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PHYSIOLOGIE UND HYGIENE DES SITZENS.
es ja im Leben beobachtet, das folglich der Felder noch grösser werden wird. Da gerade die Rede davon ist, so darf man wohl behaupten, dass bei uns auch die für Erwachsene bestimmten Möbel aller möglichen Muster und Style ohne jegliche Sorge für die Bequemlichkeit, den wirklichen physiologischen Komfort, gebaut sind. Man braucht nur unsre Stühle anzusehen, mit denen es am allerschlimmsten steht: die Lehne ist weit nach hinten gebogen und bietet nur den Schultern eine Stütze, es der untern Hälfte des Brustteils des Rückgrats und dem Kreuz anheimstellend sich zu beugen, zu krümmen, überzuhängen, die Brust nach Gefallen einzudrücken. «Weniger gefährlich, für Erwachsene aber unbequem und für Kinder zuweilen schädlich, sind die unrichtig, obgleich vielleicht sehr elegant und stylvoll gehaltenen Lehnen der modernen Stühle, von den Sophalelmen der Wagen auf vielen Eisenbahnen nicht zu reden» sagt Prof. Karl Bardelehen (S. 503 d. Real. Encycl. d. Med. Wiss. Artikel «Rückgrat»).
Um die Frage beantworten zu können, wie denn gegen diese durch fehlerhaftes und gar zu langes Sitzen erworbenen Mängel und Misbildungen anzukämpfen sei. wollen wir zuerst betrachten, worin der physiologische Akt des Bitzens besteht.
Damit der Rumpf beim Sitzen die vertikale Stellung ohne Stütze für den Rücken einhalte, muss, wie bekannt, die Schwerpunktlinie durch die Kreuzgegend gehen; alle Muskeln des Abdomen, der Brust, des Halses und des Rückens müssen sich auf entsprechende Weise spannen (folglich immerwährend arbeiten und natürlich ermüden), damit der Rumpf und der Kopf gerade bleiben, sich nicht nach vorn oder rückwärts neigen sollen.
Unter solchen Umständen kann ein Kind unmöglich längere Zeit gerade sitzen, so schnell ermüden alle seine Muskeln, und es sucht instinktiv nach andern Stützpunkten. Da es sich meist mit irgend einem Spielzeug beschäftigt oder	in ein Buch	sieht,	so neigt es	sich gewöhnlich vorwärts, beugt
und reckt	den Hals nach	vorn,	krümmt den	ganzen Rumpf bogenförmig und
sucht die	Brust an den	Tisch	zu drücken	oder sich mit den Händen auf
diesen zu	stützen. Die auf diese Art öfters	gestreckten Rückenmuskeln ver-
lieren nach und nach ihre Elasticity ziehen sich immer weniger zusammen, werden schwach und können mit Mühe den starken Beugern des Rumpfes, den Bauchmuskeln '), Widerstand leisten. Bei täglicher mehrmaliger Wiederkehr dieser anormalen Stellung wird diese zur Gewohnheit, und das Kind wird kyphotisch (bekommt eine krumme Haltung).
Findet der Rücken des Kindes eine Stütze an der gewöhnlichen Lehne eines Stuhles oder Armsessels, wo der Stütztpunkt sich iu der Höhe der Schulterblätter befindet, so ist die Lage desselben iu nichts gebessert. Bei einem solche Sitzen biegen sich, da es ihnen an einer Stütze fehlt, das Ki ’euz und die untere Brusthälfte des Rumpfes, wobei die Bauchmuskeln dem Vorbeugen noch Vorschub leisten. Ausserdem entsteht durch das Zusammenpressen des Abdomen eine unangenehme Empfindung, von der sich ein jeder durch
) S. bei Prof. Setschenoic: ,die geraden Bauchmuskeln dienen als Beuger des Rumpfes" R. 110).