﻿PHYSIOLOGIE UND HYGIENE DES SITZENS
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bringt sio in den Handel sehr hübsche, typische, kunstvoll ausgeführte Figuren von Tieren, oft mit sehr kunstreichem Mechanismus, welche das Kind wieder aber sitzend bewundert, und die es nicht zum Laufen, zur Bewegung auffordern. Die sitzende Lebensart wird auch durch die massenhaften Ausgaben von Bildern, Albums und Büchern für das zarteste Alter begünstigt, womit die sorgsamen Eltern ihre Kleinen schon vom zweiten Lebensjahre an versehen. Dann beginnt die Periode des Vorlesens, richtiger des Misbrauchs der Lectüre, wenn die Kinder stundenlang sitzen und mit gespannter Aufmerksamkeit dem Lesen interessanter Geschichten in russischer, französicher, oder deutscher Sprache zuhören! Fangt nun das Kind an zu lernen, so gesellt sich zu diesem ohnehin langen Sitzen auch noch das Sitzen über den Aufgaben, oft an einem dazu wenig passenden Tische, gesellt sicli schliesslich die unvermeidliche Qual am Klavier, durcli die Gammen.
Ich würde einer jeden Mutter ans Herz legen auszurechnen, wie lange ihr Kind sich täglich mit geistiger Arbeit beschäftigt, also dessen Tagewerk zu bestimmen, und wieviel es bloss sitzt, und dann die von ihr erhaltenen Grössen mit der von der Hygiene bewilligten Norm der Lernarbeit zu vergleichen. Ein solcher Vergleich würde die Ursache der frühzeitigen Ermüdung und Apathie unserer Kinder, der frühen Abspannung ihrer Geisteskräfte und der späteren Formen der Gehirnneurasthenie mit ihren traurigen Erscheinungen hinlänglich erklären.
Somit müssen unsre Kinder aus verschiedenen teils vermeidlichen, teils unvermeidlichen Ursachen viel und lange sitzen. Betrachten wir nun, wie sie sitzen, was wir ihnen zur Befriedigung dieses Bedürfnisses bieten, mit andern Worten, was wir ihnen geben können, damit sie richtig, ohne zu ermüden, resp. der Hygiene entsprechend, sitzen können. Die Antwort auf diese Frage ist eine sehr einfache und kurze: gar nichts, d. h. es fehlt an jeglicher Anpassung dafür. Die Kinder sitzen auf Bänken, Stühlen und Sesseln, kleinen und grossen: im besten Falle ist nur die Höhe des Sitzes dem Wüchse angepasst, d. h. die Füsse der Kinder baumeln beim Sitzen nicht, sie erreichen den Boden.
Auch in den besten russischen und ausländischen Möbelhandlungen habe ich nichts Passendes gefunden, ausser etwa Eppstein's Schaukelstuhl (Hg. 1), der jedoch der Theorie nach dazu bestimmt ist gegen beginnende Skoliose und Kyphose rachitischer und schwächlicher Kinder anzukämpfen.
Dieser Theorie nach muss das Kind das Gesicht der Lehne zugewandt sitzen (warum sollte es sich aber nicht auch umkehren dürfen ? man wird ja eine und dieselbe Lage überdrüssig!) und sich mit den Händen an den Querhölzern halten, damit das skoliotische Bückgrat sich auf diese Weise geradebiege, obgleich es unverständlich bleibt, warum ein zweijähriges Kind soviel Verstand und Sorge für ein gerades Rückgrat an den Tag legen sollte!... Eher ist das Gegenteil zu erwarten, nämlich dass die stärkere (kräftigere) Seite noch kräftiger arbeiten, wie man
F i nr 1.