﻿PHYSIOLOGIE UND HYGIENE DES SITZENS.
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eigene Erfahrung überzeugen kann. Manchmal nimmt das ermüdete Kind eine Seitenlage an. indem es sich mit der einen Seite an den Stuhl anlehnt, oder einen Arm auf den Tisch legt, wobei sich das Rückgrat natürlich seitwärts krümmt. Hat das Kind sich an eine solche Stellung gewöhnt, so nimmt es dieselbe bei jeder Gelegenheit an. was beständige Streckung der Muskeln der einen Seite, beständige Kontraktion derjenigen der andern und dadurch die ge-wohnheitsmässige Seitenkrümmung des Rückgrats, d. h. Skoliose, zur Folge hat.
Ein ganz anderes Bild erhält man, wenn der Rücken des Kindes nur in der Kreuzgegend oder zugleich auch in der Brustgegend gestützt wird ').
Bekommt das Kreuz des Kindes eine Stütze, so biegt sich sein Oberkörper sogleich gerade; eine Menge Muskeln werden von der nun unnötig gewordenen beständigen Arbeit, der beständigen Kontraktion, erlöst, Bauch und Brust bekommen eine freie, durch nichts behinderte Lage, die Muskeln können ausruhen, und alle innern Organe arbeiten, ohne dass das Kind ermüdet.
Um Sie davon zu überzeugen, schlage ich Ihnen vor, die hinten verschränkten Arme sich auf die Krümmung der Kreuzgegend zu legen und auf einen Ihrer Stühle oder Sessel mit dem Rücken anzulehnen. Sie werden sogleich merken, wie leicht es sich sitzt und atmet, mit einem Wort, zugeben müssen, dass man ausruht. Daraus folgt, dass, wenn man der Stuhllehne unten eine der Krümmung (Konkavität) des Rückens entsprechende Wölbung und weiter oben eine dem Rückgrat angemessene Neigung giebt, man die Möglichkeit eines bequemen hygienischen Südens erhält, bei welchem unnötige Ermüdung (resp. Schwächung) der Muskeln vermieden wird, welche, wie oben erklärt wurde, bei Kindern die so oft beobachtete Hochschultrigkeit (Kyphose), hervorragende Schulterblätter (<Flügel> ), sowie seitliche Krümmungen (Skoliose) verursacht. Wie ersichtlich, ist die Anwendung des Prinzips, welches wir soeben betrachtet, der Kreuzgegend beim Sitzen eine Stütze zu geben, ausserordentlich leicht und einfach auszuführen; trotzdem aber haben wir dieselbe nirgend angetroffen, weder bei den luxuriösen, modernsten (im Dekadenzstyl gearbeiteten) und andern Möbeln, noch auch an Equipagen oder den Sesseln und Sophas in Eisenbahnwagen, am wenigsten aber in Kinderzimmern. Als einfachste Anwendung dieses Prinzips, also, um dem Kinde für den Rücken und die Kreuzgegend die nötige Stütze zu geben, würde ich folgende sehr einfache und billig herzustellende Einrichtung empfehlen: an die Stuhllehne wird in entsprechender Höhe, der Krümmung der Kreuzgegend angepasst, an Bändern ein aus Tuch oder anderem Stoff angefertigtes Polster in Form eines abgeplatteten Cylinders gehängt. Das Polster muss, je nach dem Alter des Kindes, nach folgender Tabelle verfertigt werden.
11 In seinem klassischen AA'erk: „Die Statik und Mechanik des menschlichen Knochengerü-stes‘‘ 1873, empfiehlt Pr. Meyer, indem er auf Ss. 198—202 die Bedingungen eines ruhigen, bequemen Sitzens analysirt. den Rücken im Kreuz zu stützen.
Karl Bardeleben spricht die Ansicht aus, dass der Schwerpunkt des ganzen Körpers auf das Kreuzbein und zwar auf den o-ten Kreuzwirbel (S. 509 Real. Encycl. der AViss.) fällt; man begreift nun, weshalb bequemes Sitzen Unterstützung der Kreuzgegend erheischt.
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