﻿VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN ALKALIEN.
95
Globulins. Hoppe-Seyler ist seinerseits der Ansicht, dass in sehr verdünnten Alkalilösungen die Globuline unverändert bleiben, von starken aber in Alkalialbuminate *) tibergeführt werden (54 p. 422).
Offenbar widmeten die Autoren, welche der Zeitperiode, von der hier die Rede ist, am nächsten stehen, dem Verbindungsprocess der Proteine mit den Alkalien an sich im Sinne der Lehre der älteren Autoren ihre Aufmerksamkeit nicht mehr, sondern nahmen die Gegenwart eines Alkalialbuminats dort an, wo der Neutralisationsniederschlag in neutralen Alkalisalzen unlöslich ist, indem sie Zugaben, dass schwache Alkalilösungen dem Globulin, oder dem Protein im allgemeinen, seine anfängliche Gestalt wiedergeben. Andererseits stimmten alle Autoren darin überein, dass ein in Salzen unlöslicher Neutralisationsniederschlag nur bei starker Concentration der Alkalien entstehe; dabei vergassen sie aber, dass je mehr Salze (die hier auf Kosten der Neutralisation entstehen) zugegen sind, desto schwerlöslichere Präparate die Fällungsproducte bei Gegenwart eines wenn auch unbedeutenden Säureüberschusses geben. Dieser Umstand war es, der den Grund zu der Lehre von den „ A cid albumin en “ (s. Kap. XIII) legte. Dazu fällt auch die Temperatur der Fällung der alkalischen Proteinlösungen, wie Hoppe-Seyler bemerkte, in Abhängigkeit (53 p. 232) von der Salzmenge. Die Autoren würden nur nötig gehabt haben, nach Denis’s, Schmidt s u. a. Beispiel, die Lösungen vor der Neutralisation stark mit Wasser zu verdünnen, um, man könnte mit Sicherheit behaupten, keine in Salzen schwerlöslichen Niederschläge zu erhalten. Andererseits war schon die festgestellte Thatsache vorhanden, dass je stärker eine salzhaltige Globulinlösung, desto schwerer der aus derselben erhaltene frischgefällte Niederschlag in Neutralsalzen löslich ist. Wie von diesem so müssen auch von den obenerwähnten Standpunkten aus, starke Lösungen, namentlich mit Hilfe gesättigter Alkalilösungen erhaltene oder auch ungenügend von einem Alkaliüberschuss befreite, vor der Darstellung eines in Salzen löslichen Products aus denselben vorher genügend mit Wasser verdünnt werden. Auch muss in Betracht gezogen werden, dass die Salze ihrerseits in einem gewissen Grade der fällenden Wirkung der Säuren entgegenarbeiten, woraus deutlich folgt, dass in solchen Fällen zur Erzeugung eines Niederschlags aus einer Alkalialbuminatlösung mehr Säure genommen werden müsse. So findet Schmidt (1876, 130 p. 14), dass vollständig gesättigte und dabei neutrale Seroglobin- oder Fibrino-genlüsungen in Alkalien bei Gegenwart irgend eines Neutralsalzes durch Essigsäure nicht ganz gefällt würden, demgemäss mit der Salzmenge in der Lösung auch die zur Fällung notwendige Säurenmenge anwachse * 2).
Unter den besonderen Eigenschaften der alkalischen Globulinlösungen muss auch auf Hammarsten’s Beobachtung (1875, 35 p. 16; 38 p. 39) hingewiesen werden, dass eine Globulin (Seroglobin) lösung in einer ganz unbedeutenden Menge eines Alkali durch 0,03—0,7%-ige Chlornatriumlösung bei gewöhnlicher Temperatur gefällt werde, während grosse Mengen desselben Salzes sowohl den erhaltenen Niederschlag nicht auflösen als auch in der obenbeschriebenen alkalischen Lösung keinen Niederschlag erzeugen.
Andererseits fand Deutschmann, indem er Fibrin von verschiedener Herkunft in 0,05%-iger Natriumlösung auflöste, dass eine solche Lösung von Ammonium-
') „Es (Seroglobin) löst sieb auch leiebt in Sodalösung und sehr verdünnten Aetzalkalilau-gen ohne Aenderung; durch stärkere Lauge wird es zu Alkalialbuminat........“ (54. p. 422).
2) „Eine völlig gesättigte alkalische Lösung der fibrinoplastiscben Substanz reagirt neutral. Aus solcher Losung wird sie durch Sättigung
des Alkali mit einer Säure vollständig gefällt; ist zugleich ein neutrales Alkalisalz zugegen, so bewirkt man die vollständige Fällung durch Ansäuern; der hierzu erforderliche Säureüberschuss wächst mit dem Salzgehalt der Lösung“ (130 p. 14).