bezeichnung einer Verbindung des Natrons mit Eiweissstoff (AW 48—60 p. 94) gerechnet werden. Es sei hier erwähnt, dass Schnaubert mit Kalkwasser im Eiweiss einen Niederschlag erhielt, diesen aber nicht für kohlensauren Kalk ansah. da Salpetersäure denselben vermehrte (130-a p. 78).
Andererseits mangelte es auch nicht an Ansichten der Autoren über den salzartigen Charakter dieser Proteinverbindung mit einem Alkali. Braconnot z. B. (7 p. 337) löste 469 Grm. im Handel befindlichen mit Wasser ausgewaschenen Caseins unter Erwärmen in 12,5 Grm. doppeltkohlensauren Kali bei Gegenwart einer genügenden Menge Wasser auf. Die Lösung reagirte alkalisch; nach dem Abdampfen wurde der Rückstand getrocknet (ib. p. 339). Dieses Product sah Braconnot für eine Verbindung des Kali mit dem Casein—Kalisupercaseat (surcaséate de potasse)—an und fand, dass dasselbe sowohl in kaltem als in kochendem Wasser löslich sei. Um dieses Präparat zu reinigen, empfiehlt er dasselbe mit Schwefelsäure auszufällen und dann aufs neue mit einer zur Auflösung genügenden Menge doppeltkohlensauren Natrons zu erhitzen. Die schleimige Masse wird in der Wärme mit dem gleichen Volum Alkohol gefällt, doch so, dass der Niederschlag, welcher sowohl die Eette als auch das Natriumsulfat u. s. w. enthält, erst nach 24 Stunden erhalten werde. Die Flüssigkeit stellte nach dem Abdampfen und Trocknen eine ganz d urcli sichtige sauer reagi rende AI a s s e vor. Anscheinlieh war es diese letztere Reaction, welche Braconnot veranlasste dieses Präparat Case'insäure oder Käse (acide caséique ou caséum) zu nennen (ib. p. 342). Die Lösung dieses Präparats wurde dennoch von Essigsäure gefällt, während der Niederschlag sich in schwachammoniakhaltigem Wasser auflöste. Nach abermaliger Fällung mit Alkohol und Trocknen enthielt das Präparat Ammonium. Auch dieses Präparat war in Wasser löslich und schied bei einer gewissen Concentration durch Einwirkung von Säuren einen in Wasser unlöslichen Niederschlag aus; war die erhaltene Lösung s c h w a c b genug, so bewirkten Säuren keine Fällung (ib. p. 344).
Denis schrieb seinem Albumin ebenfalls den Charakter einer Säure zu (14 p. 87). Gibourt (30 p. 559) zweifelte jedoch an der Existenz von Braconnot'’s Casein-säure (acide caséique), da es letzterem nicht gelungen war neutrale Verbindungen mit Alkalien zu erhalten.
Gleichsam als Erwiderung auf Gibourt’s Einwendung dienen die Beobachtungen von Berzelius (2 p. 42). Soviel mir bekannt ist, war Berzelius der erste, welcher in mehr oder weniger bestimmten Sätzen die zweifache Rolle des Proteins den Alkalien und Säuren gegenüber hervorhob (ib. p. 37), wonach das Fibrin bald die Rolle einer Base, bald diejenige einer Säure spielen soll, je nachdem es sich mit einer Säure oder mit einem Alkali verbindet l). In einer schwachen Alkalilösung löse das
*) „Das V erhalten des Faserstoffs zu Säuren	Basis, bald die einer Säure, oder wenigstens eines
und Alkalien zeigt, dass er bald die Rolle einer	electro-negativen Körpers spielen kann“ (2 p. 37).