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PHYSIOLOGIE UND HYGIENE DES SJTZENS.
noch die Neigung geistig entwickelter Kinder, sich für geistige, also wieder sitzende. Beschäftigungen zu interessiren, erklärt. Deshalb sehen wir so oft solche Kinder schon in frühem Alter, (gebückt, sich eifrig mit dem Ansehen, Ausschneiden von Bildern, mit Flechten und anderen sitzend zu verrichtenden Arbeiten beschäftigen.
Aus Obigem wird uns der unglückliche circulus vitiosus verständlich, dass, je schwächlicher, zarter ein Kind, desto grösser sein Hang ist, zu sitzen, d. h. seine physischen Kräfte durch Mangel an Übung zu schwächen, und desto schwerer es ist es zur Tätigkeit, zur Übung der Muskeln, die seinen Organismus stärken könnten, anzuspornen. Selbstverständlich ist nicht immer eine ererbte Schwäche der Konstitution des Kindes die Hauptursache der verzärtelten Erziehung: oft handeln die heutigen Mütter so unter dem Einflüsse übelverstandener Forderungen der Hygiene, angeborner Ängstlichkeit, eines panischen Schreckens der Eltern vor Ansteckung.
Unter solchen Bedingungen einer verzärtelnden Erziehung werden auch ohne erbliche Konstitutionsschwäche im Wesentlichen dieselben Resultate, nur etwas langsamer und weniger auffallend, erhalten. Ausserdem sehe ich für eine der Hauptursachen der schlechten Haltung der Kinder den antihygienischen Schnitt des Leibchens an. welches man ihnen schon im 2-ten Lebensjahre, sobald sie ein Beinkleid bekommen, anlegt. Dieses Leibchen, welches die ganze unterhalb der Taille befindliche Kleidung zu tragen hat. wird an der Brust von der Last der angeknöpften Beinkleider, Röcke. Strümpfe u. dergl., nach unten gezogen. Beim Einatmen aber hebt sich bekanntlich die Brust [der Brustkorb rückt nach vorn und nach oben]; folglich ist das der Brust fest anliegende und nach unten strammgezogene Leibchen dem freien Aufatmen hinderlich, und das Kind fühlt das Bedürfnis oberflächlich und oft zu atmen (die Brust erweitert sich also wenig, und die Lungen werden schwach ventilirt); und um das lästige Druckgefühl auf den Brustknochen loszuwerden, zieht das Kind die Schultern instinktiv nach vorn und bückt sich.
Nicht ohne einen bedeutenden Einfluss auf die geringe Beweglichkeit der Kinder ist unser Klima, sind die Bedingungen des raumbeengten Stadtlebens. Das regnerische Wetter im Frühling und im Herbst, die früh eintretende. Dunkelheit nach den kurzen Wintertagen, die Winterkälte, das alles fesselt die Kinder für lange Stunden, zuweilen für ganze Tage an das Haus. Die Last der warmen Überschuhe, Mäntel, Pelze und übrigen schweren Kleidungsstücke hindert die freie Bewegung der Kleinen beim Spazierengehen, ermüdet sie bald, kürzt jedenfalls die Zeit, die sie im Freien zubringen könnten, sehr ab.
Daher kommt es, dass das Kind im Laufe des Winters im besten Falle nur 1 Stunde täglich ausser dem Hause, den übrigen Teil des Tages aber in der dumpfen Stube verbringt... Womit beschäftigt es sich nun im Kinderzimmer.''
Vor allem natürlich, falls es das Schulalter noch nicht erreicht hat, mit
seinen Spielsachen.	^
Die heutige Spielwaarenindustrie liefert, von den Tendenzen und Geschmacksrichtungen der Eltern aufgemuntert, einerseits eine Menge sinnreicher Spielzeuge zum Flechten, Koloriren, Kleben, halten und dergl., alles Beschäftigungen, die in sitzende)' Stellung vorgenommen werden; anueieiseits