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VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN SÄUREN.
den. so gewinnt der obenbeschriebene Niederschlag eine nicht geringe Bedeutung für die Geschichte der Säureverbindungen des Proteins. Zugleich extrahirte Berzelius mit verdünnter Salzsäure, nach Gmelin’s Methode (A»A? 41—7 p. 73), Globulin aus dem Blutfarbstoff. Noch bestimmter sprechen sich über die hervorragende Wirkung der Säuren in dieser Beziehung auch in sehr verdünntem Zustande Bouchardat und Liebig aus (A°A° 61—7 p. 42—3). Bouchardat (8 p. 963) fand, dass Fibrin sich sehr gut in 0,05%-iger Salzsäure *) löste, wobei die Lösung Lakmuspapier kaum merklich rötete und von einem Ueberschuss von Chlorwasserstoffsäure, Salpetersäure und anderen Säuren gefällt wurde, in einem Ueberschuss welcher der erhaltene Niederschlag wieder löslich war. Die anfängliche Lösung trübte sich beim Kochen, und wurde von Metallsalzen, gelbem Blutlaugensalz und Tannin gefällt. Fast bei demselben Procentgehalt wirken auch andere Säuren: Alilchsäure, Essigsäure, Schwefelsäure, Salpetersäure n Phosporsäure 3). Auf dieselbe Weise stellte Bouchardat auch Casein-lösungen in 0,05%-iger Salzsäure dar (ib. p. 966) und erhielt mit andern übereinstimmende Resultate: alle erwähnten Proteinkörper und proteinhaltigen Flüssigkeiten zeigten in den Säurelösungen ein analoges Verhalten.
Rochleder (121 p. 253) fällte Milcli mit Schwefelsäure, löste den Niederschlag in Natriumcarbonat auf, fällte ihn aufs neue mit derselben Säure, und wiederholte dies bis dreimal. Infolge des Überschusses der zur Fällung benutzten Säure löste sich der zuletzt erhaltene Niederschlag teilweise in Wasser, besonders beim Erwärmen; beim Abdampfen schied das Präparat Häute und bei der Neutralisation mit Natriumcarbonat einen flockigen Niederschlag aus, der sich bei dem geringsten Ueberschuss des Salzes auflöste 3). Wurde aber der Caseinniederschlag sorgfältig mit Wasser gewaschen und infolgedessen alle Salzsäure fortgespült, so büsste das Casein seine Wasserlöslichkeit ein; gleich Berzelius fand auch Rochleder bei der Einäscherung dieses Präparats keinen Ueberschuss von Schwefel (ib. p. 258). Durch Aus-w'aschen enfernte man auch die Essigsäure, wenn die Fällung mit dieser Säure stattgefunden hatte, wobei der Geruch als Kriterium diente (ib. p. 257).
Scherer (127 p. 453), der unter dem Ausdruck Casein auch das Globulin der proteinhaltigen Flüssigkeiten begreift, findet, dass sowohl die Milch als auch viele pathologische Flüssigkeiten von allen Säuren gefällt werden, wobei der erhaltene Niederschlag sich besonders gut in einem Ueberschuss von Weinsäure und Essigsäure löst. Dabei ist es interessant, dass Scherer positiv behauptet, zur Fällung des Caseins müsse die Flüssigkeit nicht nur neutralisirt werden sondern auch noch einen gewissen Ueberschuss von Säure haben, da blosse Neutralisation zur Bildung eines Salzes führe, welches schon allein imstande sei das Casein in Lösung zu erhalten, und könne in diesem Falle Wärme die Fällung bewirken (ib. p. 453).
*) „Si l’on prend de l’eau à */•- millième d’acide
chlorhydrique (8 p. 963)...... contenant un ou
deux millièmes d'acide chlorhydrique en quantité suffisante pour maintenir un très léger excès d’acide“ (8 p. 966).
■) „Nous avons essayé comparativement des dissolutions tenant un demi-millième d’acide lactique, acétique, sulfurique, nitrique, phosphorique et chlorhydrique, et nous avons vu que dans toutes ces dissolutions la fibrine se gonflait et même se dissolvait en partie“ (8 p. 965). Man darf nicht vergessen, dass Bouchardat einen sehr unbedeutenden Rückstand, der sich in den Säuren nicht aufgelöst hatte, für einen besonderen Körper
hielt (VA» 75—80 p. 185), demgemäss er hier den Ausdruck „en partie“ gebraucht.
3) „I>as so erhaltene Casein enthält noch Schwefelsäure, die, wenn man es mit Wasser in Berührung bringt, einen Theil davon löslich macht, und zwar bedeutend mehr, wenn das Wasser eine
höhere Temperatur besitzt.......................
Versetzt man diese Flüssigkeit mit einer Lösung von kohlensaurem Natron, so fällt das durch die Schwefelsäure in Lösung gehaltene Casein in weissen voluminösen Flocken nieder, die sich im geringsten Ueberschusse des Fällungsmittels wieder auflösen“ (121 p. 257).