﻿VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN ALKALIEN.
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dass Kühne hier den Neutralisationsniederschlag aus einer Alkaliverbindung des Globulins meinte, so nimmt er doch im allgemeinen an, dass das Protein im Serum mit einem Alkali, dem Natron, verbunden ist (64 p. 177).
Unter den Eigenschaften der Alkaliverbindungen hebt Kühne (ib. p. 175) unter anderem deren Fällbarkeit bei genauer Sättigung mit Essigsäure und andern Säuren, doch nicht mit Kohlensäure, hervor. Auf S. 565 desselben Werkes spricht Kühne jedoch mit nicht geringerer Ueberzeugung von der Fällbarkeit der Alkaliverbindung des Proteins durch Kohlensäur e. Dieser Widerspruch, den man beim Vergleich der entsprechenden Stellen in Kühne’s Werke wahrnimmt, erklärt sich dadurch, dass im ersten Fall offenbar ein Ueberschuss von Aetzalkalien und Alkalicarbonaten vorhanden war, da andernfalls nicht nur eine minimale Menge Essigsäure, sondern auch Kohlensäure das Protein fällt. In Gegenwart von Natriumphosphat dagegen bewirke nicht nur Kohlensäure sondern auch Essigsäure in einer Alkaliverbindung keine Fällung. Essigsäure, bis zu starksaurer Reaction zugesetzt1). fälle die Lösung (ib. p. 565).
Dieselben Beobachtungen, die Kühne zu der Ansicht leiteten, dass unter dem Einfluss von Wasser der Neutralisationsniederschlag die Fähigkeit einbüsse, sich in salzhaltigen Lösungen aufzulösen, scheint Brücke’s Schlüssen zu Grunde gelegen zu haben, dass unter dem Einflüsse der Alkalien und Erdalkalien (Kali, Natron, Ammonium, Kalk und Baryt) das Protein der natürlich vorkommenden Lösungen, je nach dem Grad der Concentration und Wärme, sich mehr oder weniger schnell in ein fällbares, d. h.. wie Brücke erklärt, in ein solches 2) verwandelt, welches nach der Fällung durch Säuren sich in salzhaltigen Lösungen nicht löst (10 p, 896).
Es muss bemerkt werden, dass Brücke schon im Jahre 1S59 (9 p. 178) beobachtete, dass Stücke von Lieberkühn’s Alkalialbuminat bei längerem Waschen mit sehr verdünnter Essigsäure und dann mit Wasser einen in Säuren und Alkalien schwer löslichen Niederschlag ausschieden, der wie Fibrin aussah, woraufhin Brücke ihn „Pseudofibrin“ benannte. Im Jahre 1866 schrieb Kühne, dass beim Auswaschen mit Wasser allein, ein eben solcher unlöslicher, aus Pseudofibrin bestehender Rückstand (64 p. 165), der denselben Charakter aufweist wie ein lange unter Wasser gelegener Neutralisationsniederschlag, aus einem Alkalialbuminat (ib. p. 176—-7) erhalten werde. Im Jahre 1867 erhielt Brücke aus einem Albuminatstück durch Einwirkung von Borsäure (10 p. 900) und auch von Kohlensäure (ib. p. 902) Pseudo-librin, indem er zugleich auch bei einfachem Auswaschen mit Wasser, wie es Kühne
‘) „Dieser Körper (Natronalbuminat) existirt in jedem Serum unabhängig vom Paraglobulin. Das Kalialbuminat wird nämlich nicht gefällt durch CCL, wohl aber durch genaue Neutralisation mit Essigsäure oder anderen Säuren, im Serum selbst nach schwachem Ansäuern“ (64 p. 175).
Zu vergleichen mit:
„Das reine Albuminat wird, wenn es keinen Uebei’schuss von Alkali oder kohlensaurem Alkali enthält, nicht nur durch die kleinste Menge Essigsäure oder Milchsäure, sondern auch durch CO: gefällt; ist aber Alkaliphosphat zugleich in der Lösung, so erzeugt CO» überhaupt keine Ausscheidung und Essigsäure nicht eher, als bis die Flüssigkeit schon stark sauer reagirt, nämlich nach der Umwandlung des ganzen Phosphates in das saure Salz im Momente, wo gerade ein Leberschuss von Essigsänre vorhanden ist. Hat
man dagegen gerade so viel Essigsäure zugesetzt, dass die saure Reaction noch nicht von freier Säure, sondern von saurem phosphorsaurem Kali bedingt wird, so hängt das weitere Verhalten der Lösung ganz von der Menge dieses Salzes ab“ (ib. p. 565).
2) „Die Alkalien und alkalischen Erden (Kali, Natx’on, Ammoniak, Kalk, Baryt) v erwandel n das native Eiweiss je nach ihrer specilischen Natur und je nach ihrem Concentrationsgrade und der Temperatur rascher oder langsamer in f ä 11-bares, was sich darin zeigt, dass ein durch Säuren hervorgebrachter Niederschlag sich, wenn auch jeder überflüssige Säurezusatz vermieden ist, doch nicht durch Zusatz von (nicht alkalisch reagirenden) Salzlösungen auflösen lässt“ (10 p. 896).