﻿VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN ALKALIEN.
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Indem wir die Verbindungen des Proteins mit Basen für Albuminate überhaupt und die Alkaliverbindungen desselben für Alkalialbuminate anerkennen, halten wir es für notwendig, um beim weiteren Studium der Geschichte des vorliegenden Körpers Verwirrung in den Benennungen und Begriffen zu vermeiden, uns bestimmter Ausdrücke zu bedienen. Der Geschichte unseren Tribut zahlend, nennen wir vorläufig die in einer Albuminatlösung durch Neutralisation oder Fällung durch Säuren erhaltenen Niederschläge—N eut ralisations nieder sch läge; die durch die Einwirkung von Alkohol oder Salzen auf Albuminatlösungen erhaltenen—A 1 k o h o 1- oder S a 1 z n i e d e r s c h 1 ä g e. Endlich fügen wir, je nach der Base, mit weicher das Protein veibunden ist, zu den vorgeschlagen Benennungen den Namen der Base—Kali-, Baryt- u. drgl.—hinzu, ohne uns an die Nomenclatur anderer zu kehren. In der That kann man sich in den Arbeiten über die vorliegende Frage seit den 60 Jahren auch nur orientiren und dieselben mit den Arbeiten älterer Autoren vergleichen, wenn man einerseits die Darstellungsmethoden dieses oder jenes Präparats in Betracht zieht, andererseits den Sinn herausfindet, in welchem ein gegebener Autor das Wort „Albuminat“ u. dergl. gebrauchte.
Weitere Geschichte der Alkaliverbindungen. Die Neutralisationsniederschläge der „Alkalialbuminate“, welche von Hoppe-Seyler durch Einwirkung von Essigsäure auf Casein und Lieberkühn’s Albuminat erhalten wurden, waren im getrockneten Zustande von gelblicher Farbe, durchsichtig, hygroscopisch, quollen in Wasser auf. lösten sich darin aber nicht; ebenso wenig lösten sich diese Niederschläge in Essigsäure und schwer in Aetzalkalien, wobei wiederum eine geléeartige Masse erhalten wurde (51 p. 190). Stücke Kalialbuminat, welches nach Lieberkühn’s Vorschrift bereitet worden war, gaben nach längerem Auswaschen ein Präparat mit eonstantem Alkaligehalt—ein neutrales Kalialbuminat, Wird dagegen das Auswaschen noch länger fortgesetzt, so zersetzt sich das Alkalialbuminat allmälig, das Wasser entzieht nach und nach das Alkali, Hand in Hand damit trüben sich die Stücke, werden zuletzt ganz weiss, biissen die Fähigkeit ein, sich sowohl in kaltem als in warmem Wasser aufzulösen, und weisen im allgemeinen die Eigenschaften von Brücke’s Pseudofibrin auf. Frischgefällte NeutralisBtionsniederschläge" aus Alkalialbuminat lösen sich leicht in sehr schwachen Aetzalkalilösungen, aus denen sie durch Neutralisation mit Essigsäure bis zu schwachsaurer Pieaction wieder ausgefällt werden. In einer solchen Lösung bewirkt auch Kohlensäure Fällung, und um so vollständigere, je concentrirter die Lösungen sind und je weniger Alkali sie enthalten. Ebenso wird eine Lösung neutralen, nach Lieberkühn bereiteten Alkalialbu-minats beinahe vollständig gefällt; je mehr freies Alkali die Lösung aber enthält, desto schwerer findet die Fällung statt. Milchsäure und Phosphorsäure verhalten sich ebenso wie die obenerwähnten Säuren.
Die Neutralisationsniederschläge der Alkalialbuminate, sowohl der künstlichen als auch des natürlich vorkommenden—Casein—lösen sich in einem Ueberschuss der zur Fällung benutzten Essigsäure oder sehr verdünnten Salzsäure—4 cc. rauchender Salzsäure auf 1 Liter Wasser (51 p. 190). Zugleich findet Hoppe-Seyler, dass Lösungen von Lieberkühn’s Alkalialbuminat. sowie von natürlich vorkommendem Milch—durch Sättigung mit Magnesiumsulfat, Chlornatrium gefällt werden, und dass der Niederschlag sich rasch in Wasser löst (ib. p. 191).
t Es muss bemerkt werden, dass Hoppe-Seyler gallertartige Gerinnsel aus mit 2o V ol. Wasser verdünntem, mit Essigsäure bis zur Ansäuerung, dann mit Kohlensäure behandeltem und wieder bei niedriger Temperatur eingedichteten Hühnerweiss erhielt. In einer auf diese Weise bereiteten Flüssigkeit bewirkten gesättigte Alkalilösungen die Bildung gallertartiger Gerinnsel (50 p. 785).